Kennst du das auch? Du unterhältst dich mit jemandem, der aufmerksam zuhört, dich und deinen emotionalen Zustand scheinbar versteht. Du fühlst dich rundum verstanden und wertgeschätzt.

Neulich ging es mir so, da habe ich mich über etwas geärgert und traf auf einen Menschen, der mir nicht gleich Ratschläge geben wollte und mir erzählte, was er so alles erlebt hat. Dieser Freund hörte mir zu, fragte nach, wie es mir jetzt geht und… hörte zu. Ließ mir Zeit, um mich zu sammeln und zu mir zu kommen und zu erkennen, um was es mir gerade eigentlich ging. Das fühlte sich toll an!

Mehr Gesprächsqualität durch aktives Zuhören

Du möchtest dieses Gefühl auch gern deinem Gesprächspartner vermitteln, damit er weiß, dass er dir wichtig ist? Du möchtest mehr über den anderen erfahren, ihn und seine Beweggründe richtig kennen lernen und verstehen? Dann gibt es hier dazu einige Tipps. Ein wenig Arbeit gehört natürlich auch dazu!

Damit wir uns im Gespräch in den anderen einfühlen können, ist es wichtig, dass wir aktiv zuhören. Dabei verknüpfst du eine wertschätzende Haltung mit einer gewissen Sensibilität für das Gesagte und die dahintersteckenden Emotionen. Zusätzlich achtest du auch auf die nonverbale Ebene.

Als Zuhörer wiederholst du die inhaltliche Botschaft und die emotionale Ebene. Damit kannst du sicherstellen, dass du dein Gegenüber richtig verstanden hast. Der Sprecher hat dadurch den Vorteil, dass du ihm auch dabei hilfst, sich und seine aktuelle Gefühlslage selbst besser zu verstehen.

 

Grundvoraussetzung aktiv zuhören

Aktiv zuhören ist eine Grundvoraussetzung für einen verständnisvollen Dialog. Diese Mühe des aktiven Zuhörens machst du dir nicht immer. Besonders wichtig ist es, wenn es dir darum geht, beides wissen zu wollen: was der andere inhaltlich gesagt hat und auch, was ihn gerade bewegt.  Nicht, weil du ihn so besser manipulieren kannst, sondern, damit du in einen besseren Kontakt kommst. So fühlt sich der andere verstanden und so entsteht ein Kreislauf aus Wertschätzung, Sensibilität und Aufmerksamkeit. Also ganz im Sinne der gewaltfreien Kommunikation (mehr dazu in der Linkliste).

 

Wertschätzung zeigen

Deine Wertschätzung zeigst du zum Beispiel über den Blickkontakt, eine offene und zugewandte Körperhaltung und die teilweise Wiederholung des Gesagten. Gemeint ist damit nicht, dass du alles Wort für Wort wiederholst, sondern, dass du das wiederholst, was du inhaltlich und emotional verstanden hast. So soll sichergestellt werden, dass du wirklich weißt, um was es gerade geht und wie sich dein Gegenüber dabei fühlt.

Es bedeutet somit, dass du ebenfalls etwas sagen darfst, der Fokus jedoch auf dem Gesprächspartner ist. Lass ihn aussprechen und zeig ihm als Zuhörer Empathie.

 

Mit Sensibilität ins Gespräch

Die Sensibilität bezieht sich darauf, dass du auf die Mimik und Gestik des anderen achtest. Dadurch merkst du eher, wenn sich an der Situation bzw. der Stimmung etwas ändert.

Spiegelst du sprachlich und körpersprachlich deinen Gesprächspartner (seine Begriffe verwenden, Körpersprache übernehmen), baust du zusätzlich Sympathie auf. Du kannst dich besser in ihn hineinversetzen und er fühlt sich besser verstanden.

Die Sensibilität bezieht sich aber auch auf dich selbst. Merkst du beispielsweise, dass du selbst nicht mehr zuhören kannst oder dich emotional schützen musst, solltest du ehrlich sein und das Gespräch verschieben. Falls die Möglichkeit besteht (siehe unten Herausforderungen).

 

Aufmerksamkeit zeigen

Die Aufmerksamkeit ist ein wichtiger Faktor für das aktive Zuhören. Ziel beim aktiven Zuhören ist es, eine Vertrauensebene aufzubauen und Missverständnisse zu vermeiden. Frag bei Unklarheiten nach, um sicherzugehen, dass du alles richtig verstanden hast und fasse das Gehörte zusammen.
Achte dabei darauf, keine eigenen Wertungen mit einzubringen und eher offene Fragen zu nutzen („Wie geht es Ihnen dabei“? oder „Wie war das für Sie?“).  Lass den anderen jedoch erst aussprechen, oft klärt sich vieles von allein.

Zuhörsignale („hm“, „ja“, „sicher“) sind ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Komponente, denn auf die wartet jeder Sprecher. Durch sie wird ebenfalls Aufmerksamkeit angezeigt (besonders bedeutend bei Telefonaten).

