Beziehungsseite

 

Was passiert eigentlich auf der Beziehungsseite?

 

In diesem Artikel geht es um die Beziehungsseite der Nachricht. In meinen letzten Blogartikeln bin ich auf das Modell von Schulz von Thun eingegangen. Ich habe die Seite des Senders (Vier-Seiten-Modell) und die Seite des Empfängers (Vier-Ohren-Modell) beleuchtet und auch schon mehr zur Sach-, Appell– und Selbstkundgabeseite geschrieben.
Da das Modell von Schulz von Thun stammt, beziehe ich mich größtenteils auf seine Ausführungen (Literatur steht am Ende des Artikels).

Die Beziehungsebene beinhaltet eine Du-Botschaft und eine Wir-Botschaft. Es geht also darum, was ich als Sender vom Empfänger halte (oder umgekehrt) und wie wir zueinander stehen.

 

Vier-Seiten-Modell: Beziehungsdefinition und Du-Botschaften

Die Du-Botschaft sagt „So eine/r bist Du!“. Du-Botschaften können positiv oder negativ sein. Mit positiven gehen wir in der Regel auch positiv um. Es gibt aber auch Menschen, die mit Komplimenten nicht gut umgehen können. Darauf gehe ich hier jedoch nicht weiter ein.

Beziehungsbotschaften können längerfristige Auswirkungen auf uns und unser Selbstkonzept haben. Unser Selbstbild wird während der Kindheit langfristig durch Du-Botschaften und Etikettierungen unserer Eltern und der Gesellschaft geprägt. Etikettierungen geschehen durch die Schule, Universität etc: als Junge/Mädchen macht man das so und so, Jungs weinen nicht, Mädchen können gut kochen u.s.w. Dieses durch andere geschaffene Selbstbild bestätigt sich anschließend durch Erfahrungen, die man macht und anzieht.

Wenn ich glaube, dass ich beispielsweise unsportlich bin, weil meine Eltern mir das stets sagten, mache ich auch keinen Sport und kann mir somit nicht beweisen, dass es sich anders verhält. So entsteht ein Teufelskreis einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung des Selbstkonzepts. Wir nehmen Verzerrungen und Umdeutungen vor, wenn wir unser Selbstbild nicht bestätigt sehen. Unserer Meinung nach liegt dann eine Ausnahme, Glück, Zufall oder ähnliches vor, wenn wir Sachen können, von denen wir dachten, wir könnten sie nicht.

Warum ist das wichtig für den Berufsalltag? Einfluss haben eben nicht nur die Eltern, sondern auch andere. Im Business sind es oft die Führungskräfte, an denen wir uns orientieren. Wenn Du als Führungskraft mit Deinen Mitarbeitern oder Kollegen sprichst, solltest Du Dir Deines sprachlichen Einflusses bewusst sein.
Was denkst Du über die anderen? Delegierst Du ungern, weil Du denkst, Du kannst es eh besser? Deine Mitarbeiter sind eh langsamer als Du? Du drückst diese Du-Botschaften nicht nur verbal aus, sondern auch durch Non-verbales wie die Körpersprache.

Überlege also schon vor wichtigen Gesprächen mit Deinen Angestellten/Kollegen wie Du zu eben diesem stehst. Hole Dir gegebenenfalls Feedback von anderen Leitenden. Oft legen wir den Fokus nur auf die Dinge, die unser Gegenüber nicht kann. Helfen kann es, wenn Du direkt vor den Terminen überlegst, was an dem Menschen toll ist. Meist müssen wir da nicht lang suchen, schließlich hat jeder von uns seine Stärken und Schwächen. Bedeutend ist diese Einstellung auch, wenn Du Mitarbeiter (jahres)gespräche führst.

 

Beziehungsseite: Wir-Botschaften

Unsere Nachrichten enthalten zusätzlich eine Wir-Botschaft: „So stehen wir zueinander.“ Stehe ich über dir, unter dir oder sind wir gleichwertig? Verstehen wir uns gut oder sind wir eher distanziert? Wie privat können wir miteinander werden? All dies schwingt in unseren Botschaften mit und kann zu unterschiedlichen Reaktionen auf der Seite des Empfängers führen.  Kann ich dem Kollegen an den Arm fassen und sagen „Mensch, du siehst aber müde aus, womit hast du dich den in der Nacht rumgeschlagen?“ Sind wir so privat, dass wir uns anfassen und solche Fragen stellen können? Oder ist das von mir ein unangemessenes Verhalten?

Der Empfänger, also hier der Kollege, hat nun vier Reaktionsmöglichkeiten auf die Beziehungsdefinition des Senders. Der Sprecher sendet „So stehen wir zueinander, nicht wahr?“. Nun kann der Zuhörer dies entweder akzeptieren (ja, das passt), durchgehen lassen (naja, nicht wirklich, aber in Ordnung), es zurückweisen (so nicht, mein Lieber) oder gar ignorieren (entwerten, kein Kommentar).

 

Beziehungsseite: Umgang mit Beziehungsstörungen

Beziehungsprobleme (zum Beispiel erkennbar am Ton) lassen sich nicht allein auf der Sachebene austragen. Hilfreich ist es zwar, stets nachzuhaken und in Erfahrung zu bringen, was konkret gemeint ist, wenn pauschalisiert und allgemein gesprochen wird. Sinnvoller ist es zusätzlich, direkt auf die Beziehungsebene zu gehen und die Probleme zu klären. Warum sind wir so gereizt? Wie stehen wir zueinander?

Dazu hörst Du nicht auf Beschuldigungen, sondern auf die Ich-Botschaften dahinter. Du setzt also nicht die Wolfsohren nach außen auf, sondern die Giraffenohren. So arbeitet auch die gewaltfreie Kommunikation, zu der ich regelmäßig Seminare anbiete. Welches Gefühl, welches Bedürfnis, welche Bitte steckt dahinter?

Natürlich berücksichtigst Du hier den Kontext. Möchtest Du in diesem Moment ehrlich und authentisch sein? Vielleicht möchtest Du dieses Gespräch eher an anderer Stelle führen, da Du Dich nicht in der richtigen Verfassung befindest. Letztlich entscheidest Du, was sich für Dich richtig anfühlt.

Im nächsten Artikel zu dieser Reihe werde ich auf die Transaktionsanalyse von Eric Berne eingehen, denn diese bezieht Sender und Empfänger mit ein und macht Aktion und Reaktion deutlich sichtbar. Somit ist es ein weiteres gutes Instrument, um abzubilden, was sich auf der Beziehungsebene abspielt.

 

Wenn Du gern mehr über dieses Thema und die gewaltfreie Kommunikation erfahren und auch praktische Übungen dazu machen möchtest, dann komm doch in mein Seminar Klar und wertschätzend kommunizieren im Business. Für das Wochenende im Mai (09./10.05.2015) habe ich noch zwei freie Plätze. Ich freu mich auf Dich!

Literatur: Schulz von Thun, F.: Miteinander reden. Band 1

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Kommunikationstraining Berlin am 9. November 2016 um 18:23

    […] Blogartikel zum übergeordneten Thema Kommunikationstraining Berlin, geht es mir immer noch um die Beziehungsebene in der Kommunikation, die auch nach dem Modell von Schulz von Thun jede Nachricht beinhaltet (siehe […]

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