Ärgerst du dich oft darüber, wie andere Menschen sich verhalten? Seien es nun deine Angestellten, Kollegen oder auch Vorgesetzten? Liegt das nun an den anderen oder an dir und deiner Einstellung?

Zielerreichung

Über die eigene Einstellung und ihre Auswirkungen

Immer wieder komme ich an den Punkt, wo ich meine eigene Einstellung und meine Gedanken hinterfrage. Man könnte meinen, dass ich sehr wertschätzend bin, weil ich mich ja schon seit vielen Jahren mit der gewaltfreien Kommunikation beschäftige und sie auch schule. Das bin ich auch meistens, aber eben nicht immer.

Der eigene Standard

Oft genug erwische ich mich selbst dabei, meinen eigenen Standard von anderen zu erwarten. Das sind oft Kleinigkeiten, wie, dass es doch normal ist, dass man den Müll trennt, auch am Arbeitsplatz.
Wenn andere das nicht machen, werde ich schnell sauer. Ja, ich habe verstanden, dass ich sauer bin oder mich hilflos fühle, weil es mir wichtig ist, dass die Menschen umweltbewusst handeln.
Ich hatte sogar mal eine Situation mit einem älteren Herrn im Supermarkt, der keine Bio-Eier kaufen wollte und ich versuchte ihn zu überzeugen, dass er damit etwas für die bessere Haltung der Tiere macht. Doch ihm ging es mehr um den Preis, der bei den Bodenhaltungseiern günstiger ist.

Maßstäbe auf andere übertragen

So bin ich aktuell stark dabei, zu schauen, wo ich meine Maßstäbe versuche anderen aufzuzwingen. Wo bin ich der Meinung, dass meine Ansicht die richtige ist und der andere falsch liegt? Wo verhalte ich mich auch dementsprechend und versuche gar nicht in Erfahrung zu bringen, warum sich der andere eigentlich so verhält wie er sich verhält? Wo bin ich also mit der Haltung des Wolfs (gewaltvolle Kommunikation statt gewaltfreier Kommunikation) unterwegs?

Schließlich höre ich in meinen Seminaren immer so viele Beispiele, wo es auch genau darum geht. Da sind Mitarbeiter nicht so ordentlich an ihrem Arbeitsplatz, wie der Chef es gern hätte. Da machen Kollegen ihre Arbeit nicht auf die Weise, die doch eigentlich schneller oder effektiver wäre. Das hat also auch immer wieder den Effekt auf mich, dass ich auch Dinge hinterfrage, wo ich der Meinung war, ich wäre im Recht.

Keine böse Absicht unterstellen

Erstaunlich ist, dass mir das im beruflichen Kontext wesentlich leichter fällt, offener zu sein. Da ärgere ich mich zwar auch über Kontakte, die ihre Mails nicht beantworten oder versprochene Anrufe nicht einhalten. Doch ich gestehe ihnen viel schneller ein, dass sie ihre Gründe haben und keine böse Absicht. Das ist nämlich sehr hilfreich, wenn du der Meinung bist, der andere macht etwas anders als du es ihm vielleicht gesagt hast.

Denkst du dann, der wollte dich ärgern? Der akzeptiert dich nicht oder respektiert deine Autorität nicht? Das ist in den seltensten Fällen zutreffend. Meistens verfolgt der andere dabei einfach nur seine eigenen Bedürfnisse. Die gilt es dann herauszufinden, wenn du das Gespräch suchst, um nach einer Lösung zu schauen.

Zwischen "richtig" und "falsch"

Mir fällt das oft schwer, nicht in "richtig" und "falsch" zu denken. So sollte mein kranker Partner zum Arzt gehen. Wenn man krank ist, muss man sich doch um sich kümmern und einen Arzt aufsuchen (richtig). Doch das will er nicht (falsch). Schon habe ich in meinem Kopf, dass er Hilfe braucht. Anstatt einfach zu akzeptieren, dass er seine eigenen Entscheidungen trifft und alt genug ist.

Und hier komme ich in einen Konflikt. Denn ist es nicht auch meine Aufgabe, mich mit um das Wohlsein meines Partners zu kümmern? Kann ich da einfach daneben stehen und es ignorieren, wenn es ihm schlecht geht? Kann ich hier mein Bedürfnis nach Unterstützung ausleben oder ist sein Bedürfnis nach Autonomie wichtiger? Klar, entscheiden muss er es ja selbst.

In einem meiner Coachings ging es um etwas Ähnliches. Die Angestellte meiner Kundin wollte keine Pause machen und auch ihren Urlaub nicht nehmen. Meine Kundin fragte sich "Kann ich da als Manager daneben stehen und es einfach zulassen?" Also das Bedürfnis des anderen nach Autonomie einfach akzeptieren? Neben einer Fürsorgepflicht als Führungskraft geht es ja auch darum, gesetzliche Regelungen einzuhalten und dem anderen klarzumachen, dass er auch Erholungspausen braucht.

Im  Gespräch solltest du darauf verzichten, dem anderen zu sagen, du denkst, er liegt falsch und du hast Recht. Das fühlt sich echt mies an, das willst du wahrscheinlich auch nicht, dass jemand das zu dir sagt.

Die eigene Haltung verstehen

Was habe ich gemacht? Ich bin mir meiner Haltung bewusstgeworden und dass es nicht in Ordnung ist, wenn ich mit meinem Partner in ein Gespräch gehe und er denkt, dass ich der Meinung bin, mit ihm ist etwas nicht okay. Ich habe aber auch verstanden, dass ich ihm nichts Böses will, nicht denke ich bin besser als er und ihm auch nichts aufzwingen möchte. Meine Bedürfnisse nach Gesundheit und Unterstützung treiben mich an und motivieren meine Handlung.
Also ging ich die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation und machte ihm verständlich, wie es mir geht, wenn es ihm schlecht geht und was das auch mit meiner Stimmung macht. Das hat tatsächlich geholfen, denn er hat gemerkt, dass ich ihn nicht maßregeln will, sondern etwas Gutes im Sinn hab. Und er ist zum Arzt gegangen!

Sich selbst unter Druck setzen

Auch in Bezug auf mich selbst merke ich, dass ich viel Druck ausübe. Ich „sollte“ oder „müsste“ doch das und das machen oder sagen. Ich muss doch täglich auf Facebook posten, regelmäßig den Newsletter schreiben. Ich muss doch jeden Tag fleißig sein. Also bin ich gerade in einer Phase, wo ich danach schaue, wo ich unrealistische Vorstellungen habe, die mich selbst stressen.

Und jetzt?

Also schau auch mal bei dir, wo du der Meinung bist, dein Mitarbeiter oder Kollege müsste doch etwas so machen, weil DU es für normal hältst. Und wo machst du dir selbst zu viel Stress? Was glaubst du, musst du alles machen? Mach dir dazu eine Liste und leite daraus ab, wie du es demnächst ändern möchtest. Ich freue mich auf deine Kommentare!

Alles Liebe
Deine Susanne

 

Linkliste:

gewaltfreie Kommunikation

Über Wolfs- und Giraffensprache