Gewaltfreie Kommunikation beobachtenn

Gewaltfreie Kommunikation Beobachtung

In den letzten Blogartikeln gab ich einen Überblick über die Selbst- und Fremdeinfühlung der gewaltfreien Kommunikation. Bei beiden geht es um die vier Schritte Beobachtung der Situation, Gefühle, Bedürfnisse und Bitte. Der Unterschied ist lediglich, dass ich bei der Selbsteinfühlung in mich selbst horche und bei der Fremdeinfühlung in die Sicht des anderen gehe und mir überlege, wie es in ihm aussehen könnte.

Heute möchte ich gern etwas genauer auf den ersten Schritt eingehen: die wertfreie Beobachtung der Situation. Wie oft gehe ich durch die Straßen, sehe Menschen und habe sofort eine Meinung zu der Person? Wie oft sehe ich Dinge in meiner Umgebung und bewerte sie, anstatt sie nur zu beobachten? Oft! Ständig! Es ist ganz normal, dass wir ständig die Welt und Personen bewerten, statt sie objektiv zu beobachten.

Es ist eine Sache, wenn es in einer Situation darum geht, abzuschätzen, ob uns Gefahr droht. Hier ist es elementar, dass wir gleich wissen, ob es gefährlich für uns werden könnte und welche Maßnahmen wir einleiten sollten. Doch im Alltag sind wir nicht oft in Lebensgefahr, zumindest, wenn wir uns in Deutschland befinden.

Was machen diese Bewertungen mit uns?

Sie nehmen uns oft den Zugang zu anderen Menschen und lassen Grenzen, Mauern entstehen, wo keine sein müssen. Können wir nicht einfach jedem die gleichen Chancen geben, uns kennenzulernen, egal, wie er/sie aussieht oder was er/sie beruflich macht?

Oft genug haben wir Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen und machen uns nicht die Mühe, zu hinterfragen, wo das eigentlich herkommt. Schlechte Erfahrungen mit bestimmten Nationalitäten führen oft dazu, dass wir alle über einen Kamm scheren. Doch das ist schade und nimmt uns die Möglichkeit, tolle Menschen kennenzulernen, die unsere Vorurteile abbauen.

Aber es müssen nicht nur Menschen sein, es kann auch um Situationen gehen, denen wir aus dem Weg gehen. Es war jetzt wichtig für mich, im Vorfeld zu erklären, dass wir oft unbewusst bewerten.
So ist es auch in der Kommunikation und im Umgang mit anderen Menschen. Sie machen etwas, wir reagieren mit Gefühlen. Oft beruhen diese Gefühle auf unseren Interpretationen.

Ein Beispiel:

Ich schicke einer Freundin eine SMS und die antwortet nicht. Ich bin sauer, kann sie sich nicht die Zeit nehmen und antworten? Bin ich es ihr nicht wert? Hat sie nicht mal zwei Minuten, um eine SMS zu schicken? So busy kann sie ja nicht sein… So kann ich mich wunderbar in meinen Ärger hineinsteigern (auf den Schritt Gefühle gehe ich nächstes Mal genauer ein) und aus einer Mücke einen Elefanten machen.

Ich könnte ihr erneut schreiben: „Du dumme Kuh, nie hast Du Zeit für mich! Kannst Du nicht mal antworten???“  Vielen Dank… Beachte auch die Wortwahl wie „dumme Kuh“ und „nie“, damit beleidige ich sie und pauschalisiere ihr Verhalten. Schließlich wird es nicht stimmen, dass sie „nie“ Zeit hat.

 

Aber ich könnte auch sagen: Stopp! Was ist eigentlich passiert? Wie kann ich diese Situation objektiv ohne Wertung beschreiben? Zum Beispiel so: Ich habe eine SMS verschickt, bisher ist bei mir noch keine Reaktion darauf eingegangen. Schließlich kann ich nicht wissen, ob meine SMS bei ihr eingegangen ist und auch nicht ausschließen, dass eine Reaktion verschickt wurde, doch bei mir nicht ankam.

Wie oft ist es gerade bei technischen Dingen so, dass sie nicht so funktionieren wie man es will? Und mir ist das wirklich schon passiert, dass ich mehrere Nachrichten geschrieben hatte und diese bei der anderen Person nicht eingegangen sind.

Es geht hier nicht darum, Ausreden zu erfinden, sondern, zu schauen, was objektiv zu betrachten ist. Es geht darum, dass unsere Interpretation zu schlechten Gefühlen führt und nicht klar ist, ob wir richtig interpretiert haben.

 

Ich könnte jetzt meine Freundin anrufen und nachfragen, ob meine SMS eingetroffen ist (ohne Vorwurf!). Es fühlt sich für mich viel besser an, nicht zu interpretieren und schlechten Gefühlen ihren Lauf zu lassen.

Ich kann mich nur wiederholen, die meisten Menschen machen nur selten etwas, um gezielt den anderen zu ärgern. Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse. Probiert es mal aus! Ich freue mich über Eure Berichte…

Im nächsten GFK- Blogartikel schreibe ich darüber, was bei dem zweiten Schritt  Gefühle zu beachten ist.

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