Kommunikationstraining Berlin

Mimikresonanz

Neulich war ich bei einer Lesung zum Thema Mimikresonanz bei Dirk Eilert und habe mich besonders gefreut, ihn persönlich sprechen zu können. Warum? Weil ich gerade sein Buch zu dem Thema lese und es höchst spannend finde. Dabei geht es darum, Gesichter und die durch die Mimik ausgedrückten Emotionen besser lesen zu können. Der Vortrag war wirklich sehr gelungen, mit vielen kurzen Videos gespickt und sehr anschaulich gestaltet. Die Zeit ist dabei viel zu schnell vergangen.

 

 

Mimikresonanz und gewaltfreie Kommunikation

Beispielsweise Trainer und Coaches werden von Dirk geschult, Emotionen in Gesichtern zu erkennen und zusätzlich angemessen damit umzugehen, um einen wertschätzenden und beziehungsfördernden Umgang zu ermöglichen.
Zu meinem Thema passt das auch wunderbar, schließlich arbeite ich als Trainer und Coach für gewaltfreie Kommunikation und somit viel mit Menschen zusammen. Der erste Schritt der gewaltfreien Kommunikation ist die Beobachtung von Geschehnissen, die in uns Gefühle auslösen. Auch in der Mimikresonanz geht es darum, erst einmal zu beobachten, was wir bei dem anderen wahrnehmen können und Interpretationen zunächst außen vor zu lassen. Bei der gewaltfreien Kommunikation geht es unter anderem  auch darum, die Menschen besser zu verstehen, besonders ihre Gefühle und Bedürfnisse. Dafür ist die Mimik ein guter Indikator und die Mimikresonanz ein gutes Hilfsmittel.

 

 

Ekmans Forschungen als Basis

Wie bereits in meinem Artikel zum Thema Gefühl beschrieben, gibt es verschiedene Ansätze zu den Grundemotionen. Dirk Eilert beruft sich auf Paul Ekmans Forschungen und die sieben Grundemotionen: Freude, Ekel, Trauer, Ärger, Verachtung, Angst und Überraschung. In seinen Forschungen fand Ekman heraus, dass diese Emotionen universell sind, das heißt, egal in welchem Land er war, war die Mimik bei diesen Gefühlen identisch. Das verhält sich beispielsweise bei Gesten anders, diese sind durchaus kulturell unterschiedlich. Dementsprechend konzentriert sich die Mimikresonanz mehr auf die Mimik als auf die restliche Körpersprache, wenn es um das Beobachten von Gefühlen geht.
Die Verknüpfung unserer mimischen Muskulatur mit dem limbischen System sorgt dafür, dass wir Emotionen besonders deutlich im Gesicht erkennen können. Interessant ist hier auch die Wechselwirkung von Mimik und Gefühlen, die auch als Facial-Feedback-Hypothese bekannt ist.
Wir können bewusst durch unsere Mimik unsere Gefühle steuern und durch die entsprechenden Gesichtsausdrücke Freude oder auch Ärger auslösen. Das kann beispielsweise bewusst genutzt werden, um Depressionen entgegen zu steuern.

Ekman und Friesen haben aufgrund ihrer Forschungen 1978 das facial action coding system für Mimikscouting veröffentlicht. Dieser „Atlas der menschlichen Mimik“, der über 700 Seiten lang ist, beschreibt die einzelnen action units, also die mimischen Bewegungseinheiten. Anhand derer werden die Gesichtsausdrücke eingeteilt und gelesen.

In der Mimikresonanz wird unterschieden in Makroexpressionen, die wir bewusst steuern können. Somit sind sie als Indikator für die Gefühle des anderen nur bedingt zuverlässig. Mikroexpressionen hingegen, die nur 125-200 Millisekunden dauern, können wir nicht steuern. Festgestellt wurde, dass diese Mikroexpressionen dann auftauchen, wenn das Gesagte und Gefühlte nicht kongruent ist. Also, wenn jemand sagt, er wäre glücklich, dem jedoch nicht so ist.

Mikroexpressionen sind also gute Hinweise auf die Gefühle, die sich im anderen gerade abspielen. Es kann durchaus sein, dass der andere gerade Freude zeigt, sich jedoch einen kurzen Augenblick auch Angst erkennen lässt. Dies kann meist nur ein geschultes Auge, da der Augenblick recht kurz ist.

 

 

Mimikresonanz- braucht man das?

Ist es nicht so, dass eh jeder Mensch die Gefühle des anderen erkennen kann? Nein. Was wir leicht erkennen, ist, ob sich jemand wohl oder unwohl fühlt. Auch in meinen GFK-Seminaren fällt es den Teilnehmern nicht immer leicht, die Gefühle des Gegenübers zu lesen. Das liegt daran, dass die meisten von uns es verlernt haben, Mimik lesen zu können.
Dementsprechend ist es hilfreich, diese Fähigkeit wieder aufzufrischen. An sich tragen wir sie in uns und müssen sie nicht komplett neu erlernen. Als Kind haben wir damit keine Probleme und erzielen eine hohe Trefferquote. Doch mit der Zeit verlassen wir uns mehr und mehr auf die Worte unserer Mitmenschen. Die Mimikresonanz gibt da Hilfestellung im Erkennen der Gefühle anhand der Mimik.

Besonders zu beachten ist, dass es hier lediglich um Hinweise, nicht um Beweise handelt und dass wir nicht wissen, warum der andere sich jetzt so fühlt.

Mehr über das Thema und wie man angemessen mit den entdeckten Gefühlen umgeht, im nächsten Blogartikel.