Sachseite Vier-Ohren-Modell

Sachseite Vier-Ohren-Modell: Was gibt es dabei zu beachten?

In den folgenden Blogartikeln möchte ich genauer auf  das Vier-Seiten-Modell  von Schulz von Thun und die einzelnen Ebenen  eingehen. In dem entsprechenden Blogartikel dazu schrieb ich, dass Schulz von Thun bei jeder Aussage davon ausgeht, dass sie vier Ebenen beinhaltet. Zusätzlich kann sie auf vier verschiedenen Ohren gehört werden. Der Unterschied der beiden Modelle ist lediglich die Ausrichtung: einmal auf den Sender und einmal auf den Hörer. In diesem Artikel möchte ich auf die Sachebene eingehen. Welche Besonderheiten gibt es hier zu berücksichtigen?

Bei der Sachebene geht es um die konkrete Aussage. Also den wörtlichen Inhalt mit Fokus auf Zahlen, Daten, Fakten. Hier sind zwei Probleme zu unterscheiden: erstens Unverständlichkeit und zweitens Unsachlichkeit. Häufig ist es im geschäftlichen Alltag notwendig, verständlich und sachlich zu sprechen, um Missverständnisse und Konflikte zu minimieren.

 

Faktoren der Verständlichkeit beim Vier-Seiten-Modell

Um die eigene Verständlichkeit zu fördern, gibt es gewisse Dinge zu beachten.
Versuche, Deine Sätze kurz zu halten. Nutze Fremdwörter nur, wenn es notwendig ist und erkläre sie dann. Ich selbst versuche das auch in meinen Blogartikeln und Seminarunterlagen einzuhalten. Ich freue mich immer wieder über das Feedback, dass meine Erklärungen und Texte schnell und einfach zu verstehen sind.  Fremdwörter setze ich nur dezent ein. Mein Ziel ist es einfach zu informieren und Tipps zu geben, für die, die daran interessiert sind.

Geht es um schriftliche Kommunikation, gliedere Deine Inhalte beispielsweise durch Absätze, Überschriften, Fettdruck oder ähnliches Neben der äußeren Übersichtlichkeit ist es zielführend, wenn Du auf eine innere Folgerichtigkeit achtest. Was folgt logisch aufeinander, welche Zusammenhänge sollten erklärt werden? Dies gilt für die schriftliche und mündliche Kommunikation.
Beides ist einprägsamer, wenn Du Visualisierungen verwendest, sei es nun über Bilder, Grafiken oder Tabellen oder sprachlich durch Metaphern oder Analogien. Versetze Dich in Deinen Empfänger und nutze Beispiele aus seiner Welt. Das macht es anschaulicher.

Um sicherzugehen, dass die andere Person Dich wirklich verstanden hat, ist es gut, wenn Du Fragen stellst, um das zu klären. Besonders wichtig ist das, wenn Du Aufträge vergibst, Aufgaben delegierst oder auch Feedback gibst.

 

Faktoren der Sachlichkeit beim Vier-Seiten -Modell

Wie sachlich oder unsachlich ich kommuniziere, hängt stark von meiner Haltung und meiner emotionalen Verfassung ab. Unsere Kommunikation ist stark von unseren Gefühlen geprägt und vieles passiert unbewusst.

Oft ist uns nicht bewusst, dass wir gerade unsachlich sind. So kommt es, dass wir uns wundern, warum unser Gegenüber uns scheinbar falsch versteht. Das kann daran liegen, dass wir unreflektiert in ein Gespräch gehen mit einer Haltung von Überheblichkeit und Feindseligkeit. Diese kann gespeist sein durch alte negative Erfahrungen mit dieser Person oder einer anderen Person, an die wir uns erinnert fühlen. Mit der Einstellung „ich habe Recht, du nicht“ kann das Vier-Seiten-Modell  so aussehen:

Sachinhalt: These x ist richtig!
Appell: Sei vernünftig!
Beziehung: Wie kannst Du nur so…sein!
Selbstkundgabe: Ich habe den Durchblick!

Bei einer wertschätzenden Haltung  („Ich vertrete meine Meinung, höre mir aber auch Deine an“) sieht das Vier-Seiten-Modell wie folgt aus:

Sachinhalt: These x ist richtig!
Appell: Nenne mir Deinen Standpunkt und höre Dir meinen an.
Beziehung: Du hast eine andere These, wir können auf Augenhöhe darüber sprechen.
Selbstkundgabe: Ich bin von These x überzeugt, damit mag ich richtig oder falsch liegen.

 

Gehen wir davon aus, dass wir uns in Situation Nummer eins befinden, in der unsachlich gehandelt wird.  Hier gibt es zwei Strategien, um bei Auseinandersetzungen die Sachlichkeit zu fördern. Die erste Strategie ist: Das gehört nicht hierher. Der Wunsch, sachlich zu bleiben, dominiert die Kommunikation. Konflikte werden dabei  ausgeblendet, um die Sachlichkeit zu erhalten. Damit soll Zeit gespart werden, dies kann kurzweilig helfen, ist jedoch keine langfristige Lösung. Zeitdruck, aber auch eine kurze Zusammenarbeit können Gründe dafür sein, Konflikte nicht zu bearbeiten. Bei einer längeren Zusammenarbeit kann es dazu führen, dass Teams irgendwann nicht mehr arbeitsfähig sind. Spätestens dann sollte man der Störung auf den Grund gehen.
Bei der zweiten Strategie haben Störungen Vorrang,  die geklärt werden sollen. Klärungen erfolgen auf der Metaebene über die Beziehungs- und Offenbarungsebene.  Fragen, die hier gestellt werden, sind „Wie stehen wir zueinander?“, „Warum widerspreche ich immer?“ oder auch „ Wie fühle ich mich in der Gruppe?“.  Ist die Störung schon stark vorangeschritten, wird an dieser Stelle oft eine neutrale Person (Mediator) benötigt, die dann vermittelt.

Im nächsten Blogartikel gehe ich darauf ein, auf welche Probleme man treffen kann, wenn man sich auf der Appellebene befindet. Für die Zusammenhänge dieses Modells mit anderen, beispielsweise der gewaltfreien Kommunikation, gibt es mein Seminar „klar und wertschätzend kommunizieren“.

 

Literatur

Schulz von Thun, F.: Miteinander reden. Band 1 – Störungen und Klärungen – Allgemeine Psychologie der Kommunikation, Reinbek bei Hamburg, 2008.

(siehe auch Buchtipps bei über mich)

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Kompetenz.Persönlich.Gestalten. am 2. April 2015 um 18:30

    Besten Dank für diesen Beitrag. Er beschreibt sehr schön das 4-Ohren-Modell von Schulz von Thun. Mittlerweile ein Klassiker in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Beste Grüße!

    • Veröffentlich von Susanne Lorenz Kommunikationstraining Berlin am 7. April 2015 um 7:40

      Vielen Dank für das Feedback! Da freue ich mich, dass der Artikel Ihnen gefallen hat 😉 Beste Grüße zurück!

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