Kommunikationstraining Berlin Konflikte in Teams

Streiterein in Teams: Teamentwicklungsphasen

Konflikte in Teams sind ziemlich häufig und normal. Woran liegt das? Schauen wir uns mal die Definition von Team an: Hierbei geht es um Menschen, die zusammen arbeiten über einen begrenzten Zeitraum und ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich dabei auch an gemeinsame Regeln halten. Optimalerweise ergänzen sie sich mit ihren Stärken und Schwächen und ihrem Expertenwissen. Das hat also auch viel damit zu tun, dass ich mich selbst auch gut kenne, mich auf andere einlassen kann und gut kommunizieren kann.

 

Konflikte als Chance sehen

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Kommunikation und Konflikte. In meinen Artikeln über die gewaltfreie Kommunikation gab ich Tipps für die Konfliktbearbeitung und auch Vermeidung.

Es könnte der Eindruck entstanden sein, dass ich denke, dass Konflikte etwas Negatives seien und dass man diese vermeiden sollte. Darum geht es mir jedoch nicht. Konflikte gehören zum Leben dazu und durch sie kann etwas Neues entstehen. Teams können sich dadurch weiter entwickeln. Jeder einzelne kann am Konflikt wachsen und mehr über sich und die anderen in Erfahrung bringen.

Doch es gibt immer wieder Situationen, wo es durchaus auch Sinn machen kann, sich nicht zu streiten. Die gewaltfreie Kommunikation ist als Alternative zum weglaufen oder drauf hauen zu verstehen.

 

Konflikte in Teams: Teamentwicklung in fünf Phasen

Besonders in Teams ist es normal, dass es zu Streitereien kommt. Das liegt unter anderem daran, dass es typisch ist in der Teamentwicklung, dass es früher oder später zu Konflikten kommt. In den 1960er Jahren entwickelte Bruce Tuckman ein Gruppenphasenmodell mit vier Phasen, das er in den 1970er Jahren mit der fünften ergänzte. Nach seiner Zusammenstellung entwickeln sich Teams in folgenden Phasen:

 

1. Phase der Teamentwicklung: Forming (Formierung)

Zu Beginn kennen sich die einzelnen Mitglieder noch nicht, sie lernen sich vorsichtig kennen und sind dabei noch recht höflich und etwas unsicher. Es herrscht ein langsames „Beschnuppern“. Dies ist vergleichbar mit einer Klasse, die den Lehrer testet. Was darf gemacht werden und was nicht?

Auch sind die Aufgaben und Rollen im Team noch nicht klar. Der Arbeitsauftrag muss genauer geklärt werden.

 

2. Phase der Teamentwicklung: Storming (Kampf)

Auch diese Phase durchläuft jedes Team. Egal wie groß oder klein, egal in welcher Zusammensetzung. Storming läuft mal kürzer oder länger, intensiver oder weniger intensiv ab. Es liegt in der Natur der Teamarbeit, dass früher oder später Konflikte in Teams auftauchen.

Im Storming entstehen also die ersten Konflikte und Rivalitäten, zum Beispiel um die Besetzung der Rollen und der Aufgaben (mehr dazu im nächsten Artikel).
Konflikte entstehen auch dann, wenn die Aufgabe unterschiedlich betrachtet wird oder die Herangehensweisen variieren.

Wie bereits gesagt ist dies durchaus wichtig für das Team. Durch die unterschiedlichen Lager kann das Gefühl von Zusammenhalt entstehen.

Der Teamleiter hat hier die Aufgabe, das Team zu ermutigen, zusammen zu halten und sich durch die Streitereien nicht ablenken zu lassen. Hier bestehen zwei Möglichkeiten: entweder werden diese ignoriert oder behandelt, ausschlaggebend ist die Arbeitsfähigkeit. So lange das Team noch produktiv sein kann, werden Konflikte eher nicht angesprochen oder ausdiskutiert.

Es erfolgen erste Abstimmungen im Hinblick auf die Aufgabe.

 

3. Phase der Teamentwicklung: Norming (Normierung)

In dieser Phase entstehen neue Umgangsformen und Verhaltensweisen. Die Mitglieder tauschen sich aus über die gemeinsamen Ziele und Aufgaben. Die Machtkämpfe sind ausgefochten, die Rollen und der Status werden nun klar, wenn auch unbewusst festgelegt. Gegenseitige Akzeptanz der Stärken und Schwächen herrscht vor.

Ein WIR-Gefühl ist entstanden und gemeinsam wird die Aufgabe organisiert.

 

4. Phase der Teamentwicklung: Performing (eigentliche Arbeit)

Da die zwischenmenschlichen Probleme geklärt sind, ist das Team arbeitsfähig. Die einzelnen Mitglieder haben etwas über sich und ihr soziales Verhalten gelernt und setzen dies jetzt auch positiv um. Lösungsvorschläge kommen meistens erst in dieser Phase. Man ist voller Ideen, geht aufeinander ein und konzentriert sich auf die Aufgabe. Somit kann nun konstruktiv gearbeitet werden.

 

5. Phase der Teamentwicklung: Adjourning/Mourning (Trennungs/Transfer)

Diese Phase ist eher relevant, wenn die Teams länger miteinander gearbeitet haben und der performing Part von Erfolg gekrönt war. So kann es zum Ende hin traurige Mitglieder geben, die bedauern, dass die Zusammenarbeit nun beendet ist. Das gemeinsame Ziel ist erreicht und das Team löst sich nun auf.

 

Weiteres zu den Phasen

Auch wenn diese Phasen normalerweise nacheinander erfolgen, kann es zu Wiederholungen kommen, wenn neue Teammitglieder hinzukommen oder welche gehen. So startet der Prozess von vorn.

Es kommt ebenfalls vor, dass Teams aus der Phase der Auseinandersetzung nicht allein herausfinden und nicht mehr handlungsfähig sind. In diesem Fall könnte eine Person von außen, wie ein Mediator, zum Einsatz und zur Schlichtung kommen.

Natürlich gilt es verschiedene Faktoren zu beachten, die zu Konflikten führen. Auch liegt es an den einzelnen und an der Teamführung wie stark die Konflikte sind. Mir ging es darum, aufzuzeigen, dass es allein schon an dem Teambildungsprozess liegt, dass Konflikte entstehen.

Als Teamleiter könnte man somit zu Beginn einer Zusammenarbeit mit einem Team diese Prozesse offen legen, um das Verständnis für den Prozess zu erhöhen. Ein Stück weit kann dadurch auch der Druck genommen werden. Im Sinne von: streiten ist okay und gehört auch dazu!