Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert

Bei Dir funktioniert die gewaltfreie Kommunikation nicht immer?

Bei der gewaltfreien Kommunikation (GFK) geht es nicht darum, dass wir immer gewaltfrei sprechen. Das ist auch nur schwer möglich und hat verschiedene Ursachen. Es gibt verschiedene Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert.

Um Dich dafür zu sensibilisieren und Dir auch den Druck zu nehmen, immer gewaltfrei sein zu müssen, findest Du hier noch weitere Ursachen, die Dir die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation erschweren.

1. Der Anspruch schnell zu sein

Am Anfang bedeutet die Anwendung der GFK, dass Du mehr Zeit brauchst zur Kommunikation, denn Du gehst in Dich und analysierst, gehst die vier Schritte (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) durch.

Einer der Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert, ist, dass Du glaubst, Du musst immer schnell reagieren. Doch diesen Druck machst Du Dir selbst. Klar, in unserer Gesellschaft ist es meistens wichtig, schnell zu sein. Du kannst jedoch entscheiden, ob Du bei dieser Rennerei mitmachst oder nicht.

Ich habe beispielsweise eine Bekannte, die mich am Anfang irritierte, weil sie sich Zeit ließ beim Antworten. Das dauerte einfach länger bei ihr als ich es von anderen gewohnt war. Letztlich hat das aber dazu geführt, dass ich mir auch mehr Zeit nehme zum antworten und es das Gespräch entschleunigt.

 

2. Eigene Verunsicherung

Einer der Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert, kann sein, dass Du denkst, dass Du keine „Fehler“ machen darfst.

Das hörte ich neulich im Coaching. „Ich habe Angst, dass ich nicht an alles denke, dass ich doch ein Tätergefühl nenne statt einem echten oder etwas anderes falsch mache.“ (Tätergefühl: ich gebe dem anderen die Schuld: du hast mich übergangen, verraten o.ä./ echtes Gefühl: ich bleibe bei mir selbst: traurig, verwirrt, müde, siehe auch unten Linkliste)

Ganz frech sagte ich, ohne groß darüber nachzudenken: „Selbst wenn Du etwas dabei „falsch“ machen solltest, ist es wahrscheinlich immer noch wertschätzender und erfolgversprechender als wenn Du gar keine gewaltfreie Kommunikation anwendest.“ Da grübelte er und gab mir am Ende Recht.

 

Sei nicht zu hart zu Dir, wichtig ist, dass man diese Möglichkeit der Kommunikation kennt und versucht, sie anzuwenden. Je mehr Du übst, desto leichter fällt es Dir.

 

3. Zu starke Emotionen

Wenn wir besonders emotional sind, kann das dazu führen, dass wir doch gewaltvoll sprechen, da wir keinen Abstand von der Situation bekommen.

In meinen Seminaren arbeite ich immer mit einer Stoppkelle. Die ist dazu gedacht, Dich daran zu erinnern, dass Du nicht immer gleich reagieren musst. Wenn Du kurz inne hältst, kannst Du die vier Schritte leichter gehen.

Klar, es gibt viele Tipps, wie Du Dich emotional „runter fahren“ kannst. Es gibt viele gute Entspannungstricks, wie tief durchatmen, Hände dreimal zu Fäusten ballen und ähnliches. Dennoch musst Du diesen Mechanismus schon drin haben, nicht gleich zu reagieren. Es hat also etwas mit üben zu tun.

An sich bin ich ja ein Fan davon, authentisch zu sein. Doch immer bin ich es auch nicht. Ich hatte mal eine Situation in einem Seminar, wo ich stinksauer war, weil eine Teilnehmerin herumschrie. Dennoch blieb ich dank der GFK ruhig und schaute, was die Teilnehmende brauchte und fand eine Lösung, die für uns beide passte.

Erst später klärte ich mit mir unter vier Augen, dass dieses Verhalten nicht angebracht war. Hätte ich das vor der gesamten Gruppe mit all meinem Ärger versucht zu klären, wäre ich vielleicht explodiert und das wollte ich nicht. Ich war also bewusst nicht authentisch, um mich selbst zu schützen und die Arbeitsfähigkeit der Gruppe zu erhalten.

Aber auch hier, verstehe mich nicht falsch: ich glaube, dass eine vollständige Kontrolle unserer Emotionen kaum möglich ist. Und das sollte auch nicht das Ziel sein. Es kann aber durchaus nützlich sein, wenn man sich kontrolliert.

 

4. GFK ist etwas Besseres- mach gefälligst mit!

Es kann auch passieren, dass Du die Einstellung vertrittst, die GFK ist etwas Besseres. Du möchtest nun, dass jeder diese Methode kennt und nutzt, dadurch übst Du gegebenenfalls mehr Druck auf die anderen aus.

Wenn diese nicht in dieser Art mit Dir kommunizieren wollen, nichts preisgeben möchten über Gefühle oder Bedürfnisse, ist es unsere Aufgabe, das zu akzeptieren und es zu lassen. Das kann schwerfallen und eine Herausforderung darstellen.

 

Dieses Problem hatte ich am Anfang. Ich wollte einfach, dass alle diese Methode kennen und habe zu viel Druck ausgeübt. Ja, die gewaltfreie Kommunikation ist grandios und hat mir schon oft geholfen.

Doch das muss jeder für sich selbst herausfinden. Manch einer braucht dazu mehr Zeit. Und andere können damit nichts anfangen. Dann ist das so, das kannst Du nicht ändern. Ich habe damit mehr oder weniger meinen Frieden gemacht ;).

 

GFK immer anwendbar?

Zusätzlich ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass die Anwendung der GFK auch zu der Situation passt.

Mit der gewaltfreien Kommunikation haben wir ansonsten die Möglichkeit, im Nachgang das Gespräch zu suchen und mit Hilfe der vier Schritte den Konflikt zu lösen, wenn wir das wollen.

Ich freue mich, wenn Du mir berichtest, warum es bisher bei Dir nicht funktioniert hat. Was hast Du selbst für Gründe bemerkt? Schreib mir einfach!

 

Linkliste:

Gewaltfreie Kommunikation

Drei häufige Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert Part I

Basis-Seminar

Intensiv-Seminar