Wie ist dein Umgang mit Gefühlen? Jeder hat sie, jeder kennt sie. Gefühle begleiten uns im Leben überall hin. Der eine versteht, was gerade bei ihm los ist, der andere nicht. Hier einige Tipps und Übungen dazu.

So verstehst du deine Gefühle besser 

Über die eigenen Gefühle macht sich kaum einer wirklich Gedanken. Doch das hilft dabei, sie zu verstehen und besser mit ihnen umzugehen.

Da sie auch unsere Kommunikation beeinflussen, macht es Sinn, zu wissen, was man gerade fühlt und dies auch zu äußern. Bei der gewaltfreien Kommunikation ist das einer der vier wesentlichen Schritte (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte).

Wie fühlst du dich?

Der Umgang mit Gefühlen ist nicht immer leicht. Im Alltag unterscheiden wir meistens zwischen gut und schlecht, was es einfacher macht. „Wie geht es dir?“ ist eine Floskel für viele, auf die man recht allgemein antwortet. Will der andere jetzt wirklich wissen, wie es dir geht? Das kommt auf die Person und auch den Kontext an. In der Regel antworten wir wohl, dass es uns gut geht. Ob „gut“ dann „glücklich“, „zufrieden“ oder „hoffnungsvoll“ heißt, darüber denken die wenigsten nach.

Fokus Negativität

Doch überwiegend sind uns die „unangenehmen“ Gefühle bewusst. In unserer Kultur wird eher gemeckert und sich beschwert. Einige wenige bedanken sich bei sich selbst und bei anderen und können wertschätzen, was sie haben. Das ist schade.

Schließlich gibt es im Leben neben den Dingen, über die man sich beschweren kann, auch immer Positives, auch wenn diese positiven Aspekte nicht gesehen werden.

Worauf will ich hinaus? Sei dir deiner angenehmen und unangenehmen Gefühle bewusst und sei auch dankbar, wenn es dir gut geht.

Umgang mit Gefühlen: Unterscheide echte Gefühle und Pseudogefühle

Egal, ob du sie in einem Gespräch äußerst oder nur für dich analysierst: schaue, dass du die Verantwortung für deine Gefühle übernimmst. Das machst du, indem du echte Empfindungen nennst.

Bei den echten Gefühlen bleibst du bei dir: Du fühlst dich glücklich, zufrieden oder auch traurig oder sauer.

Doch oft benennen wir Gefühle, die keine sind, als Gefühle. Sagst du etwas wie „ich fühle mich übergangen“, „verraten“ oder „manipuliert“, sind das eher Unterstellungen und Interpretationen statt Gefühle. Das hat etwas mit unserem Sprachgebrauch zu tun, dass wir hier vom Fühlen sprechen.

Letztlich ist es so, dass wir nicht bei uns bleiben, sondern dem anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Deswegen spricht man hier auch von Täter- oder auch Pseudogefühlen in der gewaltfreien Kommunikation.

Du brauchst jemanden, der das mit dir macht. Also jemanden, der „dich übergeht“, „verrät“ oder auch „manipuliert“. Doch gefühlsmäßig steckt bei dir noch etwas anderes dahinter.

Wie kommst du dem echten Gefühl auf die Spur?

Frag dich, was fühlst du, wenn du glaubst, dass der andere dich übergangen hat. Bist du dann sauer, oder traurig oder fühlst du dich hilflos?

Merkst du den Unterschied? Das Gefühl kommt aus dem Bauch, während die Unterstellung aus deinem Kopf kommt, da sie ein Gedanke ist und kein Gefühl.

Eine Aufgabe für dich zum Umgang mit Gefühlen:

Führe eine Woche lang Tagebuch. Nehme dir jeden Tag circa 10 Minuten Zeit und lasse Revue passieren, was alles passiert ist. Schau, was für dich am besten passt, ob du das am Abend des gleichen Tages machst oder am morgen des nächsten Tages für den Vortag.

Was war besonders gut an diesem Tag?

Also wann hast du dich richtig gut gefühlt, weil du glücklich oder zufrieden warst? Schreibe auf, was dazu geführt hat, dass es dir so gut ging. Lag es an den Kollegen, hattest du mehr Zeit als sonst, bist du eine andere Strecke mit dem Auto gefahren oder hast du dir sogar ein Taxi gegönnt?

Was war nicht so gut an diesem Tag?

Wann ging es dir nicht gut? Schau, was für Gefühle dich begleitet haben. Warst du zwischendurch sauer auf dich oder jemanden anderen, weil etwas anders gelaufen ist als erwartet?

Warst du traurig, irritiert, müde oder hungrig? Wie hat sich das im einzelnen angefühlt? Wie fühlte sich dein Bauch an, dein Hals? Gab es Verspannungen, Atemprobleme oder Schweißausbrüche?

Mache dir schriftliche Notizen über deine Gefühle

Schreibe dir alles auf und schau auch hier, was dahinter steckt. Achte mal darauf, wie gut du schon darin bist, echte Gefühle zu finden. Denkst du schon in Begriffen wie traurig, ärgerlich, besorgt? Oder sind es noch recht häufig Pseudogefühle wie übergangen, missachtet und ausgenutzt? Dann ist diese Woche für dich besonders wichtig.

Was bringt dir das?

Wenn du das regelmäßig machst, merkst du, ob sich Dinge wiederholen. Du weißt dann auch, ob es immer an der gleichen Situation oder an der gleichen Person gelegen hat, dass du beispielsweise sauer warst. Ist es immer wieder der Kollege, der dich morgens volltextet, während du noch im Halbschlaf bist und eigentlich Ruhe brauchst?

Ist es dein Mitarbeiter, dem du alles mehrmals erklären musst, bis er das so umsetzt wie du es gern hättest?

Du hast also am Ende eine Übersicht über das, was dich glücklich macht und das, was es nicht tut. Klar, es geht nicht darum, dass wir immer nur glücklich und zufrieden sind. Das ist ja auch unrealistisch und nicht das Ziel. Schließlich kannst du wesentlich schlechter genießen, dass es dir gut geht, wenn es dir immer gut geht.

To-Do-Liste für die Zukunft

Neben dieser Übersicht kannst du aber auch schauen, was du ändern kannst. Du hast neben der Bestandsaufnahme auch gleich eine To-Do-Liste, die du daraus machen kannst.

Solltest du bei diesem einen Kollegen die Aufgaben vielleicht anders erklären, damit er es besser versteht? Braucht er mehr Informationen? Woran liegt es, das es nicht so funktioniert?

Klar, hier kannst du experimentieren und immer wieder was Neues ausprobieren. Oder du suchst das Gespräch und sprichst es direkt an. So erfährst du direkt von ihm, woran es liegt. Damit machst du wahrscheinlich nicht nur dich selbst glücklicher, sondern auch noch diesen Mitarbeiter.

Fange heute gleich damit an!

Alles Liebe

Deine Susanne

 

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