warum die gewaltfreie Kommunikation nicht funktioniert

Stolpersteine bei der Anwendung der gewaltfreien Kommunikation

Im Laufe der letzten Jahre habe ich ganz viel über die gewaltfreie Kommunikation geschrieben, um Dich damit vertraut zu machen und Dir die wichtigsten Aspekte mit an die Hand zu geben.

Im Feedback und in meinen Seminaren höre ich immer wieder, dass bei der Anwendung doch einige Probleme bestehen. Gehörst Du auch dazu? Denkst Du oft, man das kann doch nicht so schwer sein und trotzdem funktioniert es nicht? Dann lese weiter, um zu erfahren, woran das liegen könnte und was Du dagegen tun kannst.

Anfangs habe ich mich oft gewundert, warum die vier Schritte Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte bei mir nicht immer funktionieren. Ich habe dabei selbst einige Grenzen und Fallen entdeckt und möchte diese Erfahrungen hier nun mit Dir teilen.

 

1. Veränderungen brauchen Zeit

Es ist ganz natürlich, dass das mit der Umsetzung der gewaltfreien Kommunikation (GFK) nicht immer gleich klappt. Schließlich haben wir meist schon mehrere Jahrzehnte eine andere Form der Kommunikation genutzt, bevor wir zur gewaltfreien Kommunikation kommen. Das änderst Du nicht von heute auf morgen.

Doch wenn Dir das wichtig ist, die GFK mit ihren vier Schritten zu verinnerlichen, dann kannst Du das gezielt üben. Wenn es Dir erstmal um den Ablauf geht, kannst Du das sogar allein machen.

Dazu könntest Du 21 Tage lange jeden Tag abends eine Situation des Tages in den vier Schritten aufschreiben. Hast Du Dich über den Kollegen geärgert? Oder warst Du traurig, weil ein Angebot nicht angenommen wurde? Oder hast Du noch keine Klarheit, um welches Gefühl es in der Situation überhaupt ging?

Wenn Du drei Wochen lang jeden Tag übst, fühlst Du Dich sicherer und bestärkter und kannst spätestens dann auch „draußen in der wilden Welt“ üben und die GFK anwenden. Zusätzlich kannst Du Dir eine Übungsgruppe suchen, wo Du mit Gleichgesinnten in einem geschützten Rahmen üben und Dich austauschen kannst.

 

2. Eigener Anspruch immer gewaltfrei zu sprechen

Denkst Du, Du musst immer gewaltfrei sein? Ich behaupte, das bekommst Du nicht hin. Und das ist auch okay. Das wird wohl keiner hinbekommen, weil wir eben nur Menschen sind.

Doch machst Du Dir diesen Druck, wird Dir die Sprache keinen Spaß mehr machen und Du sagst wahrscheinlich eher gar nichts mehr.

Wenn Du gewaltvoll sprichst, kann das deswegen sein, weil das eben Deinem Bedürfnis entspricht, Dich gerade nicht mit Deinen Gefühlen und Bedürfnissen auseinander zu setzen (Abstand, Distanz, Ruhe als Bedürfnis).

 

Selbst Marshall Rosenberg, der die gewaltfreie Kommunikation entwickelte, schaffte es nicht, immer und überall gewaltfrei zu kommunizieren. Das ist auch nicht das Ziel, denn natürlich sind wir alle nur Menschen und stark von unseren Emotionen gesteuert. Und wie ich immer in meinen Seminaren sage: der Wolf (Sinnbild für die gewaltvolle Kommunikation) hat auch seine Berechtigung. Er schützt uns, wenn wir uns nicht mit uns selbst auseinander setzen wollen.

Also: akzeptiere den Wolf in Dir! Ich arbeite hier gern mit dem visualisierten Bild des Wolfs. Wenn ich ihn brauche, hole ich ihn mir direkt. Habe ich genügend Abstand und Verstand in dem Moment (statt zu viel Emotion), schicke ich ihn in sein Körbchen.

 

3. GFK nur als Methode

Wenn Du die GFK als reine Methode anwendest, ohne dem anderen Wertschätzung und Offenheit entgegenzubringen, ohne Fokus auf die Bedürfnisse, funktioniert dies meist auch nicht.

Als „Giraffe“ (Sinnbild für die GFK) sehen wir die Menschen als eben solche mit Gefühlen und Bedürfnissen. Zwischendurch kann es durchaus passieren, dass wir das vergessen und uns eben darauf konzentrieren, dass wir doch die Führungskraft sind und unsere Mitarbeiter das machen müssen, was wir ihnen sagen.

Die Einstellung von „ich weiß es besser“/“du musst aber“ oder ähnliches drücken wir nicht nur verbal, sondern auch non-verbal aus. Unsere Körpersprache verrät uns also und dadurch entsteht Distanz.

Auch das hatte ich schon in meinem Seminar. Eine Teilnehmende meinte, wie toll sie es fände, dass sie nun wüsste, wie sie andere Menschen manipulieren könne. Ich war recht geschockt in dem Moment, doch bevor ich etwas sagen konnte, meinte sie nur, sie wüsste schon, dass das eigentlich anders gedacht ist. Hmpf. Ich habe ein Monster erschaffen!

 

Im Nachhinein fiel mir ein, dass Marshall Rosenberg so etwas auch passiert ist. Da traf er nach einiger Zeit auf einen jungen Herrn, der in einem seiner Seminare war und fragte ihn, was er jetzt so mache. Er sei auch GFK-Trainer und würde Führungskräften zeigen, wie sie ihre Mitarbeiter so manipulieren könnten, dass die auch immer machen, was man ihnen sagt. Rosenberg war stinksauer und fragte ihn, wie alt er denn sei. Er nannte sein Alter, ich glaube, es war 35 und Rosenberg entgegnete, wenn er noch seinen 36. Geburtstag erleben wolle, solle er mit dem Scheiß aufhören. Also auch nicht gerade gewaltfrei, oder? 😉

 

War´s das?

Natürlich gibt es noch andere Gründe, warum es nicht klappt und Dein Gespräch nicht so gewaltfrei abläuft, wie Du es Dir gedacht hast. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Ich freue mich, wenn Du mir berichtest, warum es bisher bei Dir nicht funktioniert hat. Was hast Du selbst für Stolpersteine bemerkt? Schreib mir einfach!

 

Linkliste:

Gewaltfreie Kommunikation

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