Susanne Lorenz

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Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun

Das Vier-Ohren-Modell und was es dir bringt

Im letzten Blogartikel zu dem Thema habe ich über das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun berichtet und was dir dieses Wissen bringen kann für deine Kommunikation. Das Vier-Seiten-Modell bezieht sich auf die Seite des Senders.

Da es in der Kommunikation um den Austausch von Nachrichten von Sender und Empfänger geht, ist es nur logisch, dass Schulz von Thun weiterhin davon ausgeht, dass nicht nur der Sender, sondern auch der Empfänger diese vier Ebenen in der Kommunikation hat. Um zu verdeutlichen, ob vom Sender oder vom Empfänger gesprochen wird, verwendet Schulz von Thun unterschiedliche Begriffe. Somit spricht er auf der Empfängerseite von dem Vier-Ohren-Modell, während auf der Senderseite das Ganze Vier-Seiten-Modell heißt oder auch Kommunikationsquadrat, wenn man das Ganze als Gesamtbildbetrachtet. In diesem Quadrat steht also der Sender auf der einen Seite und der Empfänger auf der anderen Seite. Schließlich wechselt diese Position in Gesprächen auch immer wieder hin und her. Der Sender wird zum Empfänger und der Empfänger zum Sender ;).

Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun: die einzelnen Ohren

Es gibt also auf der Seite des Empfängers vier Ohren, die jeweils ihren eignen Fokus haben. Je nach Austausch kann bei dir das eine oder andere Ohr stärker ausgeprägt sein. Hier geht es also wie immer in der Kommunikation auch um den Kontext. Es geht also um die Frage, in welchem Rahmen ein Gespräch stattfindet. Dazu gehören die Beteiligten, das Gesprächsthema und der Ort, an dem ihr euch befindet.

Außerdem gehört zum Kontext, welche Erfahrungen und Prägungen ein Mensch erlebt hat. Das beinhaltet die Persönlichkeit eines Menschen, seine Vorurteile, Glaubenssätze, Einstellungen, die Weise, wie er die Welt wahrnimmt und vieles mehr. Man kann sich das wie eine Landkarte im Kopf vorstellen, auf der alles abgespeichert ist. Aus dieser Landkarte heraus kommuniziert der Mensch.

Es kann dementsprechend sein, dass du an sich auf allen Ohren hörst, bei einer bestimmten Person jedoch immer denkst, du sollst etwas Bestimmtes machen. Dort hörst du also hauptsächlich auf dem Appell-Ohr und lauschst darauf, was du wohl machen oder auch nicht (mehr) machen sollst.

Das kann der Fall sein, wenn jemand beispielsweise einen autoritären Vater hatte, der oft im Befehlston gesprochen hat. Wenn dieser Mensch in einem stark hierarchischen Unternehmen arbeitet und seinen Vorgesetzten als Autoritätsperson betrachtet, dann ist der Kontext, aus dem er die Situation wahrnehmen wird, die „Vater-Sohn-Erfahrung“. Das könnte dazu führen, dass er in der Kommunikation mit dem Vorgesetzten mit dem Apell-Ohr hört.

Es ist daher für jeden Sender wichtig zu wissen, welche vier „Ohren“ es gibt und dass eine Nachricht beim Empfänger unterschiedlich ankommen kann. Außerdem ist es für dich als  Empfänger sinnvoll zu wissen, dass du auch mit unterschiedlichen Ohren hörst.

 

Das Sach-Ohr:

Das Sach-Ohr fragt sich „Worüber spricht er/sie?“. Es nimmt Daten und Fakten auf, hinterfragt den Wahrheitsgehalt, die Vollständigkeit und die Relevanz der Informationen für die eigene Person.

In dem Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun wird erklärt, dass bei diesem Ohr die Gefühle und Beziehungsunsicherheiten ausgeblendet werden. Das kann durchaus angebracht und von Vorteil sein, wenn es nur um die Sache geht. Hinderlich wird es hingegen, wenn es um Beziehungskonflikte oder den persönlichen Hintergrund des Senders geht.

