Die Frage nach unserem Gefühlszustand wird uns regelmäßig gestellt. Ob und wie wir sie beantworten, hat viel damit zu tun, wer uns das fragt und wann.

Gefühle verstehen

Umgang mit deinen Gefühlen

Je besser wir uns kennen und je mehr wir uns mögen, desto eher werden wir hier ehrlich antworten. Ansonsten verstehen wir diese Frage nach unseren Gefühlen eher als nette Floskel. Darauf antworten wir dann standardmäßig mit "gut", "ganz gut" oder ähnlichem. Wir gehen auch davon aus, dass unser Gegenüber nur der Höflichkeit wegen fragt und nicht wirklich wissen will, wie wir uns fühlen. Man kann ja auch nicht jedem sagen, dass man sich gerade einsam, hilflos oder überfordert fühlt. Und so genau wissen das viele Menschen auch gar nicht.

Meistens bleiben wir eher an der Oberfläche. So kategorisieren wir unsere Emotionen eher in gut und schlecht. Selbst wenn wir sie für uns schon besser durchschaut haben, heißt das ja nicht, dass wir auch darüber sprechen. Doch wie kann man nun seine Gefühle verstehen?

 

Gefühle verstehen

Gefühle entstehen einerseits, wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Sind wir hungrig, liegt es daran, dass das Bedürfnis nach Nahrung nicht erfüllt ist. Sind wir unsicher, fehlt uns Sicherheit. Sind wir traurig, fehlt uns zum Beispiel Nähe oder Liebe. Allerdings gibt es nicht bei jedem Gefühl ein einzelnes Bedürfnis, das zugeordnet werden kann.

Gefühle entstehen auch durch unsere bewertenden Gedanken. So kann ein einzelnes Erlebnis bei unterschiedlichen Menschen zu unterschiedlichen Gefühlen führen, da sie unterschiedlich bewerten.

 

Beispiel

Bei einem verabredeten Termin kommt die andere Person nicht pünktlich. Während der Wartezeit können nun unterschiedliche Dinge in unserem Kopf passieren:

 

1. Sorge verstehen

Wir sind besorgt, da wir denken, dass die andere Person sonst immer pünktlich ist oder sich zumindest meldet und Bescheid sagt, wenn sie nicht pünktlich sein wird.

„Ob ihr etwas passiert ist?“

2. Ärger verstehen

Wir ärgern uns, da wir denken, dass die andere Person unsere Zeit nicht respektiert und sich so respektlos benimmt.

„Das kann doch nicht ihr Ernst sein, ich sitze hier doch nicht ewig! Ich habe noch ganz andere Dinge zu erledigen!“

3. Scham verstehen

Wir schämen uns, wenn wir denken, dass das alles etwas mit uns zu tun hat.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“ oder auch

„Sie nimmt es mir bestimmt übel, dass ich letztes Mal abgesagt habe/ihren Geburtstag vergessen habe.“ (oder ähnliches)

 

Das heißt also auch, dass wir unsere Gefühle steuern können, wenn wir unsere Gedanken beobachten und beeinflussen 😉.

 

Gefühle erkennen

Oft nehmen wir unsere Gefühlsregungen nicht richtig wahr oder wir gehen über sie hinweg. Gefühle verstehen ist ja noch eine Stufe höher.

Gefühle die mit unseren Grundbedürfnissen verknüpft sind, merken wir meistens noch ganz gut. Hunger/Durst oder auch Müdigkeit zeigen sich auch durch Magenknurren und Gähnen (auch durch Sauerstoffmangel erzeugt). Wir merken, wir sind hungrig, doch die Aufgabe muss noch schnell erledigt werden. Dann kommt noch ein Anruf und dann müssen wir schon wieder los. So essen wir schnell noch etwas unterwegs.

Ähnlich ist es mit den Pausen. Die werden verschoben, verkürzt, fallen ganz aus. Der Körper dankt es dir nicht.

 

Erkennst du bei dir immer, um welches Gefühl es sich handelt? Was ist mit Wut, Trauer, Scham, Einsamkeit, Hilflosigkeit oder auch Angst?

Eine Übung, die ich immer wieder mache, ist, dass ich aufmerksam beobachte. Immer wenn ich merke, es geht mir nicht gut und ich weiß noch nicht genau, was es ist, mache ich sie. Ich schließe die Augen, atme bewusst ein und aus und lasse meine Aufmerksamkeit durch meinen Körper wandern.

Was sagt mir mein Körper?

Wo spüre ich eine Anspannung?

Je nachdem, welches Gefühl gerade vorherrscht, ist es ein Knoten im Hals, ein Ball im Magen oder ähnliches.

