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"Das hängt doch vom Kontext ab!". Das höre ich immer wieder in meinen Seminaren und sage ich selbst auch oft! Zum Kontext gehört definitiv auch, wie wir im Gespräch zueinander stehen. Doch was gehört alles zur Beziehungsseite der Kommunikation dazu?

Beziehungsseite

Was passiert eigentlich auf der Beziehungsseite?

 

In diesem Artikel geht es um die Beziehungsseite von Nachrichten. In meinen letzten Blogartikeln bin ich auf das Modell von Schulz von Thun eingegangen.

Ich habe die Seite des Senders (Vier-Seiten-Modell) und die Seite des Empfängers (Vier-Ohren-Modell) beleuchtet und auch schon mehr zur Sach-, Appell- und Selbstkundgabeseite geschrieben (siehe Linkliste unten).

Da das Modell von Schulz von Thun stammt, beziehe ich mich größtenteils auf seine Ausführungen (Literatur steht am Ende des Artikels).

 

Vier-Seiten-Modell: Beziehungsdefinition und Du-Botschaften

Die Beziehungsseite von Nachrichten beinhaltet eine Du-Botschaft und eine Wir-Botschaft.

Es geht also darum, was ich als Sender vom Empfänger halte (oder umgekehrt) und wie wir zueinander stehen.

 

Du-Botschaft der Beziehungsseite

Die Du-Botschaft sagt „So eine/r bist du!“. Du-Botschaften können positiv oder negativ sein. Mit positiven gehen wir in der Regel auch positiv um. Es gibt aber auch Menschen, die mit Komplimenten nicht gut umgehen können. Zum Beispiel, weil sie sie nicht ernst nehmen, da sie sehr selbstkritisch sind. Darauf gehe ich hier jedoch nicht weiter ein ;).

 

Auswirkungen der Du-Botschaft

Du-Botschaften können längerfristige Auswirkungen auf uns und unser Selbstkonzept haben.

Unser Selbstbild wird während der Kindheit langfristig durch Du-Botschaften und Etikettierungen unserer Eltern und der Gesellschaft geprägt.

Etikettierungen geschehen durch die Schule, Universität etc: als Junge/Mädchen macht man das so und so, Jungs weinen nicht, Mädchen können gut kochen u.s.w. Dieses durch andere geschaffene Selbstbild bestätigt sich anschließend durch Erfahrungen, die man macht und anzieht.

Wenn ich glaube, dass ich beispielsweise unsportlich bin, weil meine Eltern mir das stets sagten, mache ich auch keinen Sport und kann mir somit nicht beweisen, dass es sich anders verhält. So entsteht ein Teufelskreis einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung des Selbstkonzepts.

Wir nehmen Verzerrungen und Umdeutungen vor, wenn wir unser Selbstbild nicht bestätigt sehen. Unserer Meinung nach liegt dann eine Ausnahme, Glück, Zufall oder ähnliches vor, wenn wir Sachen können, von denen wir dachten, wir könnten sie nicht.

 

Einfluss durch Du-Botschaften

Warum ist das wichtig für den Berufsalltag? Einfluss haben eben nicht nur die Eltern, sondern auch andere.

Im Business sind es oft die Führungskräfte, an denen Menschen sich orientieren. Wenn du als Führungskraft mit deinen Mitarbeitern oder Kolleginnen sprichst, solltest du dir deines sprachlichen Einflusses bewusst sein.

Was denkst du über die anderen? Delegierst du ungern, weil du denkst, du kannst es eh besser? Deine Mitarbeitenden sind eh langsamer als du? Du drückst diese Du-Botschaften nicht nur verbal aus, sondern auch durch Non-verbales wie die Körpersprache.

Überlege also schon vor wichtigen Gesprächen mit deinen Mitarbeitenden/Kollegen wie du zu eben diesen stehst.

Hole dir gegebenenfalls Feedback von anderen Leitenden. Oft legen wir den Fokus nur auf die Dinge, die unser Gegenüber nicht kann.

Helfen kann es, wenn du direkt vor den Terminen überlegst, was an dem Menschen toll ist. Meist müssen wir da nicht lang suchen, schließlich hat jeder von uns seine Stärken und Schwächen. Bedeutend ist diese Einstellung auch, wenn du Mitarbeiter (jahres)gespräche führst.

