Susanne Lorenz

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Meist reagieren wir in stressigen Situationen aus einem Muster heraus, das uns nicht gefällt. Hinterher sind wir immer schlauer und ärgern uns, dass wir nicht anders geantwortet haben. Das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation sensibilisiert dich für die verschiedenen Arten, wie du auf Vorwürfe und Co reagieren kannst.

Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation

Wie reagierst du auf Vorwürfe und Co?

Wie gehst du damit um, wenn dir jemand etwas an den Kopf wirft? Sagen wir mal so etwas wie „Da haben sie sich aber nicht wirklich angestrengt, oder?“ Bleibst du dann ruhig und schaffst du es auf der Sachebene zu antworten?

Oder bist du erstmal perplex und sagst gar nichts dazu? Glücklicherweise gibt es tolle Techniken, die dir helfen, in so einer Situation souverän zu bleiben. Auf das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation gehe ich in diesem Blogartikel ein, da es sich für mich und meine Kunden und Kundinnen in der Praxis bewährt hat. Ganz wichtig ist mir hier schon mal zu erwähnen, dass das vielleicht nicht immer gleich leicht ist. Natürlich hat das etwas mit üben zu tun. Auch werden dir bestimmt nicht alle Tipps zusagen. Das ist vollkommen okay. Schaue, was für dich am meisten Sinn macht und was du gern ausprobieren magst. Auch kannst du die verschiedenen Arten miteinander kombinieren.

 

Unterscheidung Wolf und Giraffe

In der gewaltfreien Kommunikation reden wir von Wölfen und Giraffen und so auch von Wolfs- und Giraffenohren in diesem Modell. Dabei steht beim Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation der Wolf für die gewaltvolle und die Giraffe für die gewaltfreie Art.

Warum eigentlich diese beiden Tiere? Der Wolf ist nur die deutsche Variante vom Schakal, um den es im Original geht. Das Modell wurde von Marshall B. Rosenberg erfunden und der lebte eben in Amerika ;). Der Wolf beißt zu und das schmerzt. Worte können auch verletzten und Schmerz zufügen. Auch hat der Wolf im Vergleich zur Giraffe weniger Abstand von der Situation. Die Giraffe ist das Landsäugetier mit dem größten Herzen und die gewaltfreie Kommunikation hat ganz viel mit Einfühlungsvermögen zu tun (mehr dazu findest du unten in der Linkliste).

Das ist aber nur eine Art, wie man das Ganze beschreiben kann. Du kannst dir auch einfach vorstellen, dass der Wolf eine Mauer ist, denn hier geht es um eine Form der Kommunikation, die in der Regel eher blockierend wirkt. Anstelle der Giraffe kannst du dir auch eine Brücke vorstellen, denn diese Art zu reden schafft eher eine Verbindung.

Allgemein gesprochen könnte man hier auch von Schuld- und Verständnisohren sprechen. Es geht hierbei darum, wie du als Empfänger auf eine trennende Äußerung (Vorwurf o.ä.) einer anderen Person reagierst.

Unterscheidung nach innen und nach außen

Die Wolfs- und Giraffenohren können jeweils nach innen oder nach außen gerichtet sein. Nach innen beziehen sie sich auf dich und nach außen auf dein Gegenüber im Gespräch. Im Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation gibt es die Wolfsohren (Schuld, Scham etc.) nach innen oder nach außen und die Giraffenohren (Einfühlung in Gefühle, Bedürfnisse) nach innen oder nach außen.

 

Vier-Ohren-Modell GFK

 

Die Wolfsohren verursachen unangenehme Gefühle in uns (nach innen gerichtet) und dem anderen (nach außen gerichtet), denn wir beschuldigen oder lösen damit Schamgefühle aus. Der Fokus ist also darauf, dass sich entweder der andere schämt und schuldig fühlt oder wir uns schämen oder schuldig fühlen. So wirst du mit den Wolfsohren nach außen in den Gegenangriff gehen. Mit den Wolfsohren nach innen verstärkst du, was der andere dir vorwirft und hinterfragst das nicht.

Du kannst ja mal überlegen, was das für Folgen für die Beziehung mit anderen Menschen hat, wenn man sich immer wieder gegenseitig Vorwürfe macht. Dass das nicht gerade beziehungsfördernd ist, muss ich, glaube ich, nicht erklären, oder?

Auch ist es für dich selbst nicht gut, wenn du Kritik nicht hinterfragst und dich somit auch immer wieder selbst klein machst. Im schlimmsten Fall wird dadurch dein Selbstbewusstsein immer mieser und du bekommst sogar körperliche Symptome.

 

Mithilfe der Giraffenohren nach innen schaffst du es, deine Gefühle und Bedürfnisse zu erforschen. Wenn du sie nach außen richtest, kommst du in den Kontakt mit dem, was in deinem Gesprächspartner gerade aktiv ist. So hast du vier verschiedene Möglichkeiten, auf eine trennende Äußerung einer anderen Person zu reagieren.

 

Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation im Überblick:

  1. Du richtest die Wolfsohren (Schuld, Scham) nach innen, also zu dir selbst.

 

  1. Du richtest die Wolfsohren (Schuld, Scham) nach außen, zu deinem Gegenüber.

 

  1. Du lenkst die Giraffenohren (Gefühle, Bedürfnisse) nach innen und fragst dich, wie es dir geht und was du brauchst, in dem Moment, wo du das hörst.

 

  1. Du lenkst die Giraffenohren (Gefühle, Bedürfnisse) nach außen und fragst dich, wie es dem anderen geht und was er in dem Moment braucht, wo er die Äußerung macht.

