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überarbeitet im Februar 2022

The Work

 

The Work Part II

Im letzten Blogartikel bin ich bereits auf die vier Fragen von Byron Katie eingegangen, die auch als The Work bekannt sind. In diesem Artikel möchte ich die Vorgehensweise noch genauer erklären und Dir weitere Tipps zur Anwendung geben.

 

Das Arbeitsblatt für den Einstieg von The Work

Als Einstieg, wenn Du noch Anregung brauchst, was Dich gerade ärgert, gibt es ein Arbeitsblatt, das Du nutzen kannst für The Work:

  • Wer oder was ärgert/enttäuscht Dich/macht Dich traurig? Was hat Dir daran nicht gefallen oder gefällt Dir immer noch nicht?

 

  • Wie sollte er/sie/es sich ändern? Was willst Du von ihm/ihr?

 

  • Was genau sollte er/sie/es tun oder lassen, sein, denken oder fühlen?

 

  • Brauchst Du etwas von ihm/ihr? Was sollte er/sie/es Dir geben oder für Dich tun, damit Du glücklich bist? (Stelle Dir vor, Du hättest Geburtstag und jeder Deiner Wünsche würde erfüllt. Hol Dir, was du brauchst.)

 

  • Was denkst Du über ihn/sie/es? (Mache eine Liste.)

 

  • Was willst Du mit dieser Person oder Sache oder in dieser Situation nie wieder erleben?

 

Du darfst hier all Deine Urteile unzensiert aufschreiben und Deinem Ärger/Frust etc. den Raum geben, den Du brauchst.

Für den Anfang deiner "The Work" ist es leichter, wenn Du dies nicht für Dich durchgehst, im Sinne von, was solltest Du anders machen.

Beginne the Work erstmal damit, was Dich an anderen (Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen/Situationen oder auch Dinge wie Geld, Süchte oder auch Gott) stört. Nach einiger Übung kannst Du die vier Fragen auch auf Dich selbst anwenden.

Hast Du Deine Antworten aufgeschrieben (wichtig!), gehst Du diese im Anschluss Stück für Stück mit den vier Fragen durch, die ich im letzten Artikel erläuterte:

1. „Ist es wahr?“

2. „Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist?“

3. „Wie reagiere ich, wenn ich an dieser Überzeugung festhalte?“

4. „Wer wäre ich, wie ginge es mir ohne diese Überzeugung?“

Bei der dritten Frage ergänzt Byron Katie gern noch zwei weitere Unterfragen:

„Sehe ich einen Grund, diesen Gedanken loszulassen? Und ich bitte mich nicht darum, ihn loszulassen.“

„Sehe ich einen Grund, der nicht nur Schmerz und Leid bringt, an diesem Gedanken festzuhalten?“

 

Arbeit mit Umkehrungen bei The Work

Anschließend arbeitest Du mit Umkehrungen, auf die ich noch nicht eingegangen bin. Dabei horchst Du nach Innen und versuchst, Deinen Verstand fragen und Dein Inneres antworten zu lassen. Dabei gibt es drei Arten der Umkehrung: auf mich selbst, auf den anderen und auf das Gegenteil.

Das erläutere ich an einem Beispiel: „Fiona sollte mich mehr zu schätzen wissen.“

1. Ich sollte mich mehr zu schätzen wissen

2. Ich sollte Fiona mehr zu schätzen wissen

3. Fiona sollte mich nicht mehr zu schätzen wissen, es sei denn, sie tut es

 

Schau dabei, was ist wahrer für Dich? Dabei kann es durchaus sein, dass es sinnvoll und richtig ist, die Reihenfolge der Fragen zu verändern.

Manchmal macht es auch bei The Work Sinn, direkt mit der Umkehrung zu starten. Auch wenn Du dies tust, stelle Dir bitte trotzdem noch die Fragen, da sie Dir viel Unterstützung bieten, um an Deine Wahrheit zu kommen.

Frage Dich auch, willst Du recht haben oder glücklich sein? Der Ärger sagt uns etwas über uns selbst.

 

 

The Work bei typischen Kommunikationsthemen

 

Zwei typische Themen, die in meinen Kursen immer wieder angesprochen werden, sind andere ausreden lassen/aktives Zuhören und „Nein“ sagen. Schön, dass hier auch The Work hilft.

