Die vier Seiten einer Nachricht

Schulz von Thun hat sich intensiv mit Störungen in der Kommunikation auseinandergesetzt und hat in seinem  Buch „Miteinander Reden Teil 1“ das Vier-Seiten-Modell (Kommunikationsquadrat) dargestellt (siehe Buchtipps).

Das Modell soll dabei helfen, die Prozesse in der Kommunikation besser zu verstehen und es ermöglichen, mit Spannungen anders umzugehen.  Es erklärt, warum wir uns manchmal fragen „Spreche ich eigentlich Chinesisch?“.

Vier-Seiten-Modell-Kommunikationstraining Berlin

Nach Schulz von Thun beinhaltet jede Aussage vier Ebenen

1. Sachinhalt:  offensichtliche Sachaussagen, Daten und Fakten (worüber informiere ich)

2. Appell: deutlich wahrnehmbarer Wunsch oder Handlungsaufforderung, Kontext wichtig (wozu ich dich veranlassen möchte)

3. Beziehung: drückt das Verhältnis der beiden Kommunikationspartner aus, auch non-verbal (Du-Botschaft: was ich von dir halte oder Wir-Botschaft:  wie wir zueinander stehen)

4. Selbstkundgabe: beinhaltet Selbstverständnis, Motive, Werte, Emotionen des Sprechers, für Deutung Kontext, Nonverbales und Hintergrund wichtig (was ich von mir selbst preisgebe)

Ich nutze hier nicht den Begriff „Selbstoffenbarung“ aus dem Vier-Seiten-Modell wie im „Miteinander Reden Teil 1“, da Schulz von Thun in seinem Buch „Miteinander Reden Teil 2“ darüber berichtete, dass der Begriff „Selbstkundgabe“ in seinen Seminaren positiver aufgenommen wurde. In meinen Seminaren habe ich ähnliche Reaktion erhalten.

Was wir eigentlich senden wollen, ist uns meist nicht bewusst. Selbst wenn wir nur sachlich informieren möchten, kann es passieren, dass beim Empfänger ein Appell ankommt, den wir nicht beabsichtigt haben.

Das Vier-Seiten-Modell: ein Beispiel zur Verdeutlichung

Zwei Kolleginnen stehen in der Küche. Nadine ist neu, sie hat erst vor wenigen Wochen in der Personalabteilung angefangen. Maria ist bereits länger in der Firma tätig.

Maria sagt: „Denk dran, morgen bist Du an der Reihe, für die Teamsitzung Kaffee zu kochen.“
Nadine antwortet: „Vielen Dank für den Hinweis, das hätte ich auch so gewusst. Traut mir denn hier keiner was zu?“

Sachinhalt: „Denk dran Kaffee zu kochen.“
Appell: „Koche morgen Kaffee.“
Beziehung: „Ich will Dir nur helfen“ oder „Ich weiß es besser als Du, ich muss Dich daran erinnern!“
Selbstkundgabe: „Mir ist es wichtig, dass wir morgen Kaffee haben.“

Das sind nur einige Deutungen, auch andere sind möglich. So kann Maria die Sachebene meinen, Nadine aber eher den Beziehungspart hören und es negativ deuten. Durchaus kann es passieren, dass die Absichten des Senders positiv gemeint sind, der Zuhörer aber eine negative Deutung vornimmt. Umgekehrt kann es ebenfalls vorkommen, dass der Sprecher negative Absichten hegt, sich als übergeordnet empfindet oder als besser als der andere und dieser jedoch die Äußerung positiv interpretiert.

Folglich würde ein Missverständnis vorliegen, das zum Konflikt führen könnte. Ob dies der Fall ist, wird an der Reaktion des Empfängers deutlich. Oft können wir Störungen direkt anhand der Körpersprache oder der Äußerung ablesen.

 

Umgang mit Störungen

Hier habe ich als Sprecher die Möglichkeit, zu hinterfragen, wie meine Äußerung bei meinem Gegenüber angekommen ist. Dadurch bekomme ich die Möglichkeit, bei Missverständnissen diese gleich aufzulösen und zu klären, wie ich meine Botschaft meinte.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, ob mit dieser Person bereits vorher schon Spannungen bestanden. Trifft dies zu, ist mehr Sorgfalt in der Kommunikation angebracht. Die einzelnen Aspekte explizit anzusprechen, erleichtert ebenfalls die Kommunikation, da mein Gegenüber so weniger interpretieren muss.

Diese Mühe machen wir uns, wie bereits erwähnt, nicht immer, könnten wir aber, wenn wir wissen, dass es in diesem Fall angebracht ist. Ein Beispiel: Führungskraft sagt zum Angestellten: „Mir ist unsere Zusammenarbeit sehr wichtig und ich weiß sie als Mitarbeiter mit ihren Qualifikationen sehr zu schätzen. Letzte Woche haben sie die Akte von Frau Müller überarbeitet. Damit wir weiterhin so erfolgreich sind wie bisher, möchte ich mich gern mit ihnen zusammen setzen und über letzte Woche sprechen. Passt es ihnen heute gegen 16.00 Uhr?“

Was ist hier enthalten? Explizit sagt der Sprecher etwas darüber aus, wie er zu der anderen Person steht, was er von ihr hält, um was es konkret geht und was er von dem Zuhörer möchte. Der Empfänger hat auf allen Ebenen explizite Aussagen gehört und hat dadurch mehr Klarheit. Das ist besonders sinnvoll, wenn Du als Vorgesetzter ein Gespräch ansetzt und davon ausgehen kannst, dass sich dadurch Dein Mitarbeiter Gedanken machen könnte und vielleicht auch Angst hegt vor Konsequenzen.

Mehr über die Besonderheiten der einzelnen Ebenen und über das Vier- Ohren- Modell, das sich auf die Interpretation auf der Seite des Hörers bezieht, in den nächsten Blogartikeln.

 

P.S.

Zu den Modellen von Schulz von Thun gebe ich auch firmeninterne Trainings. Damit auch in deiner Firma/in deinem Team die Kommunikation mit ihren Störungen besser verstanden und verbessert werden kann. Durch dieses Wissen fällt es dir leichter, beim anderen so anzukommen wie du es gewollt hast. Dir wird schneller klar, woran es liegt, wenn die Kommunikation schiefläuft.

Mein aktuelles Buch „Superkräfte für Führungskräfte, gewaltfreie Kommunikation im Beruf“ dreht sich unter anderem um die Gemeinsamkeiten der gewaltfreien Kommunikation mit den Modellen von Schulz von Thun, um dir einen Überblick zu verschaffen, wie sie sich gegenseitig ergänzen. Hier auf der rechten Seite kannst du es als E-Book bestellen.