Kommunikationstraining Berlin Mimikresonanz

Mimikresonanz- Gefühle sehen und angemessen damit umgehen

 

Kennst Du das auch? Du bist in einer Besprechung und erzählst ganz begeistert von einer Idee. Einige im Raum schauen Dich interessiert an. Doch eine Person ist dabei, die die Augenbrauen nach unten und zusammen zieht? Wie reagierst Du in dem Moment? Bringt Dich das aus dem Konzept? Kannst Du ganz normal mit Deiner Präsentation fortfahren?

Die Mimikresonanz zeigt mehrere Wege auf, wie Du in solch einer Situation vorgehen könntest.

Im letzten Blogartikel schrieb ich über Mimikresonanz und welchen Nutzen diese haben kann. In diesem Artikel möchte ich nochmal genauer auf das Thema eingehen. Zusätzlich werde ich hier einige Tipps für den angemessenen Umgang mit den entdeckten Gefühlen geben. Die folgenden Ausführungen basieren auf dem Buch „Mimikresonanz, Gefühle sehen. Menschen verstehen“ von Dirk Eilert.

 

Überblick über das Vorgehen

Wenn man es ganz genau nimmt, gibt es drei Bereiche, die aufeinander aufbauen.

1. Mimik-Scouting
Beobachtet wird das konkret Wahrnehmbare, wie die beteiligten Muskeln. Wie bereits im letzten Artikel ausgeführt, ist die Grundlage das facial action coding system. So gibt es für die Deutung der verschiedenen Gefühle eine Übersicht über die beteiligten Muskelgruppen.
Dazu wird das Gesicht in drei Bereiche eingeteilt, so dass im oberen Bereich die Stirn und die Augenbrauen liegen, dann folgen Augen und Nase und im letzten Drittel der Mund und das Kinn. Beispielsweise wird darauf geschaut, ob die Augenbrauen neutral sind, hoch- oder eher runtergezogen. Was passiert mit den Augen, sind die Lider gesenkt, neutral, angespannt? Gibt es Veränderungen um die Nase herum? Was machen die Lippen?

2. Mimik-Code
Wurden die entsprechenden Veränderungen entdeckt, geht es im zweiten Schritt, dem Mimik Code darum, diese mimischen Signale richtig zu interpretieren. Grundlage hierfür sind Ergebnisse der Emotionsforschung und der Persönlichkeits- und Motivationspsychologie.

3. Mimikresonanz
Wie gehen wir nun damit um, wenn wir Wut, Angst oder Trauer im anderen sehen? Der dritte Bereich, die Mimikresonanz, beinhaltet den angemessenen Umgang mit dem Interpretierten. Unterschieden werden dabei drei Resonanzstufen: nonverbale Aufforderungsgesten, Spiegel-Aussagen und Interpretation. Der interpretative Umgang kann erst erfolgen, wenn die Kenntnisse des Scoutings und des Mimik Codes beherrscht werden.

 

Resonanzstufen der Mimikresonanz

1. Nonverbale Aufforderungsgesten

Hierbei interpretieren wir nicht. Wir nehmen gewisse körpersprachliche Signale beim Gegenüber wahr und bitten ihn mit einer Geste etwas zu sagen (Beispielsweise nicken in die entsprechende Richtung, mit der offenen Handfläche auf die Person zeigen, lächeln).
Wir könnten auch einfach nur schweigen und fragend in die entsprechende Richtung schauen. So geben wir der Person die Freiheit, wie sie darauf reagieren möchte.

Was könnten wir beobachtet haben? Vielleicht ein Gesichtsausdruck, den wir in dem Moment nicht konkret deuten können. Vielleicht aber auch ein leichtes Kopfschütteln, während unserer Erklärung. Oder wie eingangs erwähnt, zusammengezogene Augenbrauen. Das wären also zwei Möglichkeiten, wie Du in solch einer Situation nonverbal reagieren könntest.