 

Gefühle benennen

Wenn ich für mich erkannt habe, welche Emotion es gerade ist, geht es darum, es zu benennen. Also gehen wir mal von Wut aus. Die spüren wir in der Regel ganz gut, oder? Bei mir war das anders. Ich habe Wut immer mit Aggression verbunden, für mich war Wut böse und so habe ich sie fast mein ganzes Leben unterdrückt. Also wusste ich auch nicht so wirklich, wie ich damit umgehen soll. Wenn ich sehr wütend wurde, kamen mir Tränen. Das hielt ich damals für normal. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht so ist 😉.

 

Hier kommt eine Übersicht über die Basis-Emotionen nach Paul Ekman:

  • Überraschung
  • Wut
  • Trauer
  • Ekel
  • Freude
  • Angst
  • Verachtung

Vielleicht benutzt du eher andere Begriffe? Ist traurig für dich vielleicht betrübt oder niedergeschlagen? Das ist völlig in Ordnung.

 

Gefühle akzeptieren

Habe ich mein Gefühl identifiziert im Körper und es auch benannt, geht es nun einen Schritt weiter. Gefühle wollen, wie wir Menschen auch, gesehen und akzeptiert werden. Die angenehmen genauso wie die unangenehmen. Letztere unterdrücken wir gern. So vernachlässigen wir sie aber. Sie kommen immer wieder und werden auch nicht weniger stark.

Das ist auch ein Grund, warum wir manchmal übertrieben reagieren und unser Umfeld sich fragt, wo das jetzt herkommt. Da haben sich einfach die Gefühle über eine ganze Zeit aufgestaut und nun sind sie viel mächtiger und intensiver.

Akzeptieren wir unser Gefühl, fühlt es sich gesehen und wird auch wieder verschwinden.

Bei Christina Neumaier habe ich gelernt, besser mit meinen Gefühlen umzugehen. Sie hat mir beigebracht, freundlich zu allen Gefühlen zu sein. Im Sinne von „Hallo Wut. Schön, dass du da bist und mich davor warnen willst, dass gerade eine meiner Grenzen überschritten wurde. Danke, ich habe das jetzt verstanden und ich werde mich darum kümmern.“ Klingt das für dich komisch? Ich fand es gleich gut. Man kann sich hier auch die Wut in einer Farbe oder als Bild vorstellen. Bei mir ist es ein kleiner roter Teufel 😊.

 

Gefühle und ihre Kraft nutzen

Der folgende Abschnitt ist inspiriert von dem Buch „Gefühle und Emotionen, eine Gebrauchsanleitung“ von Vivian Dittmar.

Sie beschreibt unsere Gefühle und ihre Kraft. Wenn wir diese Gefühle und ihre Kraft akzeptieren und verstehen, können wir sie gezielt einsetzen. Auf drei gehe ich im Folgenden kurz ein.

 

Wut

Der Gedanke, der die Wut erzeugt ist „Das ist falsch.“ Die Aufgabe, die Wut hat, ist, dafür zu sorgen, in die Handlung zu kommen. Sie gibt dir Energie, um beispielsweise Grenzen zu setzen, nein zu sagen, zu deinem Standpunkt zu stehen und für Klarheit zu sorgen.  Ist sie zu stark, kann sie zerstörerisch wirken.

 

Angst

Der zugrunde liegende Gedanke bei Angst ist „Das ist furchtbar.“ Die Aufgabe ist, für Kreativität zu sorgen. Sie hilft uns dabei, Auswege und Lösungen zu finden, Grenzen zu überschreiten und uns zu entwickeln. Das setzt voraus, dass sie nicht so aufgestaut ist, dass sie uns blockiert und passiv werden lässt.

 

Trauer

Der Gedanke, der Trauer entstehen lässt, lautet „Das ist schade.“ Trauer hilft uns dabei, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind und anzunehmen. Auch sie hat den Nachteil, dass sie in Passivität münden kann, wenn sie zu stark ist.

 

Fazit

Wenn wir unsere Gefühle besser verstehen, sie akzeptieren und ihre Kraft nutzen, haben wir nicht mehr den Eindruck, wir sind ihnen ausgeliefert. So haben wir selbst die Möglichkeit, unsere Gefühlsregungen zu steuern, wenn wir uns mehr mit unseren Gedanken auseinandersetzen.

Wie ist dein Umgang mit deinen Gefühlen? Ich freue mich von dir zu lesen!

 

Alles Liebe

deine Susanne

 

Linkliste

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Umgang mit Gefühlen 

gewaltfreie Kommunikation- Gefühle

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören

Wie geht es dir? – Gefühle verstehen

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