Vier-Seiten-Modell

Passiert es Dir ab und zu, dass Du den Eindruck hast, Du hast jemanden nett und freundlich um etwas gebeten und trotzdem kam keine Reaktion? Das kann verschiedene Gründe haben. Nachdem ich im letzten Blogartikel auf das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun und die Besonderheiten der Sachseite der Nachricht eingegangen bin, widme ich mich heute der Appellseite. Welche Aspekte spielen auf der Appellseite eine Rolle?

 

Vier-Seiten-Modell: Warum funktionieren manche Appelle nicht?

Zum einen kann es an der Formulierung liegen. Auf diese Besonderheiten bin ich bereits im „Artikel 7 von 7 – die einzelnen Schritte der GFK etwas genauer- die Bitte“ eingegangen und fasse mich deswegen hier kurz. In diesem Blogartikel möchte ich zusätzlich Hinweise geben, was noch dazu führen kann, dass wir Probleme auf der Appellseite haben.

 

1. Abneigung des Senders gegen Appelle

Der Sender möchte beispielsweise nicht autoritär wirken. Dadurch formuliert er seine Appelle indirekt und unklar statt: „Bitte mach das jetzt so und so“, hört man ein „Vielleicht besteht eventuell die Möglichkeit, dass…“ Direkt „Hast Du heute Zeit, mich bei meinem Auftrag zu unterstützen?“ zu fragen, bekommt vielleicht ein Nein als Antwort. „Ich muss heute noch meinen Auftrag fertig bekommen. Was musst du heute noch alles schaffen?“ könnte das gleiche bedeuten, muss es aber nicht. Bekomme ich hierauf ein „Du ich habe heute keine Zeit, dir zu helfen“, kann ich mich gut aus der Affäre ziehen und sagen, so war es nicht gemeint. So bin ich nicht verantwortlich für das, was folgt. Außerdem kann ich auch leichter mit Zurückweisung umgehen, denn es ist weniger klar, was ich eigentlich wollte.

Das kann bei Menschen, die schon als Kind schlechte Erfahrungen und viele Zurückweisungen erleben mussten, auch zur Taktik werden. Bevor sie direkt fragen und ein direktes „Nein“ erhalten, fragen sie nicht, sondern agieren verdeckt. Je verletzlicher die Person und je mehr Angst sie vor Zurückweisung hat, desto öfter wird sie diese Technik verwenden.

Wie kann ich nun als Empfänger mit verdeckten Appellen umgehen? Zuerst solltest Du Dir der Vorgänge bewusst werden. Bist Du diejenige, die sich nicht traut, direkt zu fragen, überlege, was dahinter steckt. Was bedeutet ein „Nein“ im schlimmsten Fall für Dich? Hier findest Du auch Tipps zum „Nein“ sagen.
Bist Du der Empfänger von Unklarheiten, frage direkt nach.  „Hab ich dich richtig verstanden, dass Du gern heute Hilfe bei dem Auftrag hättest?“ oder auch „Möchtest du, dass ich dir bei dem Auftrag helfe?“ oder ähnliches. Fragen wie diese erleichtern die Kommunikation und vermindern Missverständnisse.

 

2. Der Empfänger fühlt sich im Entscheidungsspielraum eingeengt

Das kann an der Beziehung von Sender und Empfänger liegen. So kann es sein, dass wir etwas nicht machen, worum wir gebeten werden, obwohl eigentlich nichts dagegen spricht und wir es auch sowieso machen wollten. Bittet uns nun aber jemand darum, von dem wir das nicht gern hören  (Kollege mit Kollege/Mutter und Tochter oder ähnliches), könnte es durchaus sein, dass wir uns dagegen wehren. Auch könnte der Empfänger generell empfindlich sein, was Appelle angeht, da er eh nur einen begrenzten Entscheidungsspielraum hat, wie es oft in der Position von Angestellten zu finden ist.

Was kann ich nun dagegen tun? Wenn ich möchte, dass der andere etwas tut, um das ich ihn bitte, kann ich verschiedene Herangehensweisen haben. Entweder ich will, dass er macht, was ich sage und seine Meinung ist mir egal. Ich stelle Forderungen. Das kann funktionieren, hat aber meistens Nachwirkungen. An dieser Stelle höre ich oft in meinen Seminaren „Aber ich bin doch der Chef! Da ist es doch in Ordnung, wenn ich Forderungen stelle!“ Ja, aber schauen wir uns mal an, was dann passieren kann. Beim Mitarbeiter kann zum Beispiel der Eindruck entstehen, dass er keine Mitspracherechte hat und so kann sich bei ihm eine innere Kündigung einschleichen.

Eine Alternative wäre, dass ich möchte, dass der andere etwas tut und auch mein Bedürfnis (den Sinn) dahinter sieht und damit einverstanden ist und es gern macht. Wenn mein Gegenüber aus eigener Motivation Aufgaben übernimmt oder Dinge erledigt, ist es erfüllender für beide. So kann ich auch als übergeordneter Leiter meine Mitarbeiter als Menschen mit Bedürfnissen betrachten und sie gleichwertig behandeln. Dadurch geht es bei den Appellen nicht mehr um Forderungen, sondern um Bitten.
Das funktioniert jedoch nur, wenn ich wirklich diese Einstellung mitbringe, dass es eine Bitte ist und keine Forderung. Es geht nicht um „sollen“ und „müssen“, sondern darum, dass der andere auch „Nein“ sagen kann und ich in diesem Fall schaue, welches Bedürfnis sich durch meine Bitte bei ihm nicht erfüllt. Wenn ich mit meinem „Mitarbeiter“ arbeite und nicht gegen ihn, sorgt das für ein vertrauensvolles Miteinander und hat Aussicht auf langfristigen Erfolg.

Diese und andere Inhalte besprechen und üben wir in meinen Seminaren gewaltfreie Kommunikation und  klar und wertschätzend kommunizieren im Business.

 

siehe auch Buchtipps:  Schulz von Thun, F.: Miteinander reden. Band 1 und Rosenberg, M.: Gewaltfreie Kommunikation.

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Sogorra am 7. April 2015 um 11:53

    Hups, da hat sich ein „Fehler“ eingeschlichen. In diesem Satz wird die weibliche statt wie im Rest des Artikels die männliche Form verwendet. Das war wahrscheinlich nicht speziell auf Frauen bezogen …?

    „Bist Du diejenige, die sich nicht traut, direkt zu fragen, überlege, was dahinter steckt.“

  2. Veröffentlich von Susanne Lorenz Kommunikationstraining Berlin am 7. April 2015 um 15:41

    Hallo,

    nein, kein Fehler, hätte ich vielleicht nur öfter wechseln sollen zwischen männlich und weiblich 😉

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