 

2. Spiegel-Aussagen

Spiegel-Aussagen sind direkte verbale Rückkopplungen ohne Interpretation. Beschrieben wird lediglich das, was auch beobachtbar ist, wie zum Beispiel zusammengezogene Augenbrauen oder ein an die Lippen gelegter Zeigefinger. Wichtig ist dabei, dass eine Aussage statt einer Frage geäußert wird, damit ein konstruktiver Dialog wahrscheinlich bleibt.

Das Vorteilhafte an den Spiegel-Aussagen ist, dass der Angesprochene innerlich zustimmt und somit positiv gestimmt ist für das Kommende (emotionale Ja-Straße). Typische Spiegel Aussagen sind „Sie runzeln die Stirn.“, „Sie schütteln den Kopf.“, „Sie nicken.“ oder auch „Sie lächeln.“

„Sie ziehen gerade ihre Augenbrauen zusammen“, könntest Du also sagen, wenn Du das beim Gegenüber wahrnimmst und Du es nicht zu deuten weißt. Deine Reaktion auf das Verhalten wäre also in Form einer Spiegel-Aussage.

3. Interpretation

Bei der Interpretation ist zu beachten, dass sie Wertschätzung ausdrücken und in einer klassischen Ich-Botschaft formuliert sein sollte. So wird im anderen ebenfalls eine innerliche Zustimmung ausgelöst, wenn wir richtig tippen. Um hier die Treffsicherheit, zu erhöhen, ist es sinnvoll, sich im Beobachten zu Schulen. Liegen wir mehrmals daneben, führt dies zu einer Störung auf der Beziehungsebene. Dementsprechend ist es besser, gerade am Anfang eher vorsichtig damit umzugehen.

Je besser man die andere Person und ihre Mimikgewohnheiten kennt, desto leichter ist es. Schließlich gibt es auch Menschen, die besonders häufig lächeln oder öfter als andere eine Augenbraue hochziehen. Ist dies der Fall, verliert die normale Deutung dieser Signale ihre Kraft/Bedeutung.

Zum Beispiel könntest Du sagen, „Wenn ich es richtig sehe, sind sie gerade überrascht, verwundert, neugierig…“ oder ähnliches.

In dem Beispiel von oben: nach unten und zusammen gezogene Augenbrauen können ein Signal von Ärger sein. Wichtig ist, dass wir uns das ganze Gesicht anschauen. Für Ärger brauchen wir zusätzlich hochgezogene obere Augenlider und angespannte untere Augenlider. Sind auch noch gepresste Lippen zu sehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass hier Ärger vorliegt.

Wenn Du Dich für diese Resonanzstufe entscheidest, könntest Du sagen: „Wenn ich es richtig sehe, sind sie über etwas verärgert…“.

 

 

Intention der Mimikresonanz

Wenn mein geschultes Auge eine Mikroexpression sieht, die Angst ausdrückt, weiß ich in diesem Moment nicht konkret, was der Auslöser ist. In bestimmten Situationen kann ich mir vielleicht denken, woran das liegen könnte.
Hier könnte ich darauf eingehen, zum Beispiel die Risiken genauer zu erklären oder auch in einem Beratungsgespräch darauf hinweisen, dass es eine kurzfristige Kündigungsfrist gibt, eine Geld-zurück-Garantie oder ähnliches.

Egal für welche der verschiedenen Reaktionsformen ich mich entscheide, es geht nicht darum, den anderen zu durchschauen und zu manipulieren. Ziel der Mimikresonanz ist, die Bedürfnisse der Menschen zu verstehen und empathisch zu reagieren. Somit ist auch hier der Fokus auf den Gefühlen und den Bedürfnissen des anderen wie bei der gewaltfreien Kommunikation. Deswegen eignet sich die Mimikresonanz auch wunderbar für die Anwendung der GFK. Auf die Grundsätze gehe ich in meinem Basisseminar ebenfalls ein.

 

Ein weiterer Tipp zu diesem Thema ist nicht nur das Buch Mimikresonanz von Dirk Eilert, sondern auch die Serie „Lie to me“. Hier wendet Dr. Cal Lightman diese Technik an, auch wenn er oft sehr provokant damit umgeht. Vielleicht geht es Dir wie mir und Du kannst von dieser Serie nicht genug bekommen?