Susanne Lorenz lächelnd

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Sich seiner selbst bewusst zu sein ist so viel wert! Wenn du dir nicht immer mal wieder die Zeit zum Reflektieren nimmst, kann es schlimm ausgehen. Wie bei mir...

mehr Selbstbewusstsein in der Krise

Ein Resümee in der Corona-Zeit

 

Es ist schon erstaunlich, was sich alles in der letzten Zeit bei mir verändert hat. Die Veränderungen durch Corona sind nicht nur negativ. Diesen Beitrag schreibe ich, um dir eine weitere Sichtweise auf die aktuelle Situation zu zeigen.

Ja es stimmt, es gibt viele, denen es gerade sehr schlecht geht. Ich kenne Leute, die ihre Unternehmungen einstellen mussten, da sie beispielsweise in der Eventbranche gearbeitet haben. Ich kenne andere Trainer und Coaches, die sich zusätzlich eine Teilzeitstelle gesucht haben.

Auch bei mir sieht es nicht immer rosig aus. Im Vergleich zu 2019 habe ich wesentlich weniger Aufträge und dementsprechend auch weniger Umsatz. Darauf könnte ich mich jetzt fokussieren und frustriert sein. Bin ich auch zum Teil. Doch überwiegend freue ich mich.

 

Mehr Freude im Leben

Alles hat immer zwei Seiten. Eine gute und eine schlechte Seite. Die schlechte ist, ich gebe weniger Seminare und habe so weniger Geld als vorher. Die gute ist, ich habe mehr Zeit. Zeit für meinen Freund, meine Familie, meine Freunde und am wichtigsten: für mich! Doch später mehr dazu.

 

Corona hat mich gerettet

Vor Corona habe ich viel zu viel gearbeitet. Vier bis fünf Trainings gab ich die Woche. Eine Firma habe ich komplett mit allen 120 Mitarbeitern allein geschult.

Ständig war ich mit meinem Koffer unterwegs, war in Nürnberg bei einem Stammkunden, war in Dresden oder auch in anderen Städten. Zum Teil habe ich den Koffer gar nicht mehr komplett ausgepackt, da ich kurz darauf wieder losmusste.

Glücklicherweise habe ich Spaß an meiner Arbeit und es gab mir auch viel, denn ich konnte Menschen helfen, sich weniger zu ärgern und mehr auf sich und aufeinander zu achten. Ich verhalf ihnen auch zu mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse.

Das viele Geld war toll, das muss ich schon zugeben. Ich habe viel für meine Firma und meine Kunden ausgegeben und auch meiner Familie immer mal wieder Geld zugesteckt.

 

Keine Zeit für nix

Doch ich hatte kaum noch Zeit für irgendetwas. Die Familie habe ich kaum gesehen, meine Freunde ebenfalls. Zu Hause habe ich stundenlang gearbeitet, statt Zeit mit meinem Freund zu verbringen. Der war auch schon genervt, dass ich ständig am PC saß.

Zeit zum Reflektieren habe ich mir auch nicht genommen, ich bin von Seminar zu Seminar gehuscht und habe auch die Zeit im Zug genutzt, Blogartikel zu schreiben oder ähnliches. Zu mehr Selbstbewusstsein verhalf es mir nicht, da ich mir ja gar keine Zeit zum Nachdenken nahm.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich einige Tage vor Weihnachten noch dachte: „Oh je, ich muss auch noch Geschenke kaufen und einpacken, wann soll ich das denn noch alles machen???“ Da hab ich erst einmal gemerkt, dass das alles aus dem Ruder läuft und mehr Stress ist als ich wollte.

 

Ich humple von A nach B

Und dann war da noch die Sache mit dem Fuß. Ein Fersensporn? Keine Ahnung, auf jeden Fall war der Fuß total überlastet, ich konnte nicht mehr den ganzen Tag im Seminar stehen. Er tat tierisch weh und ich dachte, das geht schon weg!

So musste ich viel sitzen. Oft nutzte ich das Taxi und ich konnte auch nicht mehr ewig durch die Gegend laufen. Musste ich zur Post, konnte ich danach kaum noch etwas anderes machen, wenn das hieß, mehrere Minuten laufen zu müssen. Da hat mein Körper schon versucht, mir Signale zu geben, doch ich habe diese nicht verstanden.

Ich hatte also viel Geld und mein Ego hat sich über die tollen Aufträge gefreut, die mir schon auch mehr Selbstbewusstsein gaben. Schließlich arbeitete ich für große bekannte Firmen und bekam immer sehr gutes Feedback.

Allerdings war der Rest eher suboptimal. Und dann kam Corona.

 

Wie die Corona-Zeit mein Leben veränderte

Ja, mehr Aufträge heißt mehr Geld, doch eben auch weniger Zeit für alles andere. Dadurch, dass erstmal alle Kurse zu beginn 2020  storniert wurden, war ich extrem unsicher und auch ängstlich, wie es weitergehen soll.

Ich habe mir wirklich Gedanken um meine Existenz gemacht. Nicht so sehr um meine Gesundheit, sondern eher, wie es weitergehen soll. Schließlich hatte ich durch meine hohen Einnahmen auch richtig hohe Ausgaben, wie Renten- und Krankenversicherung, Einkommenssteuervorauszahlungen etc. Außerdem hatte ich gerade zwei Mitarbeiter eingestellt.

 

Von offline zu online

Anfragen zu online Trainings kamen auch erstmal nicht. Doch ich biete ja auch selbst offene Kurse an. Sollte ich die jetzt online machen?

Ich war bockig, wollte keine online Workshops machen, wollte einfach wieder „normal“ Kurse geben können.

Das lag auch an der Angst, was mit der Technik alles schieflaufen könnte. Ich habe in all den Jahren nicht mal mehr PowerPoint Präsentationen genutzt, da ich lieber mit Flipchart und Whiteboard arbeite.

Doch ich bin ein Mensch, der sich seiner Angst stellt und ich möchte gerne die Kontrolle über mich und mein Leben haben. Natürlich hat die Corona Situation viele Regeln aufgestellt, an die ich mich halten musste.

Also habe ich eine Weiterbildung zum online Trainer gemacht und anschließend meine Erfahrungen gesammelt mit Workshops über Zoom und Co. Denn Anfragen kommen ja immer noch, nur weniger und mit der Zeit dann doch für online Formate.

Nun ist es tatsächlich so, dass ich viel lieber online arbeite, solange es noch die Abstandsregelungen gibt. Denn online ist so viel möglich! Ich kann für viel mehr Abwechslung sorgen. Gruppenräume ermöglichen den Austausch und wenn man den Teilnehmenden mehr Zeit gibt, können sie sich bei den Übungen auch so austauschen über andere Themen.

Auch muss ich nicht mehr so viel durch die Gegend fahren und kann auch leichter mit Firmen zusammenarbeiten, die mehrere Standorte in Deutschland haben. Da hatte ich nämlich noch vor Corona mit einer Firma überlegt, ob wir die verschiedenen Module an verschiedenen Standorten machen, damit nicht immer alle reisen müssen.

 

Meine Werte haben sich verändert

Das mag komisch klingen, da ich erst 42 Jahre alt bin. Doch ich habe alles erreicht, was ich beruflich erreichen wollte. Ich war im Radio, im Fernsehen, habe in tollen Magazinen Artikel veröffentlicht, ich habe ein Buch geschrieben und war in vielen großen Firmen mit meinen Trainings zur gewaltfreien Kommunikation für Führungskräfte unterwegs.

Nun hatte ich Zeit zu überlegen, warum ich das alles eigentlich gemacht habe. Klar, auch, weil ich die gewaltfreie Kommunikation verbreiten möchte. Ich möchte wirklich, dass sich Menschen wohler fühlen am Arbeitsplatz, weil sie schneller ansprechen, was sie stört. Ich möchte ihnen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen, über sich, ihre Bedürfnisse und ihre Gefühle.

Das ist echt und es macht mich auch extrem glücklich, wenn mir meine Kunden erzählen, was sich bei ihnen alles nach dem Training oder Coaching geändert hat.

Doch es war noch etwas anderes. Ich brauchte die Anerkennung. Die Anerkennung, dass ich etwas Besonderes und wichtig bin. Nicht nur Durchschnitt. Kein „normaler“ Mensch, der nur einen „normalen“ Job hat. Ich musste mir beweisen, wie toll ich doch bin und das konnte ich mir selbst nicht geben. Traurig eigentlich, dass mir das nicht auch ohne all das klar war und dass ich das so für mich definierte.

 

Was will ich wirklich?

Ich hatte mich selbst verloren. Allen wollte ich es recht machen. Zeigen, wie klasse ich doch bin. Mit dem Geld meiner Familie und meinen Freunden helfen. Schaut her, ich habe es geschafft, ich bin ganz oben. Laut den Zahlen war ich mit meinem Einkommen dort, wo nur 10 % der deutschen Bevölkerung steht. Geil, oder?

Zu oft habe ich meine eigenen Bedürfnisse übersehen, habe mich noch um den Haushalt gekümmert und gekocht, da ich dachte, mein Freund erwartet das von mir. Das war allerdings gar nicht der Fall, nur mein eigener Druck.

Meinen Erwartungen, für alle da zu sein und ihnen das Leben zu erleichtern, wurde ich nicht gerecht.

Mein Bedürfnis der Unterstützung war zu sehr auf das Außen gerichtet und dabei habe ich vergessen, mich selbst zu unterstützen. Das Leben zu genießen, fiel mir echt schwer, denn ich definierte mich hauptsächlich über mein Dasein als Trainerin und Coach. Die Frage „Was machst du eigentlich in deiner Freizeit?“ war eine echte Herausforderung für mich.  „Was ist das?“

 

Zeit zum Reflektieren

Das wurde mir nun in der Corona Zeit alles bewusst, denn nun konnte ich mir Zeit nehmen zum Reflektieren. Zum Schauen, was mache ich hier eigentlich? Wer bin ich? Was will ich?

Und als Expertin für gewaltfreie Kommunikation wollte ich einfach wieder mehr den Fokus auf mich legen und schauen, was ich brauche, damit es mir gut geht. Schließlich geht es da immer wieder um unsere Bedürfnisse und wie wir sie uns erfüllen können, ohne andere dabei zu verletzen.

 

Das kam dabei raus

Nun ist einiges anders und es ist schon sehr spannend für mich, wie sich mein Leben verändert hat durch mehr "sich seiner Selbst-bewusst-sein."

 

Eigene Wohnung

Mit meinem Freund wohne ich immer noch zusammen, habe nun aber eine zusätzliche kleine Wohnung zum Arbeiten und wo ich auch schlafen kann, wenn ich allein sein will. Dadurch habe ich mehr Zeit für mich und auch eine Wohnung, die komplett nach meiner Vorstellung eingerichtet ist. Damit erfülle ich mir auch mein Bedürfnis der Flexibilität.

 

Familie

Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Mutter, da ich sehr lange ein schlechtes Verhältnis zu ihr hatte und sich das erst in den letzten Jahren gebessert hat.

Mit meiner Schwester war ich in den letzten Wochen unheimlich oft im Kino, da so viele coole Filme laufen und ich das schon lange nicht mehr so regelmäßig gemacht habe.

 

Urlaub

Vor kurzem hatte ich das erste Mal seitdem ich arbeite, drei Wochen am Stück Urlaub 😊. Das war toll!

Mit dem Zeichnen von Superhelden und anderen Figuren habe ich wieder angefangen, denn das habe ich vor meiner Selbständigkeit regelmäßig gemacht.

