Du willst Kommunikation besser verstehen? Du willst wissen, warum wir uns manchmal wie kleine Kinder benehmen oder wie strenge Eltern, obwohl wir gerade im Berufsalltag sind? Dann lies hier mehr zu den Hintergründen. 

Kommunikation besser verstehen

Im letzten Artikel bin ich auf die Ich-Zustände nach Eric Berne eingegangen, habe aber noch nicht viel dazu gesagt, wie dir dieses Wissen helfen könnte. Dazu komme ich jetzt. 

Transaktionsanalyse

In der Transaktionsanalyse (TA) schaue ich mir die Kommunikation an und analysiere, wer sich in welchem Zustand befindet und erkläre damit das Verhalten der Beteiligten. Es ist somit ein Tool zum Beschreiben und Analysieren von Kommunikationsprozessen. Die TA setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen, eins davon ist das Strukturmodell, auf das ich im letzten Artikel eingegangen bin. Auf die Analyse der Psycho-Spiele und der Drehbücher gehe ich nicht ein, ich möchte mich lediglich auf die Transaktionsanalyse fokussieren. Ziel ist es, dir einen Überblick zu geben und dich für die Prozesse zu sensibilisieren. 

Typische Äußerungen aus den einzelnen Ich-Zuständen

Was ist nun typisch für die einzelnen Ich-Zustände, woran kannst du sie festmachen?

Eltern-Ich

Das Eltern-Ich wird unterteilt in kritisch und fürsorglich. Typische Äußerungen für die kritische Variante sind beispielsweise: „Das macht man so!“, „So geht das doch nicht!“ oder auch „Was werden denn die anderen sagen?“.
Das fürsorgliche Eltern-Ich fragt beispielsweise folgendes „Hast du Schmerzen?“, „Kann ich dir helfen?“ oder auch konkret „Soll ich dir ein Aspirin holen?“.

Diese Ich-Zustände sind nicht nur verbal zu erkennen, sondern auch non-verbal. Körpersprachliche Hinweise können einerseits ein erhobener Zeigefinger oder auch die hochgezogene Augenbraue sein. Andererseits könnten es auch ein Naserümpfen oder auch verschränkte Arme sein.

Jemanden in die Arme zu nehmen oder auch den Kopf zu streicheln, kann ein Ausdruck für das fürsorgliche Eltern-Ich sein. Dabei sind diese Deutungen nicht als absolut zu verstehen. Ncht jeder, der die Arme verschränkt oder die Nase rümpft, muss sich gerade in diesem Zustand befinden. Gemeinsam betrachtet mit dem Gesagten und dem Kontext, kann dies jedoch Aufschluss geben.

Erwachsenen-Ich

Das Erwachsenen-Ich fokussiert sich auf den sachlichen Inhalt. Fragen gehen in die Richtung „Wie funktioniert das?“, „Wie viel kostet das?“ oder auch „Was sagt der Experte dazu?“. Auch Äußerungen wie „Das passt hier hinein…,“ „Die Ergebnisse zeigen…,“ oder „laut Statistik…“ gehören zu diesem Ich-Zustand.
Neben diesen Formulierungen gibt es folgende körpersprachliche Indizien: nachdenkliche Gestik und Mimik wie den Finger an die Nase legen, die Fingerspitzen zusammen führen und auch geduldiges Zuhören (Kopf schräg).

Kindheits-Ich

Woran erkenne ich sprachlich und non-verbal das Kindheits-Ich? Hier befinden wir uns in einem Zustand von „ich bin okay“ oder auch „ich bin nicht okay“ (vergleiche Literatur Thomas A. Harris). Gesagt werden Sätze in dem Tenor von „Das gefällt mir/nicht!“, „Das ist meins!“ oder auch „Ich kann das viel besser.“
Das natürliche Kindheits-Ich ist ausgelassen, es hüpft, tanzt, lacht und ist neugierig. Das trotzige Kindheits-Ich schmollt, stampft mit dem Fuß auf oder ist beleidigt. Die angepasste Variante weint beispielsweise.

Transaktion?

Das Austauschen einer Nachricht wird als Transaktion bezeichnet. Für die Analyse der Beziehungsebene der Kommunikation, die sich dann als Transaktionsanalyse bezeichnet, können wir uns nun Sender und Empfänger mit drei Kreisen vorstellen.

Bei dieser Visualisierung könnte es sich um folgendes Beispiel handeln: Die Äußerung „Was hast du denn da gemacht?“ wird als kritisches Eltern-Ich empfunden. Die Reaktion vom Empfänger kommt aus dem trotzigen Kindheits-Ich: „Wieso? Das habe ich doch schon immer so gemacht!“

Man kann die Äußerung auch sachlich neutral aufnehmen und mit einer Reaktion aus einem anderen Ich antworten. „Ich habe x mit y kombiniert…“, „Was meinst du?“, „Was genau möchtest du wissen?“ So könnte es aus dem Erwachsenen-Ich ertönen, das auf der Sachebene bleibt und sich auf Zahlen, Daten und Fakten konzentriert.

 

Häufige Kombinationen in der Transaktionsanalyse

Eltern-Ich zu Eltern-Ich: gemeinsam kritisieren, bemängeln, sorgen

Erwachsenen-Ich zu Erwachsenen-Ich: gemeinsam Fakten austauschen, analysieren, Problemlösung, Fachsimpelei

Kindheits-Ich zu Kindheits-Ich: gemeinsam freuen, spielen, bekämpfen, entdecken, trotzen, angeben

kritisches Eltern-Ich zu Kindheits-Ich: den anderen kritisieren, bemängeln, drohen

fürsorgliches Eltern-Ich zu Kindheits-Ich: versorgen, helfen, trösten, lieben

Kindheits-Ich zu Eltern-Ich: entschuldigen, um Verzeihung/Liebe/Anerkennung bitten

 

Fazit

Oft wundern wir uns, warum wir uns trotz des fortgeschrittenen Alters noch so benehmen, wie wir es als Kind gewohnt waren. Das kann daran liegen, dass wir auf eine Aktion aus dem Eltern-Ich aus unserem Kindheits-Ich reagieren. Die Transaktionsanalyse hilft uns also, dieses Verhalten zu verstehen. 

Schließlich besitzen nicht nur wir, sondern auch unsere Mitmenschen, diese drei Instanzen. Ziel sollte es im beruflichen Kontext sein, angemessene Reaktionen zu finden, die aus dem Erwachsenen-Ich stammen. Wenn du merkst, in welchem Zustand du gerade bist, kannst du dich darauf sensibilisieren.  Du kannst versuchen, nachzujustieren, also gezielt das Erwachsenen-Ich „aufzurufen“. Durch das Bewusstmachen dieser Prozesse kann es uns leichter fallen, angemessen zu reagieren. Selbst wenn wir in dem Moment (emotional) nicht in der Lage dazu sind, können wir ggf. zu einem späteren Zeitpunkt das Gespräch wieder aufnehmen und es sachlich zu Ende führen. Je öfter wir üben, im Erwachsenen-Ich zu sein und angemessen zu reagieren, desto leichter wird es.

Alles Liebe und viel Erfolg

Deine Susanne

 

Linkliste/ Literatur: 

Ich-Zustände nach Eric Berne

Eric Berne.: Spiele der Erwachsenen

Thomas A. Harris: Ich bin okay, du bist okay 

Schulz von Thun: Vier Seiten Modell

 

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören: 

 

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören: