Susanne Lorenz lächelnd

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Hast du das auch schon einmal erlebt? Du bist in einer Besprechung und erzählst ganz begeistert von einer Idee. Einige im Raum schauen dich interessiert an. Doch eine Person ist dabei, die die Augenbrauen nach unten und zusammen zieht?

Kommunikationstraining Berlin Mimikresonanz

Gefühle sehen und behutsam mit ihnen umgehen

 

Wie reagierst du in dem Moment? Bringt dich das aus dem Konzept? Irritieren dich Gefühle am Arbeitsplatz? Oder kannst du ganz normal mit deiner Präsentation fortfahren?

Die Mimikresonanz zeigt mehrere Wege auf, wie du in solch einer Situation vorgehen könntest.

Im letzten Blogartikel schrieb ich bereits über Mimikresonanz und welchen Nutzen diese haben kann (siehe Linkliste unten).

In diesem Artikel möchte ich nochmal genauer auf das Thema eingehen. Zusätzlich werde ich hier einige Tipps für den angemessenen Umgang mit den entdeckten Gefühlen geben. Die folgenden Ausführungen basieren auf dem Buch „Mimikresonanz, Gefühle sehen. Menschen verstehen“ von Dirk Eilert.

 

Gefühle am Arbeitsplatz: Überblick über das Vorgehen

Wenn man es ganz genau nimmt, gibt es drei Bereiche, die aufeinander aufbauen.

 

1. Mimik-Scouting

Beobachtet wird das konkret Wahrnehmbare, wie die beteiligten Muskeln im Gesicht. Wie bereits im letzten Artikel ausgeführt, ist die Grundlage das facial action coding system. So gibt es für die Deutung der verschiedenen Gefühle eine Übersicht über die beteiligten Muskelgruppen im Gesicht.

Dazu wird das Gesicht in drei Bereiche eingeteilt. Im oberen Bereich liegen die Stirn und die Augenbrauen. Dann folgen Augen und Nase und im letzten Drittel der Mund und das Kinn.

Beispielsweise wird darauf geschaut, ob die Augenbrauen neutral , hoch- oder eher runtergezogen sind. Was passiert mit den Augen? Sind die Lider gesenkt, neutral, angespannt? Gibt es Veränderungen um die Nase herum? Was machen die Lippen?

 

2. Mimik-Code

Wurden die entsprechenden Veränderungen entdeckt, geht es im zweiten Schritt darum, diese mimischen Signale richtig zu interpretieren. Grundlage hierfür sind Ergebnisse der Emotionsforschung und der Persönlichkeits- und Motivationspsychologie.

 

3. Mimikresonanz

Wie gehen wir nun damit um, wenn wir Wut, Angst oder Trauer bei anderen am Arbeitsplatz sehen? Der dritte Bereich, die Mimikresonanz, beinhaltet den angemessenen Umgang mit dem Interpretierten.

Unterschieden werden dabei drei Resonanzstufen:

nonverbale Aufforderungsgesten,

Spiegel-Aussagen und

Interpretation.

Der interpretative Umgang kann erst erfolgen, wenn die Kenntnisse des Scoutings und des Mimik Codes beherrscht werden.

 

Resonanzstufen der Mimikresonanz

 

1. Nonverbale Aufforderungsgesten

Hierbei interpretieren wir nicht die möglicherweise dahintersteckenden Gefühle. Wir nehmen gewisse körpersprachliche Signale bei unserem Mitarbeiter oder Kollegen wahr. Anschließend bitten ihn mit einer Geste darum, etwas zu sagen.

Beispiele: 

  • Nicken in die entsprechende Richtung,
  • mit der offenen Handfläche auf die Person zeigen
  • lächeln
  • schweigen und fragend in die entsprechende Richtung schauen

So geben wir der Person die Freiheit, wie sie darauf reagieren möchte.

Was könnten wir beobachtet haben? Vielleicht ein Gesichtsausdruck, den wir in dem Moment nicht konkret deuten können. Vielleicht aber auch ein leichtes Kopfschütteln, während unserer Erklärung. Oder wie eingangs erwähnt, zusammengezogene Augenbrauen.

Das wären also verschiedene Möglichkeiten, wie du in solch einer Situation nonverbal reagieren kannst.

 

2. Spiegel-Aussagen

Spiegel-Aussagen sind direkte verbale Rückkopplungen ohne Interpretation. Beschrieben wird lediglich das, was auch beobachtbar ist. Beispiele sind zusammengezogene Augenbrauen oder ein an die Lippen gelegter Zeigefinger. Wichtig ist dabei, dass eine Aussage statt einer Frage geäußert wird, damit ein konstruktiver Dialog wahrscheinlich bleibt.

Vorteile der Spiegelaussagen

Das Vorteilhafte an den Spiegel-Aussagen ist, dass der Angesprochene innerlich zustimmt. Somit ist er positiv gestimmt für das Kommende (emotionale Ja-Straße).

Einige typische Spiegel-Aussagen sind:

  • „Sie runzeln die Stirn.“
  • „Du schüttelst gerade den Kopf.“
  • „Sie nicken.“
  • „Du lächelst.“

„Sie ziehen gerade ihre Augenbrauen zusammen“, könntest du also sagen, wenn du das beim Gegenüber wahrnimmst und du es nicht zu deuten weißt. So wäre deine Reaktion auf das Verhalten in Form einer Spiegel-Aussage.