 

Ein Beispiel für das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation

„Wenn du dich von Herrn Sommer so schikanieren lässt, bist du selbst Schuld!“ Nun hast du vier Möglichkeiten, auf diese Aussage zu reagieren.

 

Ohren nach innen gerichtet:

 

Wolfsohren  Mit den Wolfsohren nach innen stimmst du dem anderen innerlich zu. Du denkst in dem Moment, er hat Recht und übernimmst die Schuld. „Ich bin wirklich nicht durchsetzungsfähig genug. Ich lasse mir zu viel gefallen, ich bin eine Versagerin!“

 

Giraffenohren  Hier nutzt du die Möglichkeit, auf deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu horchen. Du fühlst dich in diesem Moment in dich selbst ein. Du fragst dich also, wie es dir geht und was dir fehlt, wenn jemand so mit dir redet (dein Bedürfnis). „Ich bin traurig, weil mir ein verständnisvoller und wertschätzender Umgang wichtig ist.“

 

Ohren nach außen gerichtet:

Wolfsohren Du kannst dem anderen ebenfalls etwas vorwerfen, das wären die Wolfsohren nach außen. Bei deiner Reaktion entsteht keine Empathie, dafür Distanz. „Du bist ja selbst nicht besser! Du lässt dir ja auch einiges gefallen und beschwerst dich anschließend.“

 

Giraffenohren  Setzt du die Giraffenohren nach außen ein, übersetzt du den Vorwurf in die Gefühle und Bedürfnisse des anderen, die ihn zu dieser Aussage motiviert haben könnten. „Bist du vielleicht sauer und wünschst du dir auch mehr Unterstützung?“

 

 

Reaktion im Gespräch

Erstmal geht es ja darum, wie wir die Aussage hören. Wie du nun im Gespräch darauf reagierst, entscheidest du je nach Kontext. So sind die Formen mit Schuld und Scham in der Regel eher blockierend. Den anderen anschreien muss jedoch nicht immer der falsche Weg sein. Verstehe mich bitte richtig: ich bin kein Fan von laut werden und schreien, doch es kann natürlich auch sein, dass es eine Möglichkeit ist, um deine Grenze aufzuzeigen, weil der andere dich sonst nicht versteht.

Allerdings kannst du dich durchaus entschuldigen, wenn du wirklich etwas falsch gemacht hast. Daran ist an sich nichts Schlimmes. Schlimm ist das nur, wenn das für dich ein Muster ist, also etwas, das du regelmäßig machst, zum Beispiel, damit du nicht weiter auf das Thema eingehen musst.

Die Selbstempathie kann zu Sätzen führen wie "Das würde ich jetzt gerne genauer wissen, was stört dich genau?" oder auch "Ich möchte nicht, dass sie in dieser Lautstärke mit mir reden.".

Und wenn es um die Fremdeinfühlung geht: Vielleicht fragst du nicht „Bist du vielleicht sauer und wünschst du dir auch mehr Unterstützung?“, sonderst stellst eine offene Frage. Probiere einfach mal aus, was sich für dich gut anfühlt.

 

Was bringt mir das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation?

Die Entscheidung, wie du auf solche Aussagen reagierst, triffst du normalerweise unbewusst. Wenn du bereit bist, etwas Zeit und Energie zu investieren, kannst du dir dies aber bewusstmachen und Veränderungen vornehmen, um dir den Umgang mit dir selbst und deinen Mitmenschen (Mitarbeitern, Kollegen, Kunden, Lieferanten) zu erleichtern. Indem du dich auf die Prozesse, die in dir ablaufen, sensibilisierst, kannst du hinterfragen, wie sinnvoll es für dich und deine Gefühlswelt ist, dich selbst mit den Wolfsohren nach innen zu schikanieren.

Mit den Giraffenohren nach außen schaffen wir es, auch hinter einen Vorwurf zu hören, uns nicht auf diesen einzulassen, sondern den Menschen, der gerade vor uns steht als einen eben solchen zu sehen. Einen Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen.

Wenn wir das schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, dass unser Gegenüber sich verstanden fühlt und sich darauf einlässt, wertschätzend mit uns zu sprechen. Das Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation hat also viele Vorteile, wenn man sich darauf einlässt.

 

Fazit Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation

Das Modell zeigt vier verschiedene Arten auf, wie du Vorwürfe oder Unterstellungen hören kannst. Das wird bei dir sicherlich auch davon abhängen, wie du dich gerade fühlst, wer gerade mit dir spricht und um welches Thema es geht.

Wir alle haben die Kompetenz, souverän zu reagieren, wenn uns jemand etwas an den Kopf knallt. Das passiert den meisten von uns ja immer wieder. Doch wenn es uns gelingt, merken wir das oft nicht. Wir fokussieren uns eher auf Situationen, in denen wir uns schlecht gefühlt haben. Zusätzlich haben viele Menschen Probleme bei einem ganz bestimmten Thema oder einer ganz bestimmten Person. Je näher uns jemand ist, desto schwerer fällt es uns oft, ruhig zu bleiben. Ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass das mit der Übung besser wird. Und wenn du jemanden haben willst, der das mit dir im Rahmen eines Coachings durchgeht, kannst du dich auch gern bei mir melden.

 

P.S.: Die Anwendung des Vier-Ohren-Modells der gewaltfreien Kommunikation kannst du sonst auch in diesem Workshop üben: Jetzt reicht es! Vorwürfen souverän begegnen.

Alles Liebe

deine Susanne

 

Mehr zum Lesen:

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Wolfs- und Giraffensprache

Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun

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Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören

Vier-Ohren-Modell der gewaltfreien Kommunikation und was es dir bringt

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