 

Ausreden lassen/ aktives Zuhören

Gehörst Du zu denjenigen, denen es schwer fällt, andere ausreden zu lassen? Woran liegt das? Weil Du denkst, Du weißt, was der andere gleich sagen will? Weil Du ihm helfen willst bei der Wortsuche? Weil Du es besser weißt? Weil Du sonst vielleicht vergisst, was Du gerade sagen wolltest?

Machst Du das nur ab und zu und stört es Dich nicht, machst Du Dir wahrscheinlich nicht die Mühe, The Work anzuwenden. Doch es könnte auch sein, dass Du immer wieder darauf angesprochen wirst und dass Du es selbst ändern möchtest.

In diesem Fall kannst Du wunderbar die vier Fragen durchgehen:

1. „Ist es wahr?“

2. „Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist?“

3. „Wie reagiere ich, wenn ich an dieser Überzeugung festhalte?“

4. „Wer wäre ich, wie ginge es mir ohne diese Überzeugung?“

 

Beispiel The Work ohne Umkehrungen

Gehen wir ein Beispiel durch: Du denkst, Du weißt, was der andere gleich sagen will.

 

1. „Ist das wahr?

Vielleicht denkst Du zuerst, dass das stimmt, dann stelle Dir die zweite Frage. Wenn Du gleich zu einem „Nein“ kommst, gehst Du zur dritten Frage über.

 

3. „Wie reagierst Du, wenn Du an dieser Überzeugung festhältst?

Du wirst die andere Person wirklich nicht ausreden lassen und es wird vielleicht zur Gewohnheit, dies immer wieder zu tun.

 

4. „Wer wärst Du, wie ginge es Dir ohne diese Überzeugung?

Du wärst entspannter beim Zuhören, könntest Dich voll und ganz auf das Gesagte des anderen konzentrieren und gedanklich bei ihm bleiben.

So könntest Du Neues in Erfahrung bringen, denn das, was Du sagen möchtest ist für Dich nichts Neues. Du könntest überrascht werden und hättest die Chance, Dein Gegenüber wirklich kennen zu lernen.

Das hilft nicht nur dabei, den anderen ausreden zu lassen, sondern auch, wenn Du aktiv zuhören möchtest. Schließlich ist das ein wichtiger Bestandteil. Warum driftest Du mit den Gedanken ab und kannst nicht zuhören? Weil Du etwas Wichtigeres zu tun hast? Auch hier kannst Du die Fragen anwenden.

 

„Nein“ sagen

Ich arbeite viel mit Menschen, die in der Pflege sind, seien es nun Führungskräfte aus der Pflege oder auch Pflegeberater. Auch an der Evangelischen Hochschule in Berlin war ich im Studiengang Bachelor of Nursing und half den Erstsemestern bei den Themen Kommunikation und Selbstmanagement.

So stoße ich immer wieder auf Menschen, die gern anderen helfen, die Bedürfnisse der anderen jedoch oft über die eigenen stellen. Das kann für eine Weile gut gehen, doch auch Folgen haben, wenn es zu oft passiert.

So mag es schwer sein, Menschen etwas abzuschlagen, die gerade krank oder in Not sind. Doch wie ist es mit anderen Personen, den Kollegen, den Familienangehörigen? Musst Du immer ja sagen zu allem, was von Dir gefordert wird?

Ich sage nein, das musst Du nicht! Du kannst Dir auch die Zeit nehmen, The Work anzuwenden und für Dich zu hinterfragen, welche Gedanken Dich bisher dazu trieben, „Ja“ statt „Nein“ zu sagen.

Ist es vielleicht die Angst, dass der andere Dich nicht mehr mag, wenn Du ihm eine Bitte nicht erfüllst? Oder denkst Du, dass wenn Du jetzt nicht hilfst, Dir der andere auch nicht mehr helfen wird? Oder sogar, dass er Dir das heimzahlen wird?

 

The Work und Nein sagen

Lass uns das exemplarisch durchgehen: Er wird Dich nicht mehr mögen, wenn Du ihm seine Bitte nicht erfüllst.

 1. „Ist das wahr?“ Vielleicht. Bitte beantworte diese Frage mit Ja oder ein Nein. Gehen wir mal davon aus, Du bleibst bei Deinem „Ja“.

 

2. „Kannst Du wirklich wissen, dass das wahr ist?“ Hundertprozentig sicher sein können wir uns in den wenigsten Fällen. Also wahrscheinlich nein.

 

3. „Wie reagierst Du, wenn Du an dieser Überzeugung festhältst?

Du wirst dieser Person nie etwas ausschlagen und zu allem „Ja und Amen“ sagen, egal, was Du eigentlich zu tun hast. Du wirst seine Bedürfnisse immer über Deine stellen. Außerdem wirst Du Dich danach ärgern, das Du nicht den Mut hattest, „Nein“ zu sagen. Du wirst Dir vornehmen, es nächstes Mal zu tun. Und Du wirst es nicht tun, weil Du Angst hast.

 

4. „Wer wärst Du, wie ginge es Dir ohne diese Überzeugung?“

Leichter und beschwingt. Du könntest Dir die Zeit nehmen, in Dich zu gehen und zu antworten, dass Du gerade keine Zeit hast.

Du würdest mal an Dich und Deine Bedürfnisse denken und du würdest Dir keine Gedanken machen, sondern offen sein für das, was dann passiert.

Du hättest die Gelegenheit, herauszufinden, wie der andere wirklich tickt und wie er darauf reagiert, wenn Du auch mal „Nein“ sagst. Durch die Anwendung der Fragen kommst Du somit Dir selbst näher und dem anderen.

Ich kombiniere The Work gern mit der gewaltfreien Kommunikation (GFK), wenn es darum geht, es anzusprechen, dass ich gerade keine Zeit habe.

Das Zauberwort ist hier Empathie. Ich versuche zu verstehen und möchte auch verstanden werden.  Ich verstehe, worum es dem anderen geht und sage dennoch, dass ich gerade etwas anderes zu tun habe. Natürlich ist es wichtig, abzuwägen.

Muss ich jetzt „Nein“ sagen, weil ich mir etwas beweisen will oder ist es doch in Ordnung, auch mal Kompromisse einzugehen? Wie immer ist der Kontext zu berücksichtigen.

 

Zusammenhänge Business Coaching und Kommunikationstraining

Mir war es wichtig zu zeigen, dass es viele Verknüpfungen zwischen den Coaching- und den Kommunikationstools gibt. Deswegen macht mir meine Arbeit auch so viel Spaß, weil sich alles miteinander verbinden lässt.

Meine Coachingmethoden kann ich auch in den Kommunikationskursen nutzen, die gewaltfreie Kommunikation (GFK) ergänzt wunderbar Byron Katie und umgekehrt.

Mit der GFK hast Du ein Tool, mit dem Du nicht nur mit Dir selbst, sondern auch mit Deinem Gegenüber kommunizieren kannst, auch bei Störungen während Deiner Präsentation.

Auch für die Präsentationsseminare kann ich The Work miteinfließen lassen. Mit den Fragen kannst Du Deine Einstellung zu Dir, zu Deinem Präsentationsthema und den möglichen Folgen bei "Fehlern" durchgehen.

Es ist echt toll, dass alles ineinander fließt und sich ergänzt und ich somit nicht nur mein Leben angenehmer gestalten kann, sondern auch vielen Menschen immer wieder Tipps geben kann. Um sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren. Um mehr im Reinen mit sich selbst zu sein und mit anderen.

 

Fazit The Work

Die Wirklichkeit ist oft freundlicher als die Geschichte mit all unseren Interpretationen und Diagnosen, die wir uns darüber erzählen. Die vier schritte von Byron Katie sind wirklich sehr hilfreich und in den verschiedensten Bereichen anwendbar. Kommst du nicht weiter oder magst du lieber mit einem Blick von außen arbeiten, kontaktiere mich einfach. Ich freue mich auf dich!

 

Alles Liebe

deine Susanne

 

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2 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Jammern ade! - wirksam-kommunizieren.de am 4. November 2016 um 16:20

    […] Byron Katie Part II […]

  2. Veröffentlicht von Umgang mit Ärger durch gewaltfreie Kommunikation am 9. November 2016 um 18:14

    […] oder nicht! Das Problem ist, dass unser Geist versucht zu beweisen, was er denkt. (Schaue Dir auch Byron Katie dazu […]

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