 

Herausforderung: konzentriert zuhören

Wenn Menschen im Gespräch sind, passiert es recht schnell, dass sie etwas hören und automatisch ihre eigenen Assoziationen zu dem Gehörten haben. Da wird von dem letzten Mitarbeitergespräch gesprochen und schnell sind die Gedanken abgeschweift und kreisen umher zum eigenen letzten Mitarbeitergespräch.

Ja, das war auch nicht optimal, sie hatten auch ein Streitgespräch über bestimmte Bewertungen… und schon ist es zu spät: etwas des Gesagten wurde überhört. Ups. Hoffentlich wurde gerade keine Frage gestellt?

 

Tipps konzentriert zuhören

Wie kannst du es schaffen, deine Gedanken zu fokussieren? Zuerst ist zu erwähnen, dass hier eine Menge Übung nötig ist, da wir es meistens gewohnt sind, nur kurz zuzuhören. Die Aufmerksamkeitsspanne ist nicht sehr lang, wenn du dich nicht darauf konzentrierst und trainierst.

Also: Sensibilisiere dich im Vorfeld dafür und sag dir: „Es geht gerade nicht um mich, es geht um Frau/Herr XYZ und ich möchte wirklich gern wissen, wie es ihr/ihm gerade geht und was sie/er durchmacht! Also Fokus auf den anderen! Passiert es dir im Gespräch, sag dir innerlich „STOP!“ und komme wieder zurück zu dem, was dir gerade erzählt wird.

Lass auch Pausen zu, so hat dein Gesprächspartner die Gelegenheit, sich zu sammeln. Meistens entsteht auch nach einer Pause ein neuer Gedanke, ohne, dass du etwas sagst oder fragst. Oft ist uns das unangenehm, da wir denken, dass immer gesprochen werden muss. Doch in der kurzen Unterbrechung entsteht Raum für etwas Neues.

 

Herausforderung: zugeben, wenn man nicht (mehr) zuhören kann

Kannst du es zugeben, wenn du gerade nicht zugehört hast? Bist du so ehrlich? In den wenigsten Fällen gibt man das zu. In vielen Situationen mag dies kein Problem sein. Wenn über Banalitäten gesprochen wird, fällt das vielleicht nicht auf. Anders ist es, wenn es gerade um emotionale Geschichten geht.

Aktives Zuhören, also der zusätzliche Fokus auf die Gefühlsebene, ist natürlich auch nur notwendig, wenn diese gerade vorhanden sind und es nicht nur um einen reinen Informationsaustausch geht.

Greife zur Not die zuletzt gehörten Worte auf und frag nochmal nach. „Wie meinen sie das konkret?“ oder „Habe ich sie richtig verstanden, dass…?“ Oder auch: „Entschuldige, ich merke gerade, dass ich abgelenkt war…erzähle doch bitte mehr über den Punkt X, den du gerade erwähnt hast.“

Oder auch bereits im Vorfeld: „Die Gespräche mit ihnen sind mir sehr wichtig. Ich merke jedoch (jedoch und kein ABER!!!), dass ich nicht mehr aufnahmefähig bin…“ Schließlich ist es zum aktiven Zuhören wichtig, dass du auch selbst dazu in der Lage bist.

Aus meiner Erfahrung gehen Gesprächspartner damit freundlicher um, als wenn sie merken, dass man mit den Gedanken abwandert und ein Zuhören nur noch vortäuscht.

 

Einsatz am Arbeitsplatz

Besonders gut geeignet ist diese Technik für Konflikt- und Beratungsgespräche und auch Mitarbeitergespräche. Durch diese Art der wertschätzenden Kommunikation entsteht ein Wohlgefühl, eine Verbindung durch ein Verstanden werden, das sich jeder Mensch wünscht.

Wir alle haben unsere Gefühle und Bedürfnisse und möchten sie mit einem anderen teilen. Oft gelingt dies in Freundschaften und Partnerschaften, also in einem privaten Umfeld. Doch wie viel Zeit verbringen wir mit unseren Kollegen und Mitarbeitern? Bei den meisten Menschen sind dies doch acht Stunden am Tag oder mehr.

Sollte es nicht unser Ziel sein, auch mit diesen Menschen eine angenehme und wertschätzende Kommunikation zu pflegen? Unabhängig von Thema und Hierarchie? Verwende das aktive Zuhören mit einer authentischen Haltung zu dir und dem Gegenüber und beschränke es nicht nur auf den privaten Kontext. An erster Stelle sind wir doch Mensch und nicht Führungskraft oder Mitarbeiter, oder?

 

Alles Liebe

Deine Susanne

 

Linkliste

gewaltfreie Kommunikation im Business

Seminar gewaltfreie Kommunikation im Business

 

 

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören:

 

 

Hier kannst du dir ein kurzes Video dazu anschauen:

Magst Du gern mehr zu meinen Themen wissen?

Abonniere hier kostenlos meinen Newsletter:

Du hast Dich erfolgreich angemeldet!