Das Appell-Ohr:

Das Appell-Ohr fokussiert sich auf die Frage „Was will er/sie von mir?“. Es hört vor allem Appelle, „Du sollst-Botschaften.“

Schulz von Thun erklärt, dass das dazu führen kann, dass die Sachlichkeit getrübt wird, da der Empfänger stets den Eindruck hat, dass er etwas machen soll. Im Service-Bereich ist dies von Vorteil. Wenn es um Wünsche und Beziehungen geht, ist es eher nachteilig.

 

Das Selbstkundgabe-Ohr:

Das Selbstkundgabe-Ohr stellt sich die Frage „Was offenbart er/sie über sich?“. Es nimmt somit Aussagen über den Sprecher auf und horcht auf das, was dieser über sich preisgibt.

Nach dem Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun kann es hier durchaus passieren, dass ein Empfänger ausgeteilte Kritik nicht annehmen kann und analysiert, was das Gesagte über die Probleme des Senders verrät. „Geht es ihr/ihm nicht gut, was ist passiert, hat er/sie Beziehungsprobleme/schlecht geschlafen etc.?“

Das ist mir tatsächlich auch schon passiert mit einem Freund. Immer, wenn ich über Probleme sprechen wollte, hieß es, mit mir müsse etwas nicht stimmen. Dieses Verhalten hat mich echt irritiert.

 

Das Beziehungs-Ohr:

Das Beziehungs-Ohr überprüft die Aussage in Hinblick auf „Wie steht er/sie zu mir?“ und nimmt Du- und Wir-Botschaften auf.

Personen, die auf diesem Ohr vermehrt hören, fühlen sich persönlich gemeint und reagieren dementsprechend (aggressiv, depressiv, stolz…).

Sachliche Informationen werden von diesem Ohr kaum aufgenommen.

Bei Beziehungsklärungen ist es vorteilhaft auf diesem Ohr zu hören, nachteilig jedoch bei Sachklärungen und Beratungssituationen, laut der Erklärungen im Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun.

Wie bereits im letzten Blogartikel ausgeführt, kann es zu Missverständnissen führen, wenn der Zuhörer stets auf einem Ohr hört und den Kontext nicht berücksichtigt.

Normalerweise kann ich diese Störungen an der Sprache oder der Körpersprache des Gesprächspartners ablesen. Doch es gibt auch durchaus Situationen, in denen der Sprecher dies nicht bemerkt.

Gerade im Führungskontext ist es somit wichtig, sicher zu gehen, dass meine Nachrichten bei dem anderen so ankommen, wie ich es beabsichtigt habe.

Nutzen des Vier-Ohren-Modells nach Schulz von Thun

Störungen, gar Konflikte können die Arbeitsfähigkeit stark beeinflussen. Fühlt sich mein Mitarbeiter durch sein Beziehungsohr herablassend behandelt, kann dies weite Kreise ziehen. Über Unmut wird mit den Kollegen gesprochen, ggf. folgt sogar eine Beschwerde, da etwas falsch aufgenommen wurde.

Um dies zu vermeiden, ist es elementar, mit den entsprechenden Fragetechniken sicher zu stellen, dass mein Gegenüber mit mir auf einer „Ebene“ ist.

Möchtest du reine Informationen geben, dann fokussiere das in deiner Formulierung. Je besser du deine eigene Absicht kennst, desto klarer und deutlicher kannst du sie formulieren. Helfen kann es, dem anderen explizit zu sagen, auf welchem Ohr er das Gesagte hören soll. „Ich möchte Sie lediglich informieren, noch sind keine weiteren Schritte notwendig.“ Das ist keine Garantie dafür, dass dein Gesprächspartner nicht trotzdem andere Dinge hört, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass er versteht, um was es dir geht.