 

Beziehungsseite nach Schulz von Thun: Wir-Botschaften

Unsere Nachrichten enthalten zusätzlich eine Wir-Botschaft: „So stehen wir zueinander.“

 

  • Stehe ich über dir, unter dir oder sind wir gleichwertig?
  • Verstehen wir uns gut oder sind wir eher distanziert?
  • Wie privat können wir miteinander werden?

All dies schwingt auf der Beziehungsseite unserer Botschaften mit und kann zu unterschiedlichen Reaktionen auf der Seite des Empfängers führen.

 

Unterschiedliche Reaktionen auf die Wir-Botschaft der Beziehungsseite

Kann ich dem Kollegen an den Arm fassen und sagen „Mensch, du siehst aber müde aus, womit hast du dich den in der Nacht rumgeschlagen?“ Sind wir so privat, dass wir uns anfassen und solche Fragen stellen können? Oder ist das von ein unangemessenes Verhalten?

Der Empfänger, also hier der Kollege, hat nun vier Reaktionsmöglichkeiten auf die Wir-Botschaft der Beziehungsseite des Senders. Der Sprecher sendet „So stehen wir zueinander, nicht wahr?“.

Nun kann der Zuhörer dies entweder:

 

  1. akzeptieren (ja, das passt)
  2. durchgehen lassen (naja, nicht wirklich, aber in Ordnung)
  3. es zurückweisen (so nicht, mein Lieber)
  4. ignorieren (entwerten, kein Kommentar)

 

Beziehungsseite Schulz von Thun: Umgang mit Beziehungsstörungen

Beziehungsprobleme (zum Beispiel erkennbar am Ton) lassen sich nicht allein auf der Sachebene austragen.

Hilfreich ist es zwar, stets nachzuhaken und in Erfahrung zu bringen, was konkret gemeint ist, wenn pauschalisiert und allgemein gesprochen wird.

Sinnvoller ist es zusätzlich, direkt auf die Beziehungsebene zu gehen und die Probleme zu klären. Warum sind wir so gereizt? Wie stehen wir zueinander?

Dazu hörst du nicht auf Beschuldigungen, sondern auf die Ich-Botschaften dahinter.

Du setzt also nicht die "Schuld-Ohren" auf, sondern die Ohren mit Fokus auf Gefühle und Bedürfnisse.

Du kannst also direkt über deine Gefühle und Bedürfnisse sprechen und auch den anderen danach fragen, wenn es für dich passt. So arbeitet auch die gewaltfreie Kommunikation, zu der ich regelmäßig Seminare anbiete ;).

Welches Gefühl,

welches Bedürfnis,

welche Bitte steckt dahinter?

 

Natürlich berücksichtigst du hier den Kontext. Möchtest du in diesem Moment ehrlich und authentisch sein? Vielleicht möchtest du dieses Gespräch eher an anderer Stelle führen, da du dich nicht in der richtigen Verfassung befindest. Letztlich entscheidest du, was sich für dich richtig anfühlt.

 

Fazit Beziehungsseite

Auf der Beziehungsseite gibt es viel Spielraum zu spekulieren. Du kannst positiv eingestellt sein und der andere nimmt es nicht wahr.

Redest du sehr förmlich und nutzt du viele Fremdwörter kannst du auch als überheblich wahrgenommen werden, dabei ist das gar nicht deine Absicht (hierzu auch mehr in dem Beitrag Sachseite Vier-Seiten-Modell: darauf solltest du achten ). 

Du kannst bewusst ansprechen, was du vom anderen hältst und wie du zu ihm stehst, das macht einiges leichter, auch wenn das keine Garantie dafür ist, dass der andere dir glaubt.

 

P.S.:

Wenn du gern mehr über dieses Thema und die gewaltfreie Kommunikation erfahren und auch praktische Übungen dazu machen möchtest, schau gern hier in die Liste.

Alles Liebe

deine Susanne

 

Zum Weiterlesen:

Vier-Seiten-Modell

Vier-Ohren-Modell

Sach-, Appell- und Selbstkundgabeseite

Vier Ohren Modell der gewaltfreien Kommunikation

Transaktionsanalyse nach Eric Berne

Kritik wertschätzend äußern

Schulz von Thun, F.: Miteinander reden. Band 1

Eigene Einstellung überdenken

Kommunikationsstörungen

Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation

Bedürfnisse besser verstehen

Workshop Umgang mit Vorwürfen und Co

Buch Superkräfte für Führungskräfte - gewaltfreie Kommunikation im Beruf

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