ALG II

Wie wichtig ist es, Arbeit zu haben?

Immer wieder treffe ich in meinen Kursen und beim Coaching auf Menschen, die momentan keine Arbeit haben und sich deswegen unwohl fühlen. Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen, sind Akademiker oder auch nicht, jung oder „alt“, männlich oder weiblich und bekommen ALG I oder ALG II.

 

Das heißt, einige haben sich das Geld, das die Agentur für Arbeit zahlt, verdient, weil sie die letzte Beschäftigung lang genug ausgeübt und als Arbeitnehmer ihren Anteil der Arbeitslosenversicherungsbeiträge bezahlt haben (ALG I).
Nummer zwei ist ALG II, auch bekannt als Hartz IV. Viele Menschen fühlen sich nicht wohl, wenn sie ihr Gehalt nicht selbst verdienen können. Sie geben dann nicht gern zu, dass sie ALG II erhalten. Dabei müssen auch Angestellte sich bei zu schlechter Bezahlung durch Hartz IV aushelfen lassen.
Es gibt stets diverse Gründe, warum man momentan keinen Job hat, warum es teilweise länger dauert, eine neue Anstellung zu bekommen, als man gedacht hat. Neben den Einzelschicksalen gibt es viele Gruppen, die nur schwer in den Arbeitsmarkt integriert werden. Egal wie kompetent Du auch sein magst, hast Du nicht das richtige Alter oder auch das falsche Geschlecht für die entsprechende Position, wartest Du recht lang, bis zu wieder eine Anstellung findest. Schaut Euch Eure Gründe an…
Oft sind die Lücken recht groß im Lebenslauf, die Hintergründe sollte jeder einzelne für sich beleuchten. Gab es eine Krankheit, bei Dir oder Deiner Familie? Hast Du jemanden gepflegt? Oder warst Du Dir nicht mehr sicher, ob es wirklich der richtige Beruf für Dich ist? Alle diese Gründe führen zu Verunsicherung, die die Personaler auch im Gespräch spüren und die dazu führen, dass es länger dauert, eine Anstellung zu finden.
Arbeitslosengeldempfänger bekommen zusätzlich oft einen Stempel von der Gesellschaft aufgedrückt. Dass sie faul sind. Eh nicht arbeiten wollen. Nur auf der Couch sitzen und Chips essen. Das mag ja auf einige wenige zutreffen, ist meiner Erfahrung nach aber eher eine Seltenheit.

 

Das Schlimme daran ist, dass die „Gesellschaft“ nicht eine anonyme Masse ist, sondern auch die eigenen Freunde und Familienmitglieder, die ebenfalls der Meinung sind, dass man nichts wert ist, wenn man keinen Job hat. Als wenn der eigene Druck nicht schon groß genug wäre!
Wichtig ist, dass Du Dich nicht von anderen runterziehen lässt, dass Du Dir diesen Stempel „Mensch zweiter Klasse“ nicht aufdrücken lässt. Besteht unser Leben wirklich nur aus dem Job? Können wir nicht auch stolz auf andere Dinge sein? Können wir uns nicht an dem orientieren, was wir alles im Leben schon geschafft haben?

 

Damit meine ich nicht nur, was Du für berufliche Erfolge vorzuweisen hast, sondern auch, was Du noch alles im Leben gemeistert hast.

 

Dazu zählt auch, dass man Kinder bekommen und groß gezogen hat, damit beweist man bereits ein großes Organisationstalent. Was ist mit bestandenen Prüfungen? Oder mit besonderen Sprach- oder PC-Kenntnissen? Zählt das alles nichts? Was ist mit unseren inneren Werten, die unser Leben strukturieren?

 

Haben alle diese Dinge ihre Bedeutung verloren, nur, weil man gerade keinen Job hat oder „aufstocken“ muss?
Nimm Dir also die Zeit, zu schauen, was Du schon alles geleistet hast und erstelle Dir ein Kompetenzprofil, eine Aufstellung Deiner Kenntnisse und Fähigkeiten. So hast Du nicht nur eine gute Vorbereitung für Deine Bewerbungsunterlagen und das Vorstellungsgespräch, sondern kannst auch etwas für Dein Selbstbewusstsein tun.

 

Davon bekommst Du vielleicht nicht sofort einen Job, aber es fühlt sich besser an, wenn Du Dich darauf konzentrierst, was Du alles kannst, anstatt darauf, dass Du gerade Geld vom Staat erhältst.

 

Dadurch hast Du dann auch eine positive Ausstrahlung und ziehst Positives an. Hole Dir also Dein Selbstbewusstsein aus Dir selbst, schöpfe neue Kraft durch das, was Du schon erreicht hast.
So viel zu all denen, die der Meinung sind, wenn man Geld von der Agentur für Arbeit bekommt, ist man ein Mensch zweiter Klasse. Es kann jeden treffen und dann sind der Schmerz und die Enttäuschung groß. Schon im Vorfeld könnte man diesem Verlustgefühl vorbeugen, in dem man sich darauf besinnt, was eigentlich noch alles im Leben wichtig ist…

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