 

Selbsterkenntnis durch das Vier-Ohren-Modell

Dieses Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun soll ebenfalls Hilfe zur Selbsterkenntnis bieten. Hinterfrage dich also ruhig selbst, ob du in bestimmten Kontexten dazu neigst, auf einem bestimmten Ohr zu hören. Ist das immer angemessen? Kannst du dich bei deinem Chef oder deiner Chefin auf das Inhaltliche konzentrieren?

Oder liegt eine Störung auf der Beziehungsebene vor, die dich ablenkt und interpretieren lässt, wie die Aussage gedeutet werden könnte? Du hast in der Kommunikation die Möglichkeit, eine bewusste Entscheidung zu treffen, mit welchem Ohr du hörst. Das gelingt umso besser, je besser du dich selbst kennst und je aufmerksamer du in der Kommunikation bist. Es kann dir helfen, wenn du beispielsweise deine Projektionen kennst. Denn wenn du weißt, dass du die Erfahrungen mit deinem Vater (Befehlston) auf deinen Chef überträgst und dazu tendierst, in jedem Gespräch mit ihm auf Appell-Ohr zu schalten, dann kannst du dem bewusst entgegenwirken. So nimmst du Konfliktpotential aus dem Gespräch und kannst souveräner agieren, wie das folgende Beispiel zeigt.

 

Eigene Erfahrung mit dem Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun

Ein Beispiel: Neulich stand ich vor einem Kopierer und ein anderer Dozent kam zu mir und schaute, was ich machte.

Er sagte „Sie kopieren aber eine Menge.“

Hm. Wie soll ich das jetzt hören? Sachlich oder doch anders?

Ich entschied mich bewusst, es sachlich zu hören und blieb dadurch in einem entspannten Zustand. Klar, er könnte es auch anders gemeint haben, im Sinne von, ich soll mich beeilen (Appell), er hat es eilig (Selbstkundgabe),  er muss mich darauf hinweisen, dass ich zu viel kopiere, weil er es besser weiß (Beziehungsebene).

Doch was machen diese Deutungen mit mir? Ich könnte unsicher werden oder hektisch oder wütend. Aber es sind nur Deutungen, also Mutmaßungen, was er gemeint haben könnte. Es macht daher auch keinen Sinn diesen Überlegungen zu folgen. Denn sie bringen mich eher aus dem Konzept.

Zusätzlich kannte ich diesen Herren nicht, also unterstelle ich ihm keine negative Absicht, denn als „hauptsächlich Giraffe“ (gewaltfreie Kommunikation), gehe ich ja davon aus, dass er aus einem bestimmten Bedürfnis heraus diese Aussage tätigt. Also fühlte ich mich entspannt, kopierte zu Ende und überließ ihm den Kopierer und wünschte ihm viel Spaß im Kurs.

Es ist ein Unterschied, ob du generell nichts anderes hören willst als die Sachebene oder ob du dich in einem bestimmten Kontext bewusst dazu entscheidest, um dir deine Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Mir hat es schon in vielen Situationen geholfen. Dir vielleicht bald auch?

 

Wusstest du schon?

Zu den Modellen von Schulz von Thun gebe ich auch firmeninterne Trainings. Damit auch in deiner Firma/in deinem Team die Kommunikation mit ihren Störungen besser verstanden und verbessert werden kann. Durch dieses Wissen fällt es dir leichter, beim anderen so anzukommen, wie du es gewollt hast. Dir wird schneller klar, woran es liegt, wenn die Kommunikation schiefläuft.

In meinem Buch "Superkräfte für Führungskräfte, gewaltfreie Kommunikation im Beruf" dreht es sich unter anderem um die Gemeinsamkeiten der gewaltfreien Kommunikation mit den Modellen von Schulz von Thun, um dir einen Überblick zu verschaffen, wie sie sich gegenseitig ergänzen.

 

Alles Liebe

deine Susanne

 

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Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören

Vier-Ohren-Modell Schulz von Thun

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