Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, es prägt sich stärker ein als reiner Text. Doch warum ist das so? Warum ist Visualisierung so wichtig?

 

Bevor ich viel erkläre, lade ich Dich zu einem Experiment ein (nach Birkenbihl). Lies den folgenden Text und merk ihn Dir. Wie viele Wiederholungen brauchst Du dafür?

 

„Zweibein sitzt auf Dreibein und isst Einbein. Da kommt Vierbein und klaut Zweibein Einbein.

Da nimmt Zweibein Dreibein und schlägt Vierbein.“

 

 

War das für Dich keine Herausforderung und brauchtest nur ein bis zwei Mal? Oder hast Du länger dazu gebraucht? Gehörst Du zu der ersten Gruppe, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass Du Dir den Inhalt direkt bildlich vorgestellt hast: Ein Mensch sitzt auf einem Schemel und isst eine Hühnerkeule, da kommt ein Hund und klaut ihm die Hühnerkeule. Da nimmt der Mensch den Schemel und schlägt den Hund. Bist Du eher in der zweiten Gruppe, hast Du wahrscheinlich Wort für Wort hintereinander gelesen und versucht, es Dir so zu merken.

 

Funktionen der beiden Gehirnhälften

Die Unterschiede liegen daran, dass wir zwei verschiedene Gehirnhälften (Hemisphären) mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen haben, die nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt sind.

Das Rechtshirn ist dafür verantwortlich, dass wir Bilder registrieren, Gefühle wahrnehmen und intuitiv sein können. Hier liegen unsere Kreativität und unsere Phantasie. Mit der rechten Gehirnhälfte betrachten wir Angelegenheiten non-linear und im Überblick.

Das Linkshirn hingegen speichert Zahlen und Worte und ist für die Analyse und Kombination zuständig. Techniken wie Sportarten oder auch Schreibmaschine‐Schreiben werden hier gespeichert und koordiniert. Die sprachliche Kommunikation ist in der linken Gehirnhälfte verankert.

Dementsprechend gibt es Menschen, die eloquent sind und andere, denen das flüssige Sprechen nicht leicht fällt. Manche Leute können sich Dinge gut und schnell einprägen, andere brauchen wesentlich länger dafür. Grund ist, dass bei ihnen die entsprechende Gehirnhälfte stärker aktiv ist.

Beide Gehirnhälften arbeiten unabhängig voneinander mit ihren speziellen Funktionen. Um die beiden Bereiche miteinander zu koppeln, gibt es einen dicken Nervenstrang, den Balken (corpus callosum), der die beiden Hemisphären miteinander verbindet. Beim Lernen ist es somit sinnvoll, beides zu synchronisieren, also mit Kombinationen aus Wort und Bild zu arbeiten, damit die Inhalte leichter gemerkt werden können.
 

Behaltensquote von Informationen

Werden verschiedene Sinneskanäle miteinander verknüpft, merken wir uns wesentlich mehr, als wenn wir einen Text nur lesen (10%). Wenn ich Dir erkläre, wie Visualisierung funktioniert, merkst Du es Dir zu 20%. Wenn ich es bildlich an Flipcharts zeige, erinnerst Du Dich schon an 30 %. Unterhältst Du Dich über die Inhalte, liegt die Behaltensquote bei 80%. Dies ist noch zu steigern, wenn Du den Inhalt direkt anwendest und selbst visualisierst (90%).

 

Lerntypen

Nicht jeder lernt gleich. Lernen erfolgt durch verschiedene Sinnesorgane, dementsprechend gliedern sich auch die Lerntypen.

Manch einer kann sich Inhalte wunderbar merken, wenn er diese nur hört, also Dinge auditiv aufnimmt. Hier wird es wichtig, mit der Lautstärke und der Satzmelodie zu arbeiten. Dieser Lerntyp kann auch hervorragend mit Hörspielen und -büchern arbeiten.

Andere be-greifen Informationen eher, wenn Sie diese fühlen und tasten können. Aktive Mitarbeit ist hier wichtig, denn begreifen und greifen stehen in einem engen Zusammenhang. Dabei handelt es sich um den haptischen Lerntyp.

Der verbale Lerntyp muss über die Dinge sprechen und diskutieren, damit er sich daran erinnern kann. Gruppenarbeit mit Diskussionen machen es ihm leichter als wenn er nur einen Vortrag hört.

Die meisten Menschen sind visuell geprägt und können so leichter lernen, wenn sie zusätzlich noch visuellen Input erhalten und Bilder und Symbole sehen.

Es gibt auch die olfaktorischen und gustatorischen Lerntypen, auf die gehe ich jedoch nicht weiter ein. Reinformen der einzelnen Lerntypen kommen äußerst selten vor, meistens sind wir eher Mischtypen. Der visuelle überwiegt dabei. Folglich ist es äußerst sinnvoll, Präsentationen mit Visualisierungen zu versehen, da die Mehrheit der Menschen dadurch leichter lernt.

 

Fazit

Visualisierungen dienen somit der Veranschaulichung von Informationen und der Reduzierung der Komplexität. Sie bleiben einfacher und länger im Gedächtnis (Behaltensquote) und sind zeitgemäß. Bilder können komplizierte Sachverhalte vereinfachen und leichter greifbar machen.

Auf was Du im Einzelnen bei Visualisierungen achten kannst, erfährst Du in den nächsten Blogartikeln und in meinem Seminar Visualisierung am Flipchart und Co. Ich freu mich auf Dich!