Egal wie toll und erfolgreich sie ist. Es gibt auch verschiedene Situationen, in denen die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert. Das zu wissen macht dir die Anwendung leichter, deswegen plaudere ich hier ein wenig aus dem Nähkästchen.

Stolpersteine bei der GFK

 

Woran es liegen kann, wenn die gewaltfreie Kommunikation misslingt

Im Laufe der letzten Jahre musste ich oft genug über mich selbst schmunzeln. Meine Erfahrungen mit der GFK, besonders, wann sie bei mir nicht funktionierte, teile ich hier mit dir.

 

1. Der Anspruch immer vier Schritte anzuwenden

Einer der Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert, ist, wenn du glaubst, du musst immer schnell reagieren und immer die vier Schritte anwenden. Doch diesen Druck machst du dir selbst. Klar, in unserer Gesellschaft ist es meistens wichtig, schnell zu sein. Du kannst jedoch entscheiden, ob du bei dieser Rennerei mitmachst oder nicht.

Zuerst habe ich auch gedacht, dass das so gemeint ist. Ich dachte, ich müsste immer gleich reagieren. Auch ging ich davon aus, man müsste in allen Konfliktgesprächen immer die vier Schritte gehen. Ich wusste schon, dass es nicht immer in der Reihenfolge sein muss, auch wenn die logisch aufgebaut ist (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte). Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass es darum gar nicht geht.

Wir nutzen die vier Schritte, um uns und die Situation besser zu verstehen. Damit können wir uns auch in den anderen hineinversetzen und das anstehende Gespräch vorbereiten. Wenn es passt, können wir sie auch dort anwenden. Doch gewaltfreie Kommunikation heißt eher, mit einer wertschätzenden Haltung in den Austausch zu gehen und offen für das zu sein, was da kommt. Ansonsten wäre es eine reine Anwendung der Methode, ohne die Philosophie, die dahinter steckt (zu den Grundannahmen der GFK mehr im nächsten Blog).

 

2. Eigene Verunsicherung

Eine der Situationen, in denen die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert, ist, wenn du denkst, dass du "fehlerfrei" gewaltfrei kommunizieren musst.

Das hörte ich neulich im Coaching. „Ich habe Angst, dass ich nicht an alles denke, dass ich doch ein Tätergefühl nenne statt einem echten oder etwas anderes falsch mache.“ (Tätergefühl: ich gebe dem anderen die Schuld: du hast mich übergangen, verraten o.ä./ echtes Gefühl: ich bleibe bei mir selbst: traurig, verwirrt, müde, siehe auch unten Linkliste)

Ganz frech sagte ich, ohne groß darüber nachzudenken: „Selbst wenn du etwas dabei „falsch“ machen solltest, ist es wahrscheinlich immer noch wertschätzender und erfolgversprechender als wenn du gar keine gewaltfreie Kommunikation anwendest.“ Da grübelte er und gab mir am Ende Recht.

Sei nicht zu hart zu dir, wichtig ist, dass man diese Möglichkeit der Kommunikation kennt und versucht, sie anzuwenden. Je mehr du übst, desto leichter fällt es dir. Das ist wie bei allem anderem im Leben auch. Übung macht eben den Meister.

 

3. Zu starke Emotionen

Wenn wir besonders emotional sind, kann das dazu führen, dass wir doch gewaltvoll sprechen, da wir keinen Abstand von der Situation bekommen.

In meinen Seminaren arbeite ich immer mit einer Stoppkelle. Die ist dazu gedacht, dich daran zu erinnern, dass du nicht immer gleich reagieren musst. Wenn du kurz inne hältst, kannst du die vier Schritte leichter gehen.

Klar, es gibt viele Tipps, wie du dich emotional „runter fahren“ kannst. Es gibt viele gute Entspannungstricks, wie tief durchatmen, Hände dreimal zu Fäusten ballen und ähnliches. Dennoch musst du diesen Mechanismus schon drin haben, um nicht gleich zu reagieren. Es hat also etwas wieder etwas mit üben zu tun.

Ein Beispiel

An sich bin ich ja ein Fan davon, authentisch zu sein. Doch immer bin ich es auch nicht. Ich hatte mal eine Situation in einem Seminar, wo ich stinksauer war, weil eine Teilnehmerin mich anschrie. Dennoch blieb ich ruhig, obwohl mein Impuls war, selbst zurückzuschreien.

Erst später klärte ich mit ihr unter vier Augen, dass dieses Verhalten nicht angebracht war. Hätte ich das vor der gesamten Gruppe mit all meinem Ärger versucht zu klären, wäre ich vielleicht explodiert und das wollte ich nicht. Ich war also bewusst nicht authentisch, um mich selbst zu schützen und die Arbeitsfähigkeit der Gruppe zu erhalten.

Aber auch hier, verstehe mich nicht falsch: ich glaube, dass eine vollständige Kontrolle unserer Emotionen kaum möglich ist. Und das sollte auch nicht das Ziel sein. Es kann aber durchaus nützlich sein, wenn man sich kontrolliert und das Gefühl dann später bewusster wahrnimmt und nach einer Lösung sucht, die ohne Rumschreien auskommt.

 

4. GFK ist etwas Besseres- mach gefälligst mit!

Es kann auch passieren, dass du die Einstellung vertrittst, die GFK ist etwas Besseres. Du möchtest nun, dass jeder diese Methode kennt und nutzt, dadurch übst du gegebenenfalls mehr Druck auf die anderen aus.

Wenn diese nicht in dieser Art mit dir kommunizieren wollen, nichts preisgeben möchten über Gefühle oder Bedürfnisse, ist es unsere Aufgabe, das zu akzeptieren und es zu lassen. Das kann schwerfallen und eine Herausforderung darstellen.

Dieses Problem hatte ich am Anfang. Ich wollte einfach, dass alle diese Methode kennen und habe zu viel Druck ausgeübt. Ja, die gewaltfreie Kommunikation ist grandios und hat mir schon oft geholfen.

Doch das muss jeder für sich selbst herausfinden. Manch einer braucht dazu mehr Zeit. Und andere können damit nichts anfangen. Dann ist das so, das kannst du nicht ändern. Ich habe damit meinen Frieden gemacht, denn es gibt ja immer mehrere Lösungen. Die gewaltfreie Kommunikation ist zwar mein "Liebling", doch letztlich geht es doch um ein wertschätzendes Miteinander.

 

Ist die GFK gar nicht anwendbar?

Ich bin wie gesagt ein großer Fan von der gewaltfreien Kommunikation. Doch dazu ist es auch wichtig, die Einschränkungen und Stolpersteine bei der Anwendung zu kennen. So kann man bewusster damit umgehen und es immer wieder genießen, wenn es klappt :).

Ich freue mich, wenn du mir berichtest, warum es bisher bei dir nicht funktioniert hat. Was hast du selbst für Gründe bemerkt? Schreib mir einfach!

 

Linkliste:

Gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz

Kritik wertschätzend äußern

Drei häufige Gründe warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert Part I

kostenlose Gefühlsliste zum Download

E-Book Superkräfte für Führungskräfte- gewaltfreie Kommunikation im Beruf

 

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören

Wann die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert Part II

Hinterlassen Sie einen Kommentar