 

3. Interpretation

Bei der Interpretation ist zu beachten, dass sie Wertschätzung ausdrücken und in einer klassischen Ich-Botschaft formuliert sein sollte.

Dadurch wird der andere ebenfalls innerlich zustimmen, wenn wir richtig tippen. Um hier die Treffsicherheit, zu erhöhen, ist es sinnvoll, sich im Beobachten zu schulen. Liegen wir mehrmals daneben, stört dies unsere Beziehungsebene. Dementsprechend ist es besser, gerade am Anfang eher vorsichtig damit umzugehen.

Je besser man die andere Person und ihre Mimik-Gewohnheiten kennt, desto leichter ist es. Schließlich gibt es auch Menschen, die besonders häufig lächeln oder öfter als andere eine Augenbraue hochziehen. Ist dies der Fall, verliert die normale Deutung dieser Signale ihre Kraft/Bedeutung.

Zum Beispiel könntest du sagen, „Wenn ich es richtig sehe, sind sie gerade überrascht, verwundert, neugierig...“ oder ähnliches.

In dem Beispiel von oben:

Nach unten und zusammen gezogene Augenbrauen können ein Signal von Ärger sein. Wichtig ist, dass wir uns das ganze Gesicht anschauen. Für Ärger brauchen wir zusätzlich hochgezogene obere Augenlider und angespannte untere Augenlider. Sind auch noch gepresste Lippen zu sehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass hier Ärger vorliegt.

Wenn du dich für diese Resonanzstufe entscheidest, könntest du sagen: „Wenn ich es richtig sehe, sind sie über etwas verärgert...“.

 

Intention der Mimikresonanz

Wenn dein geschultes Auge eine Mikroexpression sieht, die Angst ausdrückt, weißt du in diesem Moment nicht konkret, was der Auslöser ist. In bestimmten Situationen kannst du dir vielleicht denken, woran das liegen könnte.

Hier könntest du darauf eingehen. Zum Beispiel könntest du in einem Gespräch über geplante Veränderungen die Risiken und Chancen genauer erklären. In einem Beratungsgespräch könntest du darauf hinweisen, dass es eine kurzfristige Kündigungsfrist gibt, eine Geld-zurück-Garantie oder ähnliches.

Egal für welche der verschiedenen Reaktionsformen du dich entscheidest, es geht NICHT darum, den anderen zu durchschauen und zu manipulieren.

Ziel der Mimikresonanz ist, die Bedürfnisse der Menschen zu verstehen und empathisch zu reagieren. Somit ist auch hier der Fokus auf den Gefühlen und den Bedürfnissen des anderen wie bei der gewaltfreien Kommunikation (GFK).

Deswegen eignet sich die Mimikresonanz auch wunderbar für die Anwendung der GFK. Auf die Grundsätze gehe ich in meinem Basisseminar ebenfalls ein.

 

Gefühle am Arbeitsplatz- darüber reden

Da wir uns am Arbeitsplatz befinden, ist es nicht selbstverständlich, dass der andere über seine Gefühle reden möchte.

In diesem Businesskontext brauchen wir oft ein besonderes Vertrauen, damit wir uns dem anderen auch emotional öffnen.

Auch hat die Schnelligkeit, sich anderen gegenüber zu öffnen, etwas mit unserem Persönlichkeitstyp zu tun (mehr dazu siehe Linkliste).

Je besser du deine Mitarbeiter kennst, desto eher weißt du, ob sie über Gefühle sprechen wollen, wenn sie sich im beruflichen Kontext befinden.

Auch spielt deine eigene Befindlichkeit eine Rolle. Möchtest du gerade überhaupt über Gefühle sprechen? Oder ist dein Fokus gerade eher auf der Sachebene?

 

Fazit

Gefühle zu sehen ist nur der erste Schritt im Umgang mit Gefühlen am Arbeitsplatz.

Nimmst du Gefühlsregungen bei deinem Gesprächspartner wahr, kannst du entscheiden, wie du damit umgehst. Du kannst interpretieren, dass der andere im Mitarbeitergespräch gerade dieses oder jene Gefühl hat.

Du kannst offen fragen, wie es dem anderen geht. Oder du fokussierst dich nur auf das, was du siehst und sprichst das an. Sicherlich wirst du in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich reagieren.

Es kann genau so gut sein, dass dich die Gefühle des anderen gerade nicht so sehr interessieren und du sie gar nicht wissen willst. Auch das ist in Ordnung. Schließlich entscheidest du individuell, wie du mit den verschiedenen Mitarbeitern und ihren Gefühlen im Arbeitskontext umgehst.

 

P.S.

Ein weiterer Tipp zu diesem Thema ist nicht nur das Buch Mimikresonanz von Dirk Eilert, sondern auch die Serie „Lie to me“. Hier wendet Dr. Cal Lightman diese Technik an, auch wenn er oft sehr provokant damit umgeht. Vielleicht geht es dir wie mir und du kannst von dieser Serie nicht genug bekommen?

Alles Liebe

deine Susanne

 

 

Linkliste:

Mimikresonanz

Dirk Eilert Mimikresonanz

Gefühle verstehen

kostenlose Gefühlsliste runterladen

Kommunikation und Persönlichkeitstypen

Workshop Umgang mit Vorwürfen

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören

Gefühle am Arbeitsplatz – so kannst du achtsam mit ihnen umgehen

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