Wir tun es jeden Tag. In der Familie. Vielleicht auch mit dem Nachbarn oder mit dem Bäcker. Bestimmt mit den Kollegen oder den Vorgesetzten. Streiten. Oft kommt es in Gesprächen zu Störungen. Wenn du diese nicht erkennst, kann es zu Streitereien kommen. So möchte ich dich hier für  Aspekte sensibilisieren, die Schwierigkeiten in Gesprächen verursachen.

Störungen in der Kommunikation: woran es liegen könnte

 

„Hallo Herr Maier, wie war denn ihr Tag gestern mit dem neuen Kollegen?“

 

„Nett.“

 

„Wie „nett“? Was hat der denn falsch gemacht?“

 

„Nein, der hat nichts falsch gemacht. Wie kommen Sie denn darauf?

 

„Naja, Sie haben gesagt, es war „nett“.“

 

„Und?“

 

„Naja, das heißt doch nichts Gutes …

 

Kommunikationsschwierigkeiten durch Begrifflichkeiten

Oft kommt es zu Störungen, weil Menschen sehr unterschiedlich sind in ihrem Denken und Tun (schaue auch unter Persönlichkeitstypen in der Linkliste, wenn du mehr darüber erfahren möchtest). Das fängt schon damit an, dass wir Begriffe anders besetzen. Für den einen  ist „nett“ eben nett oder sogar mehr als das und meint etwas Gutes. Das sind oft eher zurückhaltende Menschen. Andere benutzen eher „super“, „genial“ und „phantastisch“, um auszudrücken, dass etwas „nett“ ist. Das sind meistens die Menschen, die schnell zu begeistern sind. Und schon kann es zu Missverständnissen auf der Sachebene  kommen.

Doch ob eine Störung vorliegt, ist erst an der Reaktion des Gegenübers erkennbar. Es kann durchaus passieren, dass der Mut fehlt, es anzusprechen und so wird eben nicht mehr darüber geredet. Jedoch muss dies nicht unbedingt am fehlenden Mut liegen. Es kann auch sein, dass es sich in der Situation nicht lohnt, es anzusprechen. Das kann sogar richtig sein, denn manche Dinge erledigen sich auch von allein.

Zusätzlich kommt es darauf an, wie gut sich die Beteiligten verstehen, also auf die Beziehungsebene. Unter Freunden fällt öfter mal etwas, was nur vorübergehend übel genommen wird. Da muss also bei Störungen nicht immer unbedingt ein Konflikt entstehen.

 

Kommunikationsschwierigkeiten durch  verschiedene Ebenen

Kommunikationsschwierigkeiten liegen auch daran, dass unsere Kommunikation verschiedene Ebenen hat. Bei der Sachebene geht es um Zahlen, Daten und Fakten. Bei der Beziehungsebene dreht es sich um Gefühle, Erwartungen und auch Erfahrungen, die uns prägen. Letzteres ist unbewusst und macht laut Eisbergmodell nach Freud circa 80 Prozent der Kommunikation aus. Der Hauptteil der Kommunikation liegt also wie bei einem Eisberg „unter Wasser“. Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man Kommunikation und Konflikte besser verstehen will.

Bei Streitereien auf der sachlichen Ebene geht es beispielsweise wie oben um Begriffe und deren Bedeutung, um fehlende Informationen oder um inhaltliche Wiederholungen.

Auf der Beziehungsebene kann es daran liegen, dass du bereits negative Erfahrungen mit dieser Person gemacht hast.  So kannst du dir konstruktive Gespräche nicht mehr vorstellen und erwartest auch nur Vorwürfe und Co. Gegebenenfalls nimmst du sachliche Aussagen nicht mehr wahr, weil du eine negative Absicht unterstellst.

 

Kommunikationsschwierigkeiten durch unterschiedliche Wahrnehmung

Die Wahrnehmung ist in vielen Fällen ebenfalls unterschiedlich, denn auch hier legen verschiedene Menschen unterschiedliche Schwerpunkte. So kann man beispielsweise nach einem Unfall mehrere Zeugen befragen. Der eine wird  von dem Auto erzählen, was für eine Automarke es war, welches Baujahr etc. Der nächste erzählt von dem sonnigen Tag und den bunt gekleideten Menschen, die unterwegs waren. Wieder ein anderer berichtet von den schreienden Menschen… All das war vorhanden und zu beobachten, doch der Fokus ist eben unterschiedlich.

Und selbst wenn das Gesehene stimmt, wissen wir oft nicht, was dahinter steckt, denn zum einen sehen wir nur einen Ausschnitt der Realität und zum anderen kennen wir die Hintergründe nicht. Also warum jemand etwas tut, das er tut. Manchmal machen wir die falschen Dinge aus den richtigen Gründen…

Also sollte man sich auch dessen bewusst sein. Oft nehmen wir nur Bruchstücke wahr und sehen Zusammenhänge, wo keine sind. Fragen sind hier auch ein gutes Mittel. Statt dem anderen gleich die eigene Wertung an den Kopf zu werfen, könnte man auch einfach Fragen stellen, um herauszufinden, wie es gemeint war. Dazu gehört manchmal auch Mut. Doch eine einfache Frage kann das Leben oft schon sehr erleichtern.

 

Beobachtung statt Bewertung

So macht die gewaltfreie Kommunikation als Kommunikationstechnik einiges leichter, da wir uns beim ersten Schritt darum kümmern, dass wir unsere Beobachtungen von unseren Bewertungen trennen. In diesem Schritt geht es darum, dass man sich bewusst wird, dass eine reine Beobachtung ein großer Unterschied ist zu einer subjektiven Bewertung. Diese Bewertung wird durch das Verhalten anderer Menschen ausgelöst. Dadurch, dass es sich um eine Bewertung handelt, die nicht objektiv ist, kann sie stark variieren von Person zu Person. Doch wie eben beschrieben, ist es eben auch elementar, sich dafür zu sensibilisieren, dass auch eine Beobachtung „falsch“ sein kann. Mehr darüber lernst Du in meinem Basis-Seminar zur gewaltfreien Kommunikation, das regelmäßig stattfindet.

 

Jeder lebt auf seiner eigenen Insel

Menschen bringen ihre eigene Erfahrung, ihre Erwartungen, ihre Werte und ihren eigenen Charakter mit ins Gespräch. Der eine diskutiert gern und will viele Infos, der andere möchte schnell auf den Punkt kommen. Der eine ist sehr sensibel und legt jedes Wort auf die Goldwaage, der andere achtet auf so etwas nicht. Manche Menschen brauchen ganz viel Kontakt und Austausch zu anderen und manch einer will eher seine Ruhe haben. Da gibt es tausende verschiedene Kombinationsmöglichkeiten und das macht die Kommunikation zum Teil so schwer.

Ist der andere nicht unserer Meinung und haben wir wenig Gemeinsamkeiten, stempeln wir ihn oder sie schnell als unsympathisch ab. Dabei müsste das so selbstverständlich für uns alle sein! Es ist doch klar, dass wir nicht immer einer Meinung sind.

Wünschenswert wäre es, dass man auch die Ansicht des anderen toleriert und sich ansonsten darauf einigt, dass man sich nicht einig ist (siehe auch Artikel zum Thema Toleranz).

Denke also im nächsten Gespräch daran, dass wir die Geschichte des anderen und seine Insel nicht kennen. Wir könnten aber Spaß daran finden, sie zu erkunden.

 

War`s das?

Natürlich gibt es hier noch weitere Aspekte. Ich freue mich von dir zu hören, was deiner Erfahrung nach noch dazu beiträgt, dass die Kommunikation nicht „flutscht“. 

Alles Liebe

Deine Susanne

 

Linkliste: 

gewaltfreie Kommunikation

Basis-Seminar

Persönlichkeitstypen

 

 

Hier kannst du dir den Blogartikel auch anhören:

Kommunikationsschwierigkeiten

von Susanne Lorenz | Kommunikationsschwierigkeiten