Susanne Lorenz l├Ąchelnd

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Die gewaltfreie Kommunikation wird oft missverstanden als eine reine Kommunikationstechnik. Doch sie ist mehr als eine Kommunikationsmethode mit vier Schritten, die man anwenden kann, wenn es zu Spannungen oder Konflikten kommt.

Susanne Lorenz mit Wolf und Giraffe

Tieferes Verst├Ąndnis f├╝r die gewaltfreie Kommunikation

 

Die GFK ist eine Lebenshaltung, eine wertsch├Ątzende Haltung zu sich selbst und zu anderen. Um die Verkn├╝pfung der vier Schritte mit der Haltung dahinter zu verstehen, gehe ich hier auf die Grundannahmen der GFK ein. Dazu erkl├Ąre ich kurz die vier Schritte.

 

Die vier Schritte zur Selbst- und Fremdeinf├╝hlung

Beobachtung

Gef├╝hl

Bed├╝rfnis

Bitte

 

Diese vier Schritte nutzen wir, wenn wir eine Situation haben, die ganz anders ist als erwartet und in uns unangenehme Gef├╝hle ausl├Âst. So verstehen wir uns selbst besser.

Was ist genau passiert?

Wie geht es mir jetzt damit?

Was brauche ich /was fehlt mir gerade?

Um was kann ich konkret bitten?

Diese Fragen kannst du dir f├╝r mehr Klarheit stellen. Gleichzeitig gibst du dir dabei Empathie. Du kannst sie auch im Gespr├Ąch dem anderen stellen. Da wir in der Beobachtung und in der Bitte ganz konkret werden, sorgt diese Art der Kommunikation auch daf├╝r, dass unser Gespr├Ąchspartner besser versteht, um was es uns geht.

Das Konzept von Eigenverantwortung tr├Ągt dazu bei, dass wir andere nicht beschuldigen und eher gemeinsam nach einer L├Âsung schauen, anstatt den Menschen die Schuld in die Schuhe zu schieben.

 

Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation: Beobachtung

 

  1. Menschen bewerten oft.
  2. Bewertungen vermitteln eine ├╝bergeordnete Position. Sie sind nicht auf Augenh├Âhe.
  3. Reduzieren wir unsere Bewertungen und ersetzen sie durch objektive Beschreibungen, minimiert dies das Konfliktpotential.

In schwierigen Situationen macht es also Sinn, den anderen nicht zu bewerten wie zum Beispiel mit ÔÇ×du bist unf├Ąhig/ du hast das absichtlich gemacht/du bist chaotischÔÇť. Beschreibe eher das, was du gesehen und geh├Ârt hast. Das ist neutraler und hat somit weniger Konfliktpotential.

 

Grundannahme der gewaltfreien Kommunikation: Gef├╝hle

Schauen wir uns den Schritt der Gef├╝hle mal genauer an.

 

  1. Unsere Gef├╝hle sind direkt mit unseren Bed├╝rfnissen verbunden.
  2. Wenn unsere Bed├╝rfnisse erf├╝llt sind, geht es uns gut. Wir haben dann angenehme Gef├╝hle wie Freude und Zuversicht. Wenn unsere Bed├╝rfnisse nicht erf├╝llt sind, geht es uns nicht gut. Die Folge sind unangenehme Gef├╝hle wie Wut oder Trauer.
  3. Taten anderer Menschen sind nur Ausl├Âser f├╝r unsere Gef├╝hle und nicht die Ursache. Die Ursache sind unsere erf├╝llten oder nicht erf├╝llten Bed├╝rfnisse.

Das hei├čt also, dass wir Gef├╝hle ein Ausdruck f├╝r ein erf├╝lltes oder unerf├╝lltes Bed├╝rfnis sind. Sind wir hungrig, liegt es daran, dass uns gerade Nahrung fehlt. Also gehen wir an den K├╝hlschrank oder einkaufen. Sind wir m├╝de, hatten wir zu wenig Schlaf. Wir gehen dann beispielsweise fr├╝her ins Bett. Das ist noch recht einfach.

Wir sind aber auch unsicher oder gar ├Ąngstlich, wenn uns Sicherheit fehlt oder wir zumindest den Eindruck haben. Unser Chef hat uns noch nicht gesagt, ob wir verl├Ąngert werden. Da das noch nicht sicher ist, f├╝hlen wir uns unwohl. Sobald wir hier mehr Klarheit bekommen, verschwindet die Unsicherheit.

 

Diese Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation f├╝hren dann zu den vier Schritten und einer anderen Art der Sprache. Im Alltag sagen wir oft so etwas wie ÔÇ×Ich bin echt sauer, weil DU mal wieder nichtÔÇŽ Das ist ein Vorwurf und ein Zusammenhang, der in der Philosophie der GFK nicht besteht.

Ich bin nicht x, weil DU.... Ich bin x (sauer, traurig, einsam), weil ICH y (Bed├╝rfnis Unterst├╝tzung, Klarheit, Anerkennung) brauche. Da mein Bed├╝rfnis nicht erf├╝llt ist, f├╝hle ich wie ich f├╝hle. Das hei├čt, wir ├╝bernehmen die Verantwortung f├╝r unsere Gef├╝hle, anstatt den anderen zu beschuldigen.

 

Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation: Bed├╝rfnisse

  1. Wir alle haben die gleichen Bed├╝rfnisse. Bed├╝rfnisse sind an sich wichtig f├╝r unseren Lebenserhalt. Wir haben unterschiedliche Strategien, um uns unsere Bed├╝rfnisse zu erf├╝llen.
  2. Konflikte entstehen NICHT durch unsere Bed├╝rfnisse. Sie entstehen, weil wir unterschiedliche Strategien, also Wege zur Erf├╝llung, nutzen.
  3. Alles was wir tun, machen wir, um uns unsere Bed├╝rfnisse zu erf├╝llen.
  4. In der gewaltfreien Kommunikation achten wir darauf, dass kein anderer darunter leidet, wenn wir uns unsere Bed├╝rfnisse erf├╝llen.
  5. Wir Menschen sind in vielen unserer Bed├╝rfnisse voneinander abh├Ąngig.
  6. Durch gegenseitiges Verst├Ąndnis unserer Bed├╝rfnisse entsteht eine tiefere Verbindung. Konflikte k├Ânnen so eher gel├Âst werden, da wir nicht an der Oberfl├Ąche verharren.
  7. Hinter Aggressivit├Ąt steckt meistens ein unerf├╝lltes Bed├╝rfnis. Das kann ein Bed├╝rfnis nach Wertsch├Ątzung, Mitgef├╝hl, Respekt oder Unterst├╝tzung sein.
  8. F├╝r ein wertsch├Ątzendes Miteinander auf Augenh├Âhe ist es wichtig, im Kontakt zu unseren Bed├╝rfnissen und zu denen unseres Umfelds zu sein.

Das hei├čt also, bei allem, das wir tun, erf├╝llen wir unsere Bed├╝rfnisse. Wie wir dies tun ist sehr unterschiedlich (Strategien). Die eine w├╝nscht sich Anerkennung und pr├Ąsentiert deswegen besonders gern, ein anderer achtet deswegen besonders auf seine Kleidung, eine andere f├Ąhrt deswegen ein besonders teures Auto.

 

Unser aller Leben w├Ąre harmonischer, wenn wir bei der Erf├╝llung unserer Bed├╝rfnisse mehr R├╝cksicht auf andere n├Ąhmen. Schlie├člich sind wir ja auch voneinander abh├Ąngig, wir leben in gemeinsamen Strukturen und nicht auf einer einsamen Insel. Die R├╝cksichtnahme fehlt jedoch oft und dann leiden die anderem im Team oder in der Firma darunter. Das muss nicht sein.

Sehen wir nicht dahinter, schauen wir uns also nicht die Bed├╝rfnisse an, bleiben wir nur an der Oberfl├Ąche. Wir denken dann vielleicht, der oder die sei ÔÇ×faulÔÇť, ÔÇ×egoistischÔÇť oder ÔÇ×r├╝cksichtslosÔÇť. Doch wenn wir wissen, dass hinter jedem Verhalten ein Bed├╝rfnis steckt (auch hinter Aggression), k├Ânnten wir gemeinsam nach einer anderen Strategie suchen, die f├╝r alle okay ist. Wir k├Ânnten nach einem Weg schauen, der die Bed├╝rfnisse aller Beteiligten erf├╝llt. ┬áDas mag nicht immer realistisch scheinen, doch letztlich geht es darum, das ÔÇ×LeidÔÇť der anderen zu minimieren.

 

Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation: Bitte

Der letzte der vier Schritte ist die Bitte. Wir bitten statt zu fordern, da es dem anderen eher Optionen gibt. Er kann ÔÇ×jaÔÇť oder ÔÇ×neinÔÇť sagen. Das ist bei einer Forderung nicht der Fall.

 

Das sind die Grundannahmen dahinter:

  1. Wir Menschen helfen gern anderen Menschen im Rahmen unserer F├Ąhigkeiten, solange wir den Eindruck haben, wir machen das freiwillig.
  2. Unsere eigene Zufriedenheit und Lebensqualit├Ąt und unsere Beziehungen zu anderen leiden darunter, wenn wir versuchen, unsere Bed├╝rfnisse durch beispielsweise Drohungen, Bestrafungen oder Forderungen zu erf├╝llen.

 

Fazit

Gewaltfreie Kommunikation hei├čt nicht, dass wir die vier Schritte stupide gehen und in jeder Situation anwenden. Das ist oft gar nicht n├Âtig. Wenn wir nach dieser Philosophie leben und die Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation umsetzen, werden wir eh ganz anders reden.

 

Wir gehen dann nicht davon aus, der andere hat das gemacht, weil er uns schaden will.

Wir kennen noch nicht das Bed├╝rfnis, werden also eher neugierig.

Wir denken nicht, der andere ist das Problem, wir suchen gemeinsam nach einer L├Âsung, die f├╝r alle passt.

Wir bewerten nicht die ganze Zeit und wissen, dass es nur unsere Wahrnehmung ist und dass der andere das ganz anders sehen kann.

Wir schauen, dass wir das zusammen kl├Ąren, ohne von oben herab dem anderen unsere L├Âsung aufzudr├╝cken.

 

Das ist f├╝r mich gewaltfreie Kommunikation. Dass das nicht immer realistisch ist, ist auch klar. Wir k├Ânnen nur jeden Tag unser Bestes geben. Und wenn wir uns doch ÔÇ×gewaltvollÔÇť verhalten, k├Ânnen wir immer noch im Nachgang das Gespr├Ąch suchen, wenn es uns wichtig ist.

Ich freue mich von dir zu h├Âren, wie deine Erfahrung mit den Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation sind.

Alles Liebe

deine Susanne

 

Linkliste

Was ist gewaltfreie Kommunikation eigentlich?

Wie geht es dir? Gef├╝hle verstehen

Nein sagen- warum es dir schwer f├Ąllt

 

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anh├Âren

Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation

2 Kommentare

  1. Ver├Âffentlich von Pest, Marina am 30. Oktober 2020 um 18:06

    Liebe Susanne,
    nach unserem Seminar vergeht derzeit kaum ein Tag, an dem sich nicht die Gedanken an „Wolf und Giraffe“ in Gespr├Ąchen und Gespr├Ąchsplanungen in Erinnerung bringen, Gespr├Ąche entsprechend vorbereitet werden.
    Vielen Dank f├╝r diese Gespr├Ąchsgrundlagen.
    Marina

    • Ver├Âffentlich von Susanne Lorenz am 30. Oktober 2020 um 18:19

      Liebe Marina,

      das freut mich sehr, dass du das regelm├Ą├čig anwenden kannst :). Danke dir f├╝rs Teilen.

      Liebe Gr├╝├če
      Susanne

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