Meist reagieren wir in stressigen Situationen aus einem Muster heraus, das uns nicht gefällt. Hinterher sind wir immer schlauer und ärgern uns, dass wir nicht anders geantwortet haben. Das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation sensibilisiert dich für die verschiedenen Arten wie du auf Vorwürfe und Co reagieren kannst.

Wie reagierst du auf Vorwürfe und Co?

Wie gehst du damit um, wenn dir jemand etwas an den Kopf wirft? Sagen wir mal so etwas wie „Da haben sie sich aber nicht wirklich angestrengt, oder?“ Bleibst du dann ruhig? Schaffst du es auf der Sachebene zu antworten? Oder bist du erstmal perplex und sagst gar nichts dazu? Glücklicherweise gibt es tolle Techniken, die dir helfen, in so einer Situation souverän zu bleiben. Auf eine, die sich für mich in der Praxis bewährt hat, gehe ich in diesem Blogartikel ein.

Unterscheidung Wolf und Giraffe

In der gewaltfreien Kommunikation reden wir von Wölfen und Giraffen und so auch von Wolfs- und Giraffenohren in diesem Modell. Dabei steht der Wolf für die gewaltvolle und die Giraffe für die gewaltfreie Art (warum diese Tiere erfährst du in dem Artikel in der Linkliste). Allgemein gesprochen könnte man hier auch von Schuld- und Verständnisohren sprechen. Es geht hierbei darum, wie du als Empfänger auf eine trennende Äußerung (Vorwurf o.ä.) einer anderen Person reagierst.

Unterscheidung nach innen und nach außen

Die Wolfs- und Giraffenohren können jeweils nach innen oder nach außen gerichtet sein. Nach innen beziehen sie sich auf dich und nach außen auf dein Gegenüber im Gespräch. Es gibt die Wolfsohren (Schuld, Scham etc.) nach innen oder nach außen und die Giraffenohren (Einfühlung in Gefühle, Bedürfnisse) nach innen oder nach außen.

Die Wolfsohren verursachen negative Gefühle in uns (nach innen gerichtet) und dem anderen (nach außen gerichtet), denn wir beschuldigen oder lösen damit Schamgefühle aus. Mithilfe der Giraffenohren nach innen schaffst du es, deine Gefühle und Bedürfnisse zu erforschen. Wenn du sie nach außen richtest, kommst du in den Kontakt mit dem, was in deinem Gesprächspartner gerade aktiv ist. So hast du vier verschiedene Möglichkeiten, auf eine trennende Äußerung einer anderen Person zu reagieren.

Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation im Überblick:

  1. Du richtest die Wolfsohren (Schuld, Scham) nach innen, also zu dir selbst.

 

  1. Du richtest die Wolfsohren (Schuld, Scham) nach außen, zu deinem Gegenüber.

 

  1. Du lenkst die Giraffenohren (Gefühle, Bedürfnisse) nach innen und fragst dich, wie es dir geht und was du brauchst, in dem Moment, wo du das hörst.

 

  1. Du lenkst die Giraffenohren (Gefühle, Bedürfnisse) nach außen und fragst dich, wie es dem anderen geht und was er in dem Moment braucht, wo er die Äußerung macht.

 

Ein Beispiel

„Wenn du dich von Herrn Sommer so schikanieren lässt, bist du selbst Schuld!“ Nun hast du vier Möglichkeiten, auf diese Aussage zu reagieren.

Ohren nach innen gerichtet:

Wolfsohren  Mit den Wolfsohren nach innen stimmst du dem anderen innerlich zu. Du denkst in dem Moment, er hat Recht und übernimmst die Schuld. „Ich bin wirklich nicht durchsetzungsfähig genug. Ich lasse mir zu viel gefallen, ich bin eine Versagerin!“ Giraffenohren  Hier nutzt du die Möglichkeit, auf deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu horchen. Du fühlst dich in diesem Moment in dich selbst ein. Du fragst dich also, wie es dir geht und was dir fehlt, wenn jemand so mit dir redet (dein Bedürfnis). „Ich bin traurig, weil mir ein verständnisvoller und wertschätzender Umgang wichtig ist.“

Ohren nach außen gerichtet:

Wolfsohren Du kannst dem anderen ebenfalls etwas vorwerfen, das wären die Wolfsohren nach außen. Bei deiner Reaktion entsteht keine Empathie, dafür Distanz. „Du bist ja selbst nicht besser! Du lässt dir ja auch einiges gefallen und beschwerst dich anschließend.“ Giraffenohren  Setzt du die Giraffenohren nach außen ein, übersetzt du den Vorwurf in die Gefühle und Bedürfnisse des anderen, die ihn zu dieser Aussage motiviert haben könnten. „Bist du vielleicht sauer und wünschst du dir auch mehr Unterstützung?“

Was bringt mir das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation?

Die Entscheidung, wie du auf solche Aussagen reagierst, triffst du normalerweise unbewusst. Wenn du bereit bist, etwas Zeit und Energie zu investieren, kannst du dir dies aber bewusstmachen und Veränderungen vornehmen, um dir den Umgang mit dir selbst und deinen Mitmenschen (Mitarbeitern, Kollegen, Kunden, Lieferanten) zu erleichtern. Indem du dich auf die Prozesse, die in dir ablaufen, sensibilisierst, kannst du hinterfragen, wie sinnvoll es für dich und deine Gefühlswelt ist, dich selbst mit den Wolfsohren nach innen zu schikanieren. Mit den Giraffenohren nach außen schaffen wir es, auch hinter einen Vorwurf zu hören, uns nicht auf diesen einzulassen, sondern den Menschen, der gerade vor uns steht als einen eben solchen zu sehen. Einen Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen. Wenn wir das schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, dass er sich verstanden fühlt und sich darauf einlässt, wertschätzend mit uns zu sprechen.

Reaktion im Gespräch

Erstmal geht es ja darum, wie wir die Aussage hören. Wie du nun im Gespräch darauf reagierst, entscheidest du je nach Kontext. Vielleicht fragst du nicht „Bist du vielleicht sauer und wünschst du dir auch mehr Unterstützung?“, sonderst stellst eine offene Frage. Diese könnte so lauten: „Was könnte die Situation besser machen?“ Oder direkter „Was brauchst du jetzt“ oder auch „Über was ärgerst du dich gerade?“. Probiere einfach mal aus, was sich für dich gut anfühlt. Alles Liebe Deine Susanne

Linkliste:

Wolfs- und Giraffensprache Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören:

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