Oft war ich draußen an der frischen Luft, habe viele Bücher gelesen und gefaulenzt. Ich wusste gar nicht, dass ich das kann😉. Denn Faulsein fällt mir echt schwer, da ich so ein Workaholic bin.

Auch wenn ich weniger Aufträge habe, heißt das ja nicht, dass nichts zu tun ist. Ich habe meine Website und mein Online-Marketing optimiert und einiges ausprobiert. Dazu habe ich diverse Kurse und Coachings gebucht und auch einige interessante Erkenntnisse gewonnen. Deswegen war mir dieser Urlaub auch so wichtig.

 

Fünfe grade sein lassen

Zuverlässigkeit ist mir sehr wichtig und ich habe seit vielen Jahren immer alle zwei Wochen einen Blogartikel veröffentlicht. Seit einiger Zeit auch immer am gleichen Tag zu einer bestimmten Uhrzeit. Auch davon bin ich jetzt weg.

 

Seit Beginn meiner Selbständigkeit habe ich das erste Mal einen Monat lang nichts geschrieben.

 

Drei Wochen war ich nicht bei den social Media Kanälen aktiv. Krass, oder? Doch das hat mir echt gutgetan.

 

Auch mache ich mir nicht mehr den Stress, jede Mail gleich zu beantworten.

 

Auf mein Handy schaue ich weniger oft und poste auch weniger auf Facebook, LinkedIn und Co.

 

Ich habe einfach mal den „Du-musst-Stecker“ gezogen.

 

Nach fast zehn Jahren Selbständigkeit gehe ich nun also lockerer mit meiner Arbeit um und stresse mich nicht mehr ständig.

Und was jetzt sogar manchmal passiert, verblüfft mich total: ich habe ab und zu auch gar keine Lust mehr zu arbeiten! Au weia, das kann ich kaum schreiben, haha.

Also aus dem hoch motivierten Arbeitstier ist jetzt ein „normaler“ Mensch geworden. Ich kann mir nun also auch mal erlauben, nichts zu tun und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben. Das gelingt mir noch nicht immer, doch immer besser.

 

Fazit

Die Corona-Zeit hat mich innehalten lassen zum Reflektieren. Dadurch habe ich einiges in meinem Leben geändert.

Ich habe mehr Zeit für mich und die wichtigen Menschen in meinem Leben. Viel Geld bringt mir nichts, wenn meine Gesundheit unter der vielen Arbeit leidet und auch mein soziales Umfeld.

Geld macht vieles leichter, doch allein eben nicht glücklich. Ständiger Stress und immer arbeiten, arbeiten, arbeiten macht mich nur krank und unzufrieden.

Und im Garten bei meiner Mom zu sein, die Bienen zu beobachten, während ich die Rosen schneide oder dem dicken Hund den Kopf zu streicheln, ist soooo viel wert und macht mich auch extrem glücklich 😊.

 

mehr Selbstbewusstsein Hund im Garten

 

P.S.:

Ich weiß, vielen geht es zurzeit schlecht. Existenzen sind bedroht. Viele sind krank oder auch an Corona gestorben. Das ist mir alles bewusst und ich möchte das nicht klein reden oder ausblenden.

Das heißt auch nicht, dass ich nicht auch frustriert bin über die Entwicklungen oder dass ich nicht auch hilflos bin, weil ich nicht weiß, wie sich unsere Gesellschaft nun verändert.

Ich sehe auch in meinem Umfeld, wie viele Spannungen da sind zwischen den Menschen, die nicht einer Meinung sind. Ich wünsche mir auch mehr gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Hilfe. Doch das ist nicht der Fokus dieses Beitrags.

Mit diesem Artikel möchte ich Corona nicht schönreden. Mir geht es wirklich nur darum zu zeigen, was die aktuelle Situation bei mir Positives bewirkt hat. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

 

Alles Liebe